Drei Kapellen Rundwanderweg – Kastel und Kostheim

Wanderung durch die Weinberge

Level: Für Anfänger geeignet, nur leichte Steigungen (barrierefrei)

Start und Ende am Friedhof Kostheim

Ich nehme euch heute auf einen regionalen Wanderweg durch die hessischen Weinberge in Mainz-Kostheim und Mainz-Kastel mit. Im Sommer ist das auch ein guter Radweg, denn bis auf 100 m ist die gesamte Strecke geteert. Solltet ihr aus einem Corona-Hotspot kommen, so könnt ihr bei geoventisasslar den 15 km Radius ermitteln, um zu checken, ob ihr hierher kommen dürft.

Als Startpunkt habe ich mir den Friedhof Kostheim im Mittleren Sampelweg ausgesucht. Hier könnt ihr das Auto für 2 Stunden abstellen (Parkscheibe nicht vergessen).

Es gibt drei alternative Routen, je nachdem, wie lange ihr unterwegs sein möchtet. Die kleine Runde ist 4,0 km lang, hat etwas mehr Steigung und dauert ca. 50 min, die mittellange Strecke ist 5,1 km lang, moderat zu laufen und dauert ca. 60 min und die längste Wanderung ist überweigend flach angelegt, 6,7 km lang und dauert ca. 80 min. Ich habe extra Wege ausgesucht, die wenig Kontakt zu Hauptstrassen haben. Das heißt, ihr lauft fast die ganze Zeit durch die Felder und Weinberge.

Vom Parkplatz aus geht ihr nun an der Friedhofsmauer rechts den schmalen Feldweg rein. Dieser führt an Schrebergärten entlang. An der Bahnlinie haltet ihr euch rechts.

Friedhof Friedhofskapelle Kostheim
Friedhofskapelle Kostheim, Mittlerer Sampelweg, hier rechts halten

Sobald ihr auf die Hochheimer Straße trefft, geht ihr über den Bahnübergang und sofort danach links in den Steigweg. Hier kommt ihr an den Gewächshäusern meiner Blumenfee Familie Lynch vorbei, die am Friedhof ihren Laden haben. Rechts ist der Spargelhof Perske und dort biegt ihr nun rechts ab, um sofort danach am Weingut Scherbaum wieder nach links zu laufen (Heßlerweg).

Die Kapelle am Weiherbrunnen

Kapelle am Weiherbrunnen

Nach 300 m seht ihr am linken Wegrand die Kapelle. Leider ist sie inzwischen sehr überwuchert und alle Artefakte wurden (vermutlich) geklaut. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, wurde der Käufer des Grundstücks verpflichtet, eine Kapelle zu bauen. Eine größere Bedeutung scheint sie nicht zu haben.

Gegenüber auf der rechten Seite steht ein imposantes Naturdenkmal – eine uralte, sehr auslandende Platane. An dessen Fuß befindet sich die Quelle des Weiherbrunnens. Dazu steigt ihr ein paar Stufen hinab Richtung Untergrund.

Die Quelle des Weiherbrunnens – nicht als Trinkwasser geeignet

Die Legende des Weiherbrunnens

Früher wurden an der Quelle Töpfe, Kanister und Gießkannen gefüllt. Heute wollen nicht mal mehr Hunde ihren Durst dort stillen, so ungepflegt ist sie. Sehr schade.

Die Arbeiter in den Weinbergen erfrischten sich hier annodazumal, indem sie das Quellwasser tranken oder an heißen Tagen ihr Haupt damit benetzten.

Fragte früher der Nachwuchs die Eltern, wo denn die Babys herkamen, so zeigt man ihnen stolz das “Brünnchen” und behauptete frei raus, dass man diese hier abholen könne, wenn die Zeit gekommen sei.

Entscheidung: Kurz-, Mittel- oder Langstrecke

Unscheinbar: der Weiherbrunneneingang neben der riesigen Platane (rechts im Bild)

An dieser Kreuzung muss man sich nun entscheiden, ob man die rechte Gabelung nimmt (mittlere und lange Strecke) oder rechts die kürzere, aber steilere Strecke wählt. Später treffen beide Strecken wieder aufeinander. Da man sich auf der Kurzstrecke nicht verlaufen kann und automatisch zur nächsten Kapelle geführt wird, beschreibe ich euch die Langstrecke.

Durch das Tal des Käsbachs

Für die längere Wanderung läuft man am Weingut Anton Bopp und seiner Weihnachtsbaumschonung vorbei. Hier kann man sich in der Vorweihnachtszeit rechtzeitig einen Baum aussuchen, den man dann zum Fest abholt.

Bekannt ist das Weingut darüber hinaus für seine artgerechte Pferdehaltung. Im Garten werden außerdem Gänse gehalten. Für Kinder ist das super, denn sonst sieht man das Geflügel kaum in Freilandhaltung.

