Städel Frankfurt

Geschlechterkampf – Von Franz von Stuck bis Frida Kahlo

Das Städel Museum in Frankfurt steht schon lange auf meiner Liste der Träume. Eine Freundin arbeitet in Frankfurt und auch sie wollte schon lange ins Kunstmuseum. So begab es sich, dass sie für uns beide den Besuch organisierte. Gerade auch, weil aktuell die Sonderausstellung Geschlechterkampf zu sehen ist. Eine perfekte Verknüpfung mit meinem Beruf als Hebamme.

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Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile. Zu Beginn schreitet man durch eine Halle. Hier bekommt man auf Wunsch auch einen Audioguide, der die Besucher durch den Rundgang leitet.

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Eingangshalle zur Sonderausstellung

In der Eingangshalle wird man mit Sprüchen, Anekdoten und Weisheiten aus Zeitungsartikeln an den Wänden konfrontiert. Man sollte sich die Zeit nehmen und diese lesen. Wirklich spannend!

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Danach geht der Rundgang los. Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen säumen die Ausstellungsflächen, unterbrochen von Filmsegmenten.

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Filmszene

Bewußt wird mit den Geschlechterklischees gespielt. Der Mann an der Nähmaschine, die Frau rauchend im Sessel. Jeder Künstler hat sich auf seine Weise mit dem Thema auseinander gesetzt.

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Lilith – die erste testamentarische Frau, die gerne „unter den Tisch gekehrt“ wird

Die Kunstwerke entstammen der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Große Namen der Kunstszene – Frida Kahlo, Pablo Picasso, Otto Dix und viele Anderen – haben sich mit den Rollenbildern auseinander gesetzt und diese auf ihre eigene Weise interpretiert.

Bedrückende Studien über unterdrückte Frauen, Vergewaltigung und Mißbrauch finden sich ebenso wie „heitere Kämpfe“ unter Männern und Frauen.

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Nicht alle Exponate entstammen dem Fundus des Städelmuseums. Leihgaben ergänzen die kunsthistorischen Werke. So ist eine umfassende, einzigartige Sammlung entstanden.

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Medusa von Franz von Stuck

Realistisch oder überzogen? Alles hat in der Kunst seine Berechtigung. Wer will sich anmaßen, was richtig oder falsch sei. Schon immer hat Kunst polarisiert und Diskussionen entfacht. Es geht nicht um „Schönheit“, sondern um Konfrontation.

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Ausschnitt aus dem Hannah Höch Gemälde „Die Braut“ (Pandora) 1924-27

Der Kampf der Geschlechter(rollen) ist immer noch ein hochaktuelles Thema. Gleichberechtigung mag es auf dem Papier geben, aber die Realität ist eine Andere. Man erinnere sich nur an die Übergriffe am Silvesterabend in Köln.

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Auch heute windet man sich wie eine Schlange, um einander einzuwickeln oder speit Feuer wie die Drachen aus der Sagenwelt. Ein unendlicher Prozess. Mann und Frau – mal Einheit, oft Gegensatz.

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Eine sehenswerte Sonderausstellung, so lautet mein Fazit. Wer nun Lust bekommen hat, sollte sich bald ins Städel am Museumsufer Frankfurt am Main begeben, denn diese endet am 19. März 2016.

Doch verlassen wir jetzt mal diesen Bereich des Museums. Schließlich gibt es auch die Dauerausstellungsräume, die nicht minder interessant sind.

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Im obersten Stockwerk befindet sich die Abteilung der „Alten Meister“. Dazu gehören die Maler der niederländischen, flämischen  und italienischen Schule, wie z.B. Vermeer, van Gogh, Rubens, Hans Holbein d. Ä., Botticelli und Lucas Cranach.

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Das Städel beweist Mut zur Farbe. Die Wände sind ansprechend knallig gestrichen. Ein schöner und wirkungsvoller Kontrast zu anderen Kunstmuseen. Dadurch kommen manche Farben der Kunstschätze noch intensiver hervor.

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Lippo Memmi – Thronender Christus mit den 12 Aposteln und Engeln

Wo kommt der Name Städel eigentlich her?

Eine berechtigte Frage. Das Museum verdankt den Namen einem Frankfurter Bankier und Kunstliebhaber: Johann Friedrich Städel (1728-1816). Ursprünglich hatte er den Gewürzhandel seines Vaters übernommen, wechselte dann ins Bankenwesen und begann ab etwa 1770 Zeichnungen, Gemälde und Kupferstiche. Er verfügte, dass die Sammlung nach seinem Tode in eine Stiftung übergingen.

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Besonders Johann Wolfgang von Goethe interessierte sich zu Städels Lebzeiten für die Kupferstiche und besuchte ihn mehrfach. Nach dem Tod des Mäzens kam es zum Streit ums Erbe, dass letztlich mit einem (teuer erkauften) Vergleich endete.

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Hendrick Goltzius – Ikarus (Kupferstich) aus „Vier Stürzende“ 1588

Das heutige Museumsgebäude am Schaumainkai wurde 1878 bezogen. Es beherbergt über 4000 Gemälde, wovon etwa 1000 in der Dauerausstellung zu besichtigen sind.

Johann Friedrich Städel verfügt in seinem Testament außerdem die Einrichtung einer Kunsthochschule, die kostenlos Talente frei von Religion und Ansehen fördern solle. Heute gehört die Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule zu den führenden Kunstschulen mit internationalem Ruf.

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Was mir sehr gut gefallen hat, sind die Erklärungen, die man an den farbigen Wänden findet. Die Texte sind lang genug, um an interessante Informationen zu gelangen und kurz genug, um sich nicht zu langweilen. Zudem sind sie zweisprachig (deutsch/englisch).

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Canaletto – Ansicht des Bacino de San Marco in Venedig

Die Kehrseiten der Malerei – auch denen ist eine Abteilung im Städel gewidmet. Bisher wusste ich nicht, dass es Gemälde gibt, die auf Vorder- und Rückseite bemalt sind. Gemeinhin bekommt man ja nur die ansprechende Vorderseite präsentiert.

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Die Kehrseite von Ignaz Unterbergers „Jupiter und Hebe“

Das obige Gemälde wurde auf Marmor gemalt, die Rückseite ist eine Schieferplatte, von der man allerdings nicht weiß, ob sie erst später aufgebracht wurde oder von Anfang an da war. Die Frage, ob die Rückseite ebenfalls zur Präsentation sein sollte, bleibt wohl unbeantwortet.

Leider blieb mir keine Zeit, die restlichen Abteilungen (Kunst der Moderne, Gegenwartskunst und Graphische Sammlung) zu besichtigen. Das werde ich aber sicher zu einem anderen Zeitpunkt nachholen.

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Mein Fazit

Ein Besuch des Kunstmuseums lohnt sich, sofern man Interesse an Gemälden, Drucken, Skulpturen und Zeichnungen hat. Nicht jedes Werk trifft den eigenen Geschmack, aber das wäre wohl auch zuviel verlangt.

Die farbigen Wände grenzen das Städel erfrischend gegen andere Museen ab. Die Farben sind gleichzeitig ein Leitfaden durch die Ausstellung. Man sollte sich nicht zu wenig Zeit einplanen. Schnell sind drei oder vier Stunden vergangen und man hat nur einen kleinen Teil sehen können.

Eine Restauration im Erdgeschoss bietet die Möglichkeit einer Erholungspause, bevor man sich wieder in die Ausstellungsräume begibt.

Allgemeine Informationen

Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Telefon +49(0)69-6050980    Kontakt besucherdienst@staedelmuseum.de

Öffnungszeiten

Montags geschlossen

Alle anderen Tage ist das Städel von 10 – 18 Uhr, donnerstags und freitags auch bis 21 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise

Erwachsene € 14,-

Ermäßigt € 12,-

Familien € 24,- (2 Erwachsene, mindestens 1 Kind 12-18 Jahre)

Gruppen € 12,- p.P.

Kinder unter 12 Jahren zahlen keinen Eintritt. Freier Eintritt (auch in die Sonderausstellung) mit der Museumsufer-Card.

Im Eingangsbereich findet man eine Garderobe und Schließfächer (gegen € 1,- Pfand).

Alle weiteren Informationen bzgl. Anfahrt, Sonderveranstaltungen, Sonderöffnungszeiten, Führungen usw findet man auf der Homepage
Städelmuseum

Alle Fotografien sind im Städelmuseum entstanden und zeigen ein Abbild der aktuellen Ausstellung.

Ich danke dem Städel Frankfurt für die Unterstützung,  die Genehmigung zum Er- und Einstellen der Fotos und Überlassung von Informationsmaterial. Mit dem Besuch wurde mir ein Traum erfüllt.

Mein Artikel wurde dadurch nicht beeinflusst und spiegelt – wie bei allen meinen Beiträgen – meine persönliche, durch nichts zu trübende Meinung wieder. Evtl. geäußerte Kritik soll weder verletzen noch negativ, sondern als Ansporn verstanden werden.

© DieReiseEule 2/2017

2 Kommentare zu „Städel Frankfurt

  1. Liebe ReiseEule, das ist ein ansprechender Bericht, der durch die schönen Aufnahmen aufgelockert wird. Vielen Dank dafür! Sabine E.

    1. Vielen Dank, Sabine. Nicht nur für den Kommentar, sondern auch die Überraschung und Organisation und natürlich die wunderbare Begleitung. ❤

Ich freue mich über einen netten Kommentar

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