Im Jahr 2025 war ich mit Freundinnen in Göteborg. Dort gibt es das Szeneviertel Haga, das neben Galerien und kleinen Boutiquen für seine gemütlichen Cafés bekannt ist. In jedem Reiseführer und -bericht über Göteborg kannst du nachlesen, dass man mindestens einmal die Hagabullen (Zimtschnecken) im Café Husaren probiert haben muss. Dem Tipp sind wir gefolgt, haben uns in die lange Schlange vor derm Café eingereiht und uns zu dritt eine Hagabulle bestellt.
Eine Zimtschnecke für drei? Ja, das Gebäck ist riesig! Wenn du eine Hagabulle alleine schaffst, zolle ich dir Respekt. Natürlich kannst du dir deine Zimtschnecke auch in einem weniger frequentierten Café besorgen. Lecker sind sie alle.
Außer der Größe sind die Zimtschnecken für ihr sensationelle Konsistenz bekannt. Außen leicht kross, innen fluffig und saftig. Sie zergehen auf der Zunge. Ich wollte wissen, wie man das schafft und habe mich nun selbst daran probiert. Ich hatte direkt eine Idee, wie sie großporig aufgehen können. Mehr dazu im Rezept. Und was soll ich sagen: Meine Zimtschnecken stehen den Hagabullen in nichts nach. Außen gebräunt, innen fluffig und saftig. Geschmack dezent nach Zimt und leicht zitronig.
Zimtschnecken (Kaneelbullen)

Zimtschnecken sind gebackene Liebe. Bereits während des Backvorgangs duftet es in der ganzen Wohnung nach Zimt. Wichtig bei der Zubereitung der Zimtschnecken ist es, nicht ungeduldig zu werden. Hefe braucht Zeit, damit sie geht. Beachte unbedingt die richtige Temperatur der Milch. Ist diese zu heiß, gehen die Hefekulturen kaputt. Ist sie zu kalt, können die Hefekulturen ihre Arbeit nicht verrichten und sich vermehren. Falls vorhanden, nutze ein Back-/Kochthermometer. Die optimale Temperatur der Milch liegt zwischen 36,5 – 38,5° C.
Alle Zutaten für die Zimtschnecken bekommst du im Supermarkt. Wahrscheinlich hast du sogar Mehl, Zucker, Milch, Salz und Butter im Haus. Du kannst statt Frischhefe auch Trockenhefe verwenden. Allerdings zeigt meine Erfahrung, dass der Teig mit Frischhefe noch besser aufgeht, fluffiger wird und sich die Zimtschnecken im Ofen besser mit der Füllung vollsaugen können.
»Ein Tag ohne Zimtschnecke ist ein vorlorener Tag« – das denken zumindest die Schweden und Dänen. Bei uