Schloss und Schlosspark Biebrich

Romantisches Schloss Biebrich in Wiesbaden

Hallo meine treuen Leserinnen und Leser. Obwohl ich in einem Wiesbadener Stadtteil wohne, habe ich noch nie über unsere hessische Landeshauptstadt geschrieben. Die Nähe zur rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz und die Liebe zu meiner Wahlheimat ist der Umstand zu verdanken, dass ich Wiesbaden bisher links liegen ließ (obwohl wir rechtsrheinisch liegen – Wortspiel, hihhi). Doch das ändere ich jetzt.

Ich nehme euch mit auf einen Spaziergang durch den Schlosspark Biebrich, erzähle euch etwas über die Geschichte des Schlosses und des Parks und versuche euch für dieses Ausflugsziel zu begeistern.

Direkt am Rheinufer in Wiesbadens Stadtteil Biebrich befindet sich das wunderschöne, repräsentative Barockschloss der Herzöge von Nassau. Die große Freitreppe wird gerne für Auftritte der Landesregierung genutzt. Auch Brautpaare lassen sich hier gerne ablichten, aber dabei muss man beachten, dass diese eigentlich nicht frei zugänglich ist, sondern der Einwilligung des Betreibers des Restaurants Schlossküche bedarf.

Geschichte des Schlosses

Fürst Georg August Samuel von Nassau-Idstein kaufte 1696 das Grundstück am Biebricher Rheinufer und ließ ein Gartenhaus darauf errichten, das er tagsüber nutzte. Nur 2 Jahre später wurde an jener Stelle ein kleines Wohnschloss errichtet. 1706 weihte man dann ein identisches Schlösschen keine 100 Meter östlich ein, welches für die Fürstin gedacht war. Beide fühlten sich so wohl an diesem Standort, dass Georg von Nassau-Idstein ein Jahr später den Baumeister Maximilian von Welsch beauftragte, ein neues Gesamtkonzept zu erstellen.

Der Barockarchitekt verband in seinem Entwurf die beiden Schlösser durch eine in der Mitte befindliche Rotunde und Galerieflügel. Der Plan gefiel dem Fürsten, der von einem „Versailles am Rhein“ träumte. Leider verstarb er, bevor der Bau beendet war. Die Residenz fiel nun an Fürst Karl von Nassau-Usingen, da Georg keine Nachkommen hatte.

Fürst Karl von Nassau-Usingen verlegte seinen Amtsitz 1744 von Usingen nach Biebrich, obwohl die Bauarbeiten noch nicht ganz abgeschlossen waren. In dieser Zeit entstand auch die Biebricher Allee (ehemals Neue Mosbacher Straße) als Verbindungsstraße der Schlösser Usingen und Biebrich. Noch heute ist die Biebricher Allee die Prachtstraße in Wiesbaden. Wer noch nicht da war, sollte sich die hübschen (aber unerschwinglichen) Villen unbedingt mal anschauen.

Ausführliche Informationen über die Geschichte des Schlosses findet man auf wikipedia.

Der Schlosspark

Der Schlosspark befindet sich hinter dem Schloss Biebrich. Er ist viel größer als man auf den ersten Blick vermutet. 300 m breit und ca 1,2 km lang und von etlichen Wegen durchzogen ist die ehemalige, barocke Gartenanlage. Die Biebricher lieben ihr kleines Naherholungsgebiet. Spaziergänger, Jogger und Radfahrer nutzen die Wege, aber auch die Wiesen werden gerne zum Chillen, für Qi-Gong oder Fitnessübungen genutzt.

Der erste Gartenentwurf stammte noch vom Baumeister des Schlosses – Maximilian von Welsch. Später wurde die Orangerie abgebaut und der Park in einen englischen Landschaftsgarten umgewandelt. Federführend war hier der Gartenarchitekt Friedrich Ludwig von Sckell.

