Kajakfahrt und traditionelles Inuitmahl

14. August 2017

Der letzte, komplette Urlaubstag bricht an. Zum Abschied verzieht sich der Nebel und die Sonne kämpft sich durch die Wolkenschicht. Wir schultern unsere Tagesrucksäcke, versorgen uns mit Proviant und laufen los. Nochmals bewundern wie die Statue von Leif Eriksson, der über dem nach ihm benannten Fjord thront. Es geht über grüne Weideflächen, auf denen Ponys und Schafe gemeinsam grasen.

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Der Weg führt an kleineren Bergseen vorbei. Teils wird es felsiger, dann wieder versperren uns die niedrigen Büsche den direkten Durchgang. Endlich weitet sich der Pfad und wir erhaschen den ersten Blick auf den Tasersiuaq-Fjord mit seinen Eisbergen und die Berghütte von Tasermuit, in der die Taschen später gelagert werden.

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Es wird immer wärmer. Die Sonne brennt intensiver und wärmer, als man es in der Arktis vermuten würde. Das Thermometer steigt auf 20°C. An der Hütte legen wir die Lunchpause ein, sonnen uns, genießen die Kulisse und warten auf die Rückkehr der  Gruppe Spanier, die heute Morgen vor uns gestartet sind. Erst wenn sie genug gepaddelt sind, ist unsere Gruppe dran.

Noch einen Hügel müssen wir bewältigen und sodann sehen wir ein Rundzelt und die farbenfrohen Kajaks in unmittelbarer Nähe des Fjords.

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Ich habe mich entschieden nicht mit Kajak zu fahren, sondern vom Ufer aus Fotos zu machen. Alle anderen gehen in das Zelt, wo sie ihre Ausrüstung und die Einweisung erhalten. Danach steigen sie in die Boote und versuchen sich mit mehr und manchmal weniger Erfolg vom Kies abzustoßen.

Derweil bekomme ich Besuch von vorbeiziehenden Schafen. Eines kommt direkt auf mich zu, lässt sich in voller Positur ablichten, nickt und trottet dann weiter.

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Ist es nicht eine Schönheit?

Die Gruppe paddelt zuerst auf dem ruhigen, eisfreien Ausläufer des Fjords bevor sie sich in Richtung der Eisberge aufmachen. Farbklekse im weiß-blauen Eisparadies. Später erzählen sie mir, dass sie teils ziemlich dicht an den Eisbergen waren und mit Schwung rückwärts paddeln mussten, weil die Eisberge sich anfingen zu drehen.

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Kein ungefährliches Terrain. Drehende Eisberge können ein Boot ganz leicht mit unter Wasser ziehen und das ist bei den Wassertemperaturen sicher kein Vergnügen. Glücklicherweise kommen alle ohne Blessuren davon.

Ich ergötze mich an den arktischen Blumen, den Eisschollen am Strand und den vorbeifliegenden Vögeln. Auf einer Anhöhe suche ich mir einen windgeschützten Platz. Die Sonne wärmt mich und ich habe richtig gute Laune. Die Stille um mich kann ich voll auskosten. Ab und zu brauche ich Zeit für mich allein.

Nach fast 2 Stunden kommen alle zurück und sind ganz aufgedreht, ob ihrer Erlebnisse auf dem Fjord. Dreimal sind sie fast in den Strudel sich drehender Eisberge geraten. Nur ein schnelles Rückwärtspaddeln und die Aufmerksamkeit aller Teilnehmer und des Guides hat verhindert, dass etwas passiert ist.

Obwohl, eine Kleinigkeit ist passiert. Einer der französischen Teilnehmer hatte seine Kamera mit dabei und beim Eintauchen der Paddel lief das Wasser tröpfchenweise in diese Richtung. Das bekam er leider zuerst nicht mit. Erst später zeigte sich, dass diese nicht mehr funktionierte.

Ein erster Test der Speicherkarte in meiner Kamera ging negativ aus. In Frankreich konnte man glücklicherweise die Bilder doch noch retten. Die Kamera allerdings nicht.

Dann wandern wir zurück. Heute Abend erwartet uns ein traditionelles Inuitmahl, dass uns die Herbergsväter zum Abschied zubereiten und servieren wollen.

Traditionelles Inuitmahl

7 Gänge wird es geben. Begonnen wird mit Sealhaut. Sie sieht salzig und zäh aus. Ein rechteckiges Stück von ca 2×5 cm nehme ich mir. Meine Zähne versuchen das ledrige Stück Fleisch abzubeissen. Erstaunlicherweise schmeckt es relativ neutral. Gut kauen muss man es dennoch.

Ähnlich ist der zweite Gang: Walhaut. Kann man essen, muss man aber nicht täglich haben. Weiter gibt es noch Archangelika-Salat, sehr leckeren Wolfsfisch, schmackhaftes Karibu, Leber vom Wal oder Seehund, das weiß ich nicht mehr ganz genau und Sealfleisch.

Ganz ehrlich: Ich habe alle Gänge probiert und man kann damit überleben, aber das Sealfleisch war so ekelhaft für meinen Gaumen, dass ich es dezent ausspucken musste. Es war krisselig, schmeckte penetrant nach Tran und – sorry für den deftigen Ausdruck – Dünnschiss vom Algencocktail.

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Noch versuche ich die Abreise weit von mir wegzuschieben

Das Dessert hält keine kulinarischen Überraschungen für uns bereit. Vanillepudding in Zuckerlösung. Aber immer noch besser als Seehund.

So geht unser letzter Tag vor der Abreise zu Ende. Die spanische Gruppe lärmt noch lange vor sich hin. Wir sind alle müde und gehen relativ bald ins 8-Bett-Zimmer. Die Teilnehmer, die über Kopenhagen angereist waren, werden morgen früh bereits zum Flughafen gebracht.

Da wir noch zwei Nächte in Reykjavik eingeplant haben, werden wir noch etwas länger Zeit zu einer letzten Erkundung von Quassiarsuk haben. Eine geführte Tour durch den Ort und die Geschichte ist anvisiert.

© DieReiseEule 1/2018

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24 Kommentare zu „Kajakfahrt und traditionelles Inuitmahl

  1. Du hast wirklich traumhafte Eindrücke aus Grönland mitgebracht, kein Wunder, dass sich auch im Inneren so viel getan hat, denn die Landschaft dort verändert einen, bringt ins Vertrauen und schweißt sicherlich auch zusammen, wie du in dem anderen Post ja schon geschrieben hast. Ich hatte in Grönland echte Probleme, zu essen, denn eigentlich esse ich vegetarisch. Den Lachs aber habe ich probiert, der schmeckte super, Seehund allerdings roch schon wirklich ekelhaft, da wurde mir schon schlecht. Und Wal, nein, das kriege ich einfach nicht übers Herz. Ich finde es richtig gut, dass du deinen Grönlandtraum wahrgemacht hast, und dass es ein Traum war, sieht man ja auf den Bilder, wunderbare Eundrücke sind das. Liebe Grüße

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    1. 😀
      Ob mein Job normal ist? Die einen sagen so, die anderen so.
      Ich bin freiberuflich tätig und mein eigener Chef, da kann ich mir soviel Urlaub genehmigen wie ich will.
      Hauptsache ich verdiene genug, um reisen zu können. Ich arbeite immer 8 Monate „richtig“ und 3 von 4 Monaten lasse ich die Arbeit langsam runter fahren. Nur im Dezember arbeite ich grundsätzlich nicht, weil es mir da nicht gut geht. Hat mit meiner Vorgeschichte zu tun

      https://diereiseule.com/2016/07/29/das-bild-und-die-1000-worte/

      Herzliche Grüße

      Gefällt mir

    2. Ich habe deine berührende Geschichte schon mal gelesen …. den link hast Du mir schon mal geschickt.
      Ich finde es gut wie Du mit dieser schrecklichen Erfahrung umgehst und einen neuen Sinn gefunden hast. Respekt!!

      Gefällt 1 Person

Ich freue mich über einen netten Kommentar

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