Die Erzählenden Steine von Amrum

Was sind „erzählende Steine“?

St. Clemens Kirche in Nebel auf Amrum
Friedhof der Sprechenden Steine

In Nebel auf Amrum kennt sie jeder: die sprechenden Grabsteine. Vor über 300 Jahren wurden auf dem Friedhof der St. Clemens Gemeinde Walfänger und Kapitäne beigesetzt. Soweit nichts besonderes. Aber die Grabsteine, die man setzte waren nicht nur mit dem Namen, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen graviert, sondern erzählten die Lebensgeschichte.

Ein "sprechender" Grabstein

Wie man auf dem Foto sieht, steht dort viel Text. Die Grabsteine – 169 an der Zahl – drohten zu verwittern und zu zerfallen. Ein Verein hat sich den Erhalt zum Ziel gesetzt und kümmert sich um die Pflege.

Grabanlage

Es wurden Gelder und Zuschüsse beantragt und Spenden gesammelt. Für die kleine Gemeinde ein riesiges Projekt, dass dennoch auf wackeligen Füßen stand. Letztlich kam man auf die Idee, Steinpaten zu akquirieren und viele Steine konnten bereits restauriert werden.

Erzählende Steine

Eine schöne Idee für den interessierten Besucher sind die kleinen Täfelchen mit QR-Codes, die es neben einigen Exemplaren gibt. Wer dem Link folgt, bekommt die Inschrift gut lesbar angezeigt. Hier geht man mit der Zeit. Hut ab.

Ein Auszug

Auf dem rechten Stein (obiges Bild) steht geschrieben:

Durch Creutz und Leidern zur Himmels-Freuden.

Neben diesen Stein modern die Gebeine des wohledien seel. Hr. Capitains Harck Nickelsen

er ward gebohren d. 12. Oct. 1706 zu eben der Zeit wie sein Vater auf dem Meer verunglückte. Im 12ten Jahr seines Alters fing er an sein Brodt bey der Schiffahrt zu suchen. Ao. 1724 erlitte er die Wiederwärtigkeit, von den türckischen Seeräubern gefangen und an den Bay von Algier verkauft zu werden […]

Ao.1737 trat er in der Ehe mit der tugendhaften Frauen, Matije Harcken, eine Tochter des hierneben ruhenden seligen Schiffers Oluf Jensen. […]

Wer mehr zu den Steinen, dem Verein usw wissen möchte, geht am besten auf die Homepage des Vereins. Oder ihr fahrt direkt nach Nebel und schaut euch alles vor Ort an.

© Liane und Herr R.

14 Kommentare zu „Die Erzählenden Steine von Amrum“

  1. Interessant zu wissen, dass die Grabsteine im Friedhof der Gemeinde St. Clemens nicht nur Namen, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen nennen, sondern auch private Lebensgeschichten erzählen. Mein Opa möchte die Worte auf seinem Grabstein selbst bestimmen. Er möchte damit ebenfalls seine Lebensgeschichte in kurzer Form erzählen.

  2. Ich wusste nicht, dass es jetzt sogar QR-Code-Tafeln auf einigen Friedhöfen gibt. Ein entfernterer Verwandter ist in meiner Familie verunglückt und meine Familie sucht für den Grabsteinentwurf aktuell einen erfahrenen Fachmann. Hoffentlich finden wir die nächste Woche einen professionellen Steinmetz.

    1. Ich drücke euch die Daumen.
      Für meinen verstorbenen Sohn habe ich einen Grabstein ganz individuell anfertigen lassen, weil ich diese dicken, normalen Steine nicht mag. Einfach mit einer Idee zum Steinmetz gehen.
      Liebe Grüße

  3. Interessant zu erfahren, was unter „sprechende Grabsteine“ zu verstehen ist. Für meine Oma aus dem Ausland, die leider vor einer Woche gestorben ist, müssen wir noch einen schönen und individuellen Grabstein kaufen. Hoffentlich finden wir dafür schnell einen kompetenten Ansprechpartner.

  4. Gut zu wissen, dass die Grabsteine im Friedhof der Gemeinde St. Clemens nicht nur mit dem Namen, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen graviert sind, sondern auch eine Lebensgeschichte erzählen. Mein Opa plant bereits den Entwurf seines Grabsteins. Er hofft, dass ihm der Platz auf dem Grabstein reicht, seine Lebensgeschichte ebenfalls zu erzählen.

  5. Oh ja, das Gleiche habe ich auf Föhr gesehen und fand es sehr spannend! Normalerweise versinken Gräber in der Anonymität, doch hier wird eine Geschichte des Menschen erzählt und ein Bezug geschaffen, das ist etwas Schönes! 🙂

  6. Was für eine schöne Idee – spontan denke ich, dass ich sowas später auch möchte. Vielleicht such etwas lustiges, nicht nur Lebensdaten. Warum macht man Friedhöfe nicht generell „interessanter „, besuchenswerter….. warum immer nur als Ort der Trauer? Es kann doch auch ein Ort der Begegnung, des sich- erinnern sein…..

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