Das Schloss steht leicht erhaben über dem Wiesental, so hat man von dort einen tollen, freien Blick bis zum Gartenende. Sckell schaffte ein „begehbares Landschaftsbild“, das im Norden mit den vermeintlichen, künstlich angelegten „Taunusbergen“ abschließt.

Der Blick über den Landschaftspark vom Schloss aus

Die große Fontäne

Maximilian von Welsch plante die erste Gartenanlage und die große Fontäne als Blickfang. Typisch für seinen Entwurf waren die klaren Linien und geraden Wege, die später durch Ludwig von Sckell abgeändert wurden. Die Fontäne blieb auf Wunsch des Fürsten erhalten.

Im 2. Weltkrieg 1940 wurde die Fontäne verschüttet. Erst in den 1990er Jahren wurde sie wieder freigelegt und in Betrieb genommen. Allerdings ist sie nun deutlich kleiner als ursprünglich.

Die Dicke Allee und der Mosbach

Uralte Kastanienbäume säumen die Dicke Allee. Sie führt an der Ostseite vom Schloss weg, über den mehr oder weniger ausgetrockneten Mosbach. In Teilen ist der Mosbach inzwischen renaturiert worden. Wasserläufe gehören für mich in einen idyllischen Landschaftspark einfach dazu. Ich bin froh, dass man das Potential erkennt und versucht, das alte Bild wieder herzustellen.

Ganz besonders fallen mir hier die vielen Brücken mit den geschwungenen Geländern auf. Jedes anders, alle megahübsch. Schade, dass meist der Wasserlauf darunter fehlt.

Romantische Brückengeländer

Die Mosburg

Am nördlichen Ende des Biebricher Schlossparks, ganz in der Nähe der Äppelallee, findet man die Mosburg. Hierbei handelt es sich nicht, wie immer behauptet wird, um eine künstliche Ruine, sondern ein „Wochenendchalet“. Aktuell ist die Mosburg leider eine echte Ruine geworden.

Die Mosburg

An der Stelle der heutigen Mosburg stand die verfallene Biburc/Biburk aus dem 12. Jahrhundert. Friedrich August von Nassau-Usingen durfte 1806 dort endlich wieder eine Burg erbauen lassen, nachdem er das Staatszepter übernommen hatte. Ein Kindheitstraum ging in Erfüllung. Er plante das Gebäude als Wasserburg und beauftragte Carl Florian Goetz mit der Ausführung.

Teile der Mosburg stammen vom Kloster Eberbach im Rheingau. Zu Goetz‘ Zeit war der linksrheinische Bereich durch Napoleon besetzt, man hatte dortige Gebiete abgeben müssen und zum Ausgleich wurden dem Herzogturm Nassau einige rechtsrheinische Klöster, darunter Kloster Eberbach, zugesprochen. Der Katholizismus spielte im protestantischen Nassauer Land gerade keine Rolle und so löste man das Bauprojekt möglichst pragmatisch und „recycelte“ den ungenutzten Kreuzgang des berühmten Klosters.

Die Mosburg wurde von Friedrich August bewohnt, der die Innenräume verputzen ließ und sie mit reichlich Stuck verzierte. Die späteren Herzöge nutzen die Burg kaum noch. Eine Zeitlang nutzte der Bildhauer Emil Alexander Hopfgarten sie als Atelier.

Und noch eine Berühmtheit konnte man an der Mosburg antreffen: Die österreichische Kaiserin Elisabeth (Sisi). Sie ritt gerne im Park und um die Mosburg herum, wenn sie zu Besuch in Wiesbaden war.

An einigen Stellen sieht man Abstützungen. Nach und nach wird die Mosburg mit den begrenzten Mitteln saniert. Angedacht ist, dass man sie nach Abschluß der Arbeiten (die irgendwo in der unbestimmten Zukunft liegen) zu bestimmten Gelegenheiten für Besucher öffnet und/oder als Außenstelle des Standesamtes für Trauungen nutzt. Bisher finden diese im Schloss statt.

Der Mosburgweiher

Die Mosburg war einst von Wasser umschlossen. Der Mosburgweiher soll renaturiert werden, aber voraussichtlich wird er die Originalgröße nicht mehr erreichen. Andere Weiher sind nach dem Krieg verfüllt worden. Das erklärt auch die vielen Brücken, unter denen kein Wasser mehr fließt.

Der Mosburgweiher

Der Prinzessinnenweiher und der Eiskeller

Näher am Schloss lag der Prinzessinnenweiher. Dieser nahm bei Hochwasser den Wasserüberschuss des Mosbachs auf, um Überflutungen zu vermeiden. Im Winter fror er zu und das Eis wurde „geerntet“ und im angrenzenden Eiskeller gelagert. Dieser war in Laufweite zur Küche im Schloss, was die Versorgung mit gekühlten Lebensmitteln über das ganze Jahr sicherte.

Der Prinzessinnenweiher erinnert an die Tochter von Herzog Friedrich August. Luise war unglücklich und beendete ihr Leben 1812 im nahen Kanal.

Tiere im Schlosspark

Neben Eichhörnchen sind die grünen Halsband- und Alexandersittiche die Stars im Schlosspark. Wenn man sie nicht sieht, hört man sie. Mit Beginn der 1990er Jahre, haben sich die kleinen Exoten im Garten angesiedelt und stark vermehrt. Inzwischen findet man sie in vielen Wiesbadener Stadtteilen.

Im sommerlichen Blattwerk der Bäume sind sie kaum auszumachen. Wer sie fotografieren möchte, sollte am besten zu Beginn des Frühjahrs im April oder Mai durch den Schlosspark streifen. Dann hebt sich das leuchtende Gefieder perfekt von den kahlen Ästen ab.

Am Mosburgweiher findet man verschiedene Enten, Blässhühner und Gänse. Die heimischen Arten werden vermehrt durch die Nilgänse verdrängt.

Manchmal kreisen auch Rotmilane oder Bussarde über dem Park. Teilweise kommen sie von der Falknerei am Niederwalddenkmal in Rüdesheim bis hierher.

Internationales Pfingst(reit)turnier im Schlosspark

Der zugeschüttete Prinzessinenweiher steht einmal jährlich im Fokus der Aufmerksamkeit, denn dann findet hier das Internationale PfingstTurnier statt. Und das bereits seit 1949. Hier trifft sich die Weltelite des Spring- und Dressurreitsports und kämpft um den Sieg und Anerkennung. Ausrichter ist der Wiesbadener Reit- und Fahr-Club.

Leider musste das PfingstTurnier 2020 und 2021 wegen der Covid-19-Pandemie pausieren, aber im nächsten Jahr soll es auf jeden Fall wieder stattfinden.

Gastronomie

Mit Blick auf den Rhein findet man die Schlossküche. Der Pächter ist Konditor und daher sind die Kuchen, Torten und Desserts für mich das absolute Highlight. Der Küchenchef hat es aber auch drauf. Die Speisen sind gut arrangiert und schmecken sehr gut. Dazu gibt es regionale Weine. Preis-Leistungsverhältnis ist vollkommen in Ordnung und „günstiger“, als man es evtl. in so einem Schloss erwartet.

Für größere Feierlichkeiten stehen 3 repräsentative Säle zur Anmietung bereit.

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Warst du auch schon am Schloss Biebrich und im Schlosspark? Wie hat es dir gefallen? Schreibe mir deine Erfahrungen in den Kommentaren. Ich freue mich auf eure Erfahrungen.

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3 Gedanken zu „Schloss und Schlosspark Biebrich

  1. Liebe Liane,
    ich muss gestehen, ich war noch nie in Wiesbaden. Aber wenn Sisi gern hoch zu Ross an der Mosburg unterwegs war, muss ich als Sisi-Fan unbedingt mal kommen ;-). Vielen Dank für die Anregung!
    Liebe Grüße
    Elke

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