Narsaq->Saarloq->Uunartoq oder Warmbad mit Eisberg

Narsaq

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Kirche in Narsaq

Gestern (2.8.17) sind wir in Narsaq angekommen. Außer dem Hafen, dem Restaurant und unserem Hostel haben wir nichts mehr gesehen. Doch bevor wir uns wieder auf den Weg zum Hafen machen, genießen wir noch eine ausgiebige Dusche und das leckere Frühstück. Dann packt jeder seinen grünen Duffleback, hievt ihn in den PKW-Anhänger, der vor dem Haus steht und dann geht es auch schon los.

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Narsaq

Wir erhaschen im vorbeigehen Blicke auf die so typischen, bunten Holzhäuser. Hier gibt es keine Staus, keine Rushhour. Nur ein paar Inuit sind unterwegs.

Heute werden wir nicht wandern, sondern längere Zeit mit dem Zodiak fahren. Das Wetter ist trocken, aber noch zieht der Morgennebel über die Gebirgskämme. Dank der Polarjacken ist uns beim Laufen heiß. Doch wir wissen schon, dass der Fahrtwind durch und durch geht und wir gleich froh sein werden, dass wir so dick angezogen sind.

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Wir nehmen noch 3 Spanier mit, die ebenfalls für die Reiseagentur Tasermiut unterwegs sind. Das Meer ist ruhig. Wir kommen flott voran. Und dann taucht ER plötzlich vor uns auf. Ein Eisberg. An sich nichts besonderes, doch dieser hat eine gefaltete Struktur. Mich erinnert er ein bisschen an die Oper in Sydney. Ob Jörn Utzon, der Architekt, sich davon hat inspirieren lassen? Immerhin ist er Däne und war bestimmt schon mal in Grönland unterwegs…

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Noch viele Eisberge bekommen wir zu Gesicht und jeder ist ein Unikat. Einzigartig. Beeindruckend. Von Mini bis riesig. Es riecht nach Eis mit einer Prise Salz. Nicht fischig, nicht nach Algen. Eher neutral. Ich habe mich schon jetzt in die Eisberge verliebt und könnte sie stundenlang anschauen.

Saarloq

Nach etwa 2 Stunden kommen wir an unserer Zwischenstation in Saarloq an. Wir erklimmen den Anlegesteg und werden von einem niedlichen Hund begrüßt.

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Saarloq ist ein kleiner Ort mit etwa 40-50 Einwohnern. Straßen? Fehlanzeige. Autos? Was’n das? Fahrräder? Nö. Supermarkt? Ja, aber klar doch!

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Pilerquisoq – die grönländische Supermarktkette

Uns wird klar, wie hart das Leben hier im Winter sein muss. Der Fjord friert dann zu und Saarloq ist mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten. Man kann ihn dann nur per Hubschrauber erreichen. Oder mit dem Hundeschlitten über das Eis gleiten, wobei Qaqortoq als nächste „Großstadt“ 20 km entfernt ist.

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Jeder von uns erkundet das Dorf auf seine Weise. Erstaunlicherweise gibt es zwischen den Häusern Kinderspielgeräte. Ich entdecke eine Wippe und eines dieser rotierenden Kreiseldinger, wo man drauf sitzt und ein anderer rennt und schubst an.

Mein Weg führt mich auf eine Anhöhe. Dort ist der große Sendemast, der Saarloq mit der Welt verbindet. Dabei geht es vorbei am Friedhof. Weiße Holzkreuze auf „Hügelgräbern“. Da der Untergrund felsig ist, werden die Toten darin eingebettet. Die Friedhöfe in Grönland sind umzäunt. Warum? Die Frage stellen wir unserem Guide und erfahren, dass die Inuit Angst vor den Toten haben/hatten und damit die Seelen nicht umherwandern können, werden sie eingezäunt.

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Fantastischer Ausblick noch nach dem Tod
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Verbindung zur Welt da draußen

Die Kargheit ist bemerkenswert. Und doch kämpft sich das Leben zwischen den Felsen hervor. Kleine Blumenbüschel nutzen jede Chance sich in die Erde zu krallen und Farbe zu spenden.

Noch ein letzter Rundblick sei mir vom Hügel über den Fjord und die Inseln gegönnt.

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Es geht weiter. Wieder mummele ich mich in meine Polarjacke ein, Rettungsweste drüber, ziehe die Kapuze über die warme Mütze, das Buff kommt über Nase und Mund, Reißverschluss bis zum Anschlag zu und dann startet der Motor des Schnellbootes.

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Klar, dass wir erneut an Eisbergen vorbeifliegen. Unser Bootsführer versucht die Kurven sanft zu nehmen. Aufstehen und fotografieren ist nicht erlaubt. Es sei denn, wir verlangsamen die Fahrt. Das ist beim nächsten Eisberg der Fall. Der ist aber auch traumhaft schön mit seinem türkisblauen Streifen.

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Streifen entstehen z.B. durch Regenwasser, dass in den Gletscherspalten gefriert. Dadurch werden keine Luftblasen eingeschleust und das führt zu dieser Dichte und damit dem Türkis.

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Wenn ich es nicht besser wüsste und selbst gesehen hätte, würde ich sagen, da hat ja jemand ganz schön in die Bildbearbeitungskiste gegriffen. Doch weit gefehlt. Die Farben sind tatsächlich so. Das Wasser ist glasklar. Und eiskalt.

Uunartoq

Uunartoq ist eine kleine Insel mitten im Nirgendwo an der grönländischen Südwestküste. Ganzjährige Einwohner – Fehlanzeige.

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Die blauen Zelte werden heute Nacht unsere Unterkunft sein. Im weißen Zelt macht eine Jugendgruppe Urlaub, denn auch in Dänemark und Grönland sind Sommerferien. Mal wieder bin ich fasziniert vom Blick über den Eisfjord. Das lässt nicht nach.

Heute steht kein Programm mehr auf dem Plan. „Entspannt euch, morgen wird wieder stramm gewandert“, so die Ansage von Gilles. Wir sehen die Kinder mit ihren Begleitern. Sie haben Handtücher und Badekleidung über dem Arm. Baden? Hier? Sind die lebensmüde oder abgehärtet?

Gilles erklärt uns, dass hinter dem nächsten Hügel heiße Quellen sind. Drei Teiche, die durch Erdwärme eine angenehme Temperatur von ca 37°C erreichen. Das müssen wir mit eigenen Augen sehen und ausprobieren wollen wir das natürlich auch.

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Es gibt eine offene Umkleidekabine und ein Umkleidehäuschen. Doch zuerst fotografiere ich die anderen. Die Luft ist kalt. Sehr kalt. Aber die Teiche scheinen wirklich warm zu sein. Ein bisschen Dampf steigt auf und man kann Blubberbläschen im Wasser sehen. Abgefahren, oder?

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Da sitzt man im kuscheligen Badewasser und im Fjord ziehen die Eisberge vorbei. Ab und zu kracht es. Donner? Nur ein Stück Eisberg ist abgebrochen und stürzt in die Fluten, löst eine Welle aus, die Minuten später an den Strand schwappt.

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Absolut irreal und doch real.
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Making of…

Keiner will aus dem Wasser raus, da jeder weiß, dass wir dann ganz schnell auskühlen werden. Doch der Hunger macht sich langsam bemerkbar. Wir entsteigen unserem Privatpool, kleiden uns an und laufen zurück.

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Eine Überraschung erwartet uns im Zeltcamp. Ein Inuit, der im Sommer auf Uunartoq wohnt und fischt, hat uns in sein apfelgrünes Haus zu Kabeljau eingeladen. Frisch gefischt und zubereitet. Gastfreundschaft wird hier gepflegt. Das Panorama beim Mahl ist einzigartig. Wow!

Wir revanchieren uns indem wir selbstverständlich helfen den Tisch zu decken und später den Abwasch zu machen. Ich gehe anschließend noch eine Runde. Irgendeine Anhöhe soll mir den Rundumblick verschaffen. Dabei sammele ich noch ein paar Heidelbeeren, die hier wild wachsen.

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Als es zu dämmern beginnt, legen wir uns hin. Zum Frühstück sind wir nochmals zu dem Inuit in sein Häuschen eingeladen.

Wie die Reise weiter ging, erfahrt ihr in den Folgeartikeln. Ich löse dann auch die Frage nach den Mücken, der Toilette usw auf.

Auf eure Likes und Kommentare freue ich mich. Habt ihr ähnliches erlebt? Wurdet ihr auch so gastfreundlich empfangen?

Alle bisherigen Berichte und Fotoreportagen über die größte Insel der Welt findet ihr hier:

© DieReiseEule 9/2017

12 Kommentare zu „Narsaq->Saarloq->Uunartoq oder Warmbad mit Eisberg

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