Rüdesheim ist bekannt für die Drosselgasse, in der besonders an Sonn- und Feiertagen kaum ein Durchkommen ist. Rechts und links säumen sich Restaurants, Kneipen und Souvenirläden aneinander. Viele Besucher wollen die Seilbahn zum Niederwalddenkmal nehmen. Von dort hat man einen fantastischen Blick ins Obere Mittelrheintal.
Stehst du am Rheinufer und schaust Richtung der Weinberge, wirst du bereits die Türme der Abtei St. Hildegard entdecken. Das rote Backsteingebäude bildet einen sichtbaren Kontrast zum umgebenden Grün. Zu Fuß folgst du den Hinweisschildern des Rheinsteigs, um zum Kloster zu gelangen. Der Aufstieg ist steil und anstrengend. Alternativ kannst du den Bus nehmen oder mit dem Auto direkt zur Abtei fahren.
Wer war Hildegard von Bingen?
Hildegard von Bingen (1098 – 1179) war Nonne. Genauer gesagt eine Benediktinerin. Bis heute gilt sie als Visionärin ihrer Zeit. Als Äbtissin verfasste sie verschiedene Schriften. Bis heute sind ihre Einträge zur ganzheitlichen Naturheil-, Ernährungs- und Kräuterkunde als »Hildegardmedizin« bekannt.
Bereits in der Kindheit hatte Hildegard von Bingen göttliche Visionen, die sie u.a. im Buch Scivias niederschrieb. Ungewöhnlich für eine Frau im Mittelalter wurden ihre Visionen von der Kirche als echt anerkannt.
Neben ihrer Tätigkeit im Kloster komponierte sie, machte sich einen Namen als Musikerin, schrieb mit Klerikern, dem Papst und sogar Kaiser Barbarossa.
Papst Benedikt XVI. sprach Hildegard von Bingen 2012 offiziell heilig und erhob sie zur Kirchenlehrerin.
Benediktinerabtei St. Hildegard
Die Abtei St. Hildgard ist ein aktives Kloster. Bis heute wohnen und arbeiten dort Nonnen. Daher können die Klosterzellen nicht besichtigt werden.
Obwohl das Kloster aussieht, als wäre es im Mittelalter erbaut, wurde es erst zwischen 1900 und 1904 gebaut, blickt aber auf eine lange Geschichte zurück. Es steht im Ortsteil Eibingen, wo auch die Pfarrkirche des ehemaligen Klosters der Hildegard von Bingen steht. Hildegards Reliquien sind im alten Gebäude verwahrt.
Die Abtei gilt kirchenrechtlich als Nachfolgekloster von Hildegards Stammhäusern, den Klöstern Rupertsberg und Eibingen. Etwa 50 Nonnen leben heute noch im Kloster.

Das Kloster ist ein traditionsreiches Klosterweingut, in dem die Nonnen auf rund sieben Hektar Anbaufläche mit großer Sorgfalt Wein anbauen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Weißwein (Riesling), der etwa 83 % der Anbaufläche ausmacht, während rund 17 % für Rotweinreben (Spätburgunder) genutzt werden.
Bundesweit ist es das einzige Klosterweingut, welches noch gänzlich von den Nonnen selbst geführt wird. Im Klosterladen können die prämierten Weine verkostet und erworben werden.
Klosterkirche

Die Klosterkirche ist von 5.30 – 22.30 Uhr geöffnet. Während der Gottesdienste ist keine Besichtigung möglich, es sei denn, man nimmt am Gottesdienst teil.
Die Kirche ist berühmt für ihre farbenprächtigen Wandmalereien. Unter dem Thema »Die Wohnung Gottes unter den Menschen« werden Szenen aus der Bibel und aus dem Leben der Hildegard von Bingen dargestellt. Besonders prägend für die Abtei ist die Gestaltung im Stil der Beuroner Kunstschule, die das Ziel verfolgte, christliche Kunst zu erneuern.
Klostercafé
Dienstag bis Sonntag kann man im Klostercafé Kaffee und Kuchen, herzhafte Snacks, ein Tagesmenü oder ein Glas vom klostereigenen Wein zu sich nehmen. An bestimmten Terminen kann man sonntags ein Brunchbuffet genießen (nach Voranmeldung). Das inklusive Team kümmert sich liebevoll um die Gäste. Das Buffet ist abwechslungsreich und reichhaltig.


Im Café wird Wert auf gute, gesunde Produkte im Geist der St. Hildegard gelegt. Brot und Kuchen stammen aus der hauseigene Klosterbäckerei und werden ausschließlich aus Dinkel hergestellt.
Klosterladen
Im Klosterladen verkaufen die Nonnen und Mitarbeiter Wein, Sekt, Dinkel- und Hanfprodukte, Bücher, Geschenke (besonders für kirchliche Feste wie Kommunion) und Gewürze. Die ruhige Atmosphäre und die kuscheligen Ruheecken tragen zur Entspannung bei.
Skulpturenwiese
Die Skulpturenwiese ist frei zugänglich am Rande der Weinberge neben der Abtei. Sechs handgefertigte Keramik-Skulpturen symbolisieren Visionen der heiligen Hildegard von Bingen. Erklärungen findet man auf den angebrachten Tafeln. Erschaffen wurden die Stelen von Schwester Christophora.

Wanderwege, die am Kloster vorbeiführen
Das Kloster steht auf einer Anhöhe oberhalb von Rüdesheim am Rhein. Daher führen hier einige Wanderrouten vorbei.
Der wohl bekannteste und längste Pilgerpfad ist der Jakobsweg, der bis nach Santiago de Compostela in Portugal führt. Die Muschelmarkierung ist gut sichtbar angebracht.
Der 320 km lange Fernwanderweg Rheinsteig geht ebenfalls direkt an der Abtei vorbei. Die Markierung ist ein weißes R auf blauem Grund, was an den Flußlauf des Rheins erinnern soll.
Lust auf einen leichten Wanderweg? Dann ist der Rüdesheimer Hildegard-Weg genau das Richtige. Er ist 6,7 km lang und führt oberhalb von Rüdesheim an verschiedenen Wirkstätten Hildegard von Bingens entlang.
Vom Kloster Eberbach in Eltville bis zur Klosterkirche Marienhausen (Rüdesheim-Aulhausen) führt der 30 km lange, anspruchsvolle Rheingauer Klostersteig.
Wer pilgern möchte, kann auch den 136 km langen Hildegard von Bingen – Pilgerwanderweg laufen. Start ist in Idar-Oberstein. Der Weg führt zu Hildegards Lebensstationen, wie den zwei möglichen Geburtsorten und an der Ruine des Kloster Disibodenberg, wo sie 40 Jahre ihres Lebens verbrachte.

Anreise
Auf meinem Blog findest du viele Ausflugstipps in Mainz.

Abtei St. Hildegard kompakt – Fragen und Antworten (FAQ)
Kann ich das Kloster besichtigen?
Die Klosterkirche kann besichtigt werden. Da noch Nonnen im Kloster wohnen, sind die Räume nicht zur Besichtigungfreigegeben.
Kann man im Kloster übernachten?
Ja, Übernachtungen im Gästehaus sind möglich. Es werden mehrtägige Veranstaltungen mit Übernachtungsgmöglichkeit angeboten.
Kann ich im Kloster einkaufen?
Im Klosterladen kannst du Weine, Dinkel- und Hanfprodukte, Geschenke und vieles mehr kaufen.