Es geht an Weinstöcken vorbei. Dem aufmerksamen Wanderer fällt auf, dass es sich hier Riesling für den bekannten Fürst von Metternich Sekt angebaut werden.

Riesling Weinstöcke

Nach etwa 300 m gabelt sich der geteerte Feldweg erneut. Nach links geht die mittellange Strecke. Sie trifft an der nächsten Kreuzung wieder auf die Langstrecke. Daher beschreibe ich diese nicht näher.

Für den längsten Wanderweg folgt man dem geteerten Feldweg, der sich nur wenige Meter weiter nach links windet. Es geht nun über den Käsbach.

Der Käsbach

Der Käsbach (kes = sumpfiges Gelände) ist der letzte Zufluss des Mains, bevor dieser selbst an der Mainspitze in den Rhein mündet. Richtig genommen gibt es den ersten und den zweiten Käsbach. Ein Ast des Baches entspringt in Wiesbaden-Erbenheim, in der Nähe der Clay-Kaserne, führt an den Kiesgruben in Hochheim vorbei, bevor er sich auf Höhe der ehemaligen Klärgrube vereint. Der andere Arm des Käsbachs entspringt in den Schrebergärten Nahe der B40 in Hochheim.

Der Käsbach

Ab der Vereinigung spricht man nur noch vom Käsbach. Dieser schlängelt sich idyllisch neben dem Mühlweg entlang, an der Donnermühle vorbei, bis er am Papierwerk Essity (ehemals SCA) in den Main mündet.

Man befindet sich nun an der Kreuzung Heßlerweg/Mühlweg. Ihr folgt dem Mühlweg nach links – dort wo es ganz gemäßigt bergauf geht. Nach 1,1 km kommt ihr am ehemaligen Klärwerk Hochheim vorbei. Ihr seht und hört nun die Fahrzeuge auf der Autobahn 671, unterquert sie aber nicht, sondern ihr biegt dort nach links ab.

Oben die BAB A671, geradeaus geht es nach Hochheim, doch ihr geht nach links

Jetzt geht es kurzfristig neben der Autobahn bzw. dem Autobahnzubringer entlang. Bei gutem Wetter sieht man von der Anhöhe aus den Mainzer Dom und die Christuskirche. Einfach dem geteerten Weg folgen, der sich zweimal nach links windet.

Auf Höhe der Brücke über die Autobahn trifft man auf die mittellange Strecke. Unser Rundweg überquert aber nicht die Autobahn, sondern wir gehen in die Gegenrichtung. Ihr befindet euch nun auf der Verlängerung der Steinern Straße.

Die Steinern Straße bzw. Elisabethenstraße

Schon zu Zeiten der Römer gab es diese Straße, die von Mainz bis in die Wetterau führte. Einerseits wurden die Mainzer Heere aus den “villae rusticae” mit Lebensmitteln versorgt, andererseits wurde die Versorgung der Limestruppen mit Nachschub sichergestellt. Den Namen Elisabethenstraße erhielt die Straße im Mittelalter, weil sie für Wallfahrten zum Grab der Heiligen Elisabeth in Marburg genutzt wurde. Der Name Steinern Straße verweist auf die ehemalige Pflasterung.

Die Margaretenkapelle

Nach 500 m entdeckt man linksseitig die Margaretenkapelle mit ihrer außergewöhnlichen, dreieckigen Architektur und dem bemerkenswerten 6 m hohen Kupferdach.

Die Margartenkapelle an der Steinern Straße

Im Jahr 1983 durfte – nachdem bürokratische Hürden genommen wurden – die Kapelle erbaut werden. Sie ist Margarete Boos von ihrem Mann Günther gewidmet. Der Bauingenieur liebte seine Frau so sehr, dass er ihr post mortem ein Denkmal setzen wollte. Die Steine stammen aus einem Steinbruch in der Nähe von Aschaffenburg. Die Verarbeitung des gefalzten Kupferdaches entspricht einem fast vergessenen Handwerk. Leider wurde die Kapelle bereits mehrfach von Kupferdieben und Wandalen geschändet. Im Inneren sind neben Gedenktafeln ein ewiges Licht zu sehen.

Hier an der Margaretenkapelle trifft man nun auch auf den von links kommenden kurzen Wanderweg (Steigweg).

Links trifft der Steigweg – die kurze Runde – auf die Steinern Straße

Das Fähncheskreuz

Ihr folgt der Steinern Straße 350 m und dann trefft ihr auf das Fähncheskreuz. Hierbei handelt es sich um eine gekreuzte Jesusfigur aus Sandstein von 1697. Das Wetterfähnchen an der oberen Spitze wurde erst später angebracht. Daher auch der kuriose Name Fähncheskreuz : Kreuz mit Wetterfähnchen.

Das Fähncheskreuz

1985 wurde bei Bauarbeiten ein Grabstein eines römischen Soldaten unter dem Fähncheskreuz entdeckt. 2008 wurde der Rastplatz als erstes Projekt der Stadt Wiesbaden im Zuge des Regionalparks Rhein-Main saniert und umgestaltet. Er ist ein beliebter Treffpunkt, weil man hier eine tolle Sicht bis zum Feldberg im Taunus hat.

Das Rübenkapellchen

Nun geht es bergab Richtung Mainz-Kastel. Schon von weitem sieht man das weiße Rübenkapellchen.

Das Rüben- bzw. Riebenkapellchen Ecke Steinern Straße/Oberer Sampelweg

Im Inneren erkennt man ein Jesusbild. Der Sohn Gottes übergibt Petrus den Schlüssel zum Himmel. Darunter eine erklärende Inschrift. Sinngemäß steht dort: “Dieser Bildstock wurde vom Rat Peter Rauschburger und Schmit zu Kostheim und sein Sohn Johannes Anno 1723”

Sollte der Lockdown endlich beendet sein, könnte der hungrige und durstige Wanderer nun im Römerhof Weingut Wann einkehren, dass nur ein paar Schritte den Berg herunter 2020 neu eröffnet wurde. Vormals war Wann an der Hauptstraße in Kostheim angesiedelt, doch dort entsteht nun neuer Wohnraum.

Langsam nähert sich die Wanderung dem Ende. Es geht über die Bahnlinie, vorbei an der Krautgarten Grundschule. Dort biegt man links in den Fußweg ein.

Wer weiß denn sowas?: Die Krautgartenschule zieht die Grundschüler aus Kastel ein. Kommt man vom Feld herunter, steht die Schule auf der rechten Seite. Diese Straßenseite gehört zu Kostheim. Die Schüler, die ebenfalls auf dieser Straßenseite wohnen, werden aber in die Brüder-Grimm-Schule in der Kostheimer Siedlung eingeschult, obwohl diese 1,5 km entfernt ist. Die Häuser auf der linken Seite gehören zu Kastel. Beide Stadtteile haben eigene Postleitzahlen. Die Trennung der Städte mitten durch die Straße führt häufiger bei ortsunkundigen zu Problemen.

Krautgartenschule

Folgt man dem Mittleren Sampelweg 600 m ist man am Ausgangspunkt, dem Friedhof Kostheim angekommen.

Funfakt: Der gesamte Weg befindet sich in Hessen. Die Stadtteile Kostheim und Kastel tragen zwar Mainz im Namen, gehören aber seit 1945 “leihweise” zu Wiesbaden. Näheres erfahrt ihr unter Mainz gehört zu Wiesbaden?!

Falls ihr weitere Informationen zu den Kapellen habt, freue ich mich über eine Nachricht per Email oder einen Kommentar. Ich hoffe, euch hat meine Wegbeschreibung gefallen. Sagt mir gerne eure Meinung.

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6 Gedanken zu „Drei Kapellen Rundwanderweg – Kastel und Kostheim

  1. Liebe Liane,

    es ist schön, solche Wanderungen in seiner Nähe zu entdecken. Besonders, wenn es noch mehrere Varianten gibt, die zu Abwechslung führen.
    Schade, dass die Denkmäler an der Strecke so vernachlässigt werden. Das haben sie nicht verdient.

    Liebe Grüße Gina und Marcus

  2. Liebe Liane,
    für mich kommt klar die längere Variante Deiner super beschriebenen Wanderung in Frage. Hat man eigentlich die Möglichkeit, am Weingut Bopp auch verköstigt zu werden? Mir gefallen so natürliche Flecken wie der Käsbach. Wieder mal was gelernt bei Dir! Hatte mich schon immer gewundert, woher die Bedeutung kommt.
    Liebe Grüße

    Alex

    1. Liebe Alex,

      beim Weingut Bopp kann man essen und trinken (wenn nicht gerade Lockdown ist). Das Essen ist bodenständige Hausmannskost mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Die Weine sind wie immer Geschmackssache. Der Rosé hat mir ganz gut geschmeckt.
      Sonntagsgrüße
      Liane

  3. Liebe Liane,
    Das sind ja drei tolle Wege mit einigen Highlights. Ich muss gestehen, dass mir die Kapelle am Weiherbrunnen am besten gefällt. Das mit der Platane und dem Hinabsteigen finde ich super spannend, da wäre ich sofort dabei. Ich denke, ich würde mich für die längste Tour entscheiden, wenn ich die Zeit hätte – ich mag das gemütliche Gehen einfach. Und wenn dann unterwegs noch solche Highlights warten, umso schöner. Im Sommer würde ich wohl auch gerne auf dem Weingut einkehren 🙂
    Liebe Grüße von Miriam

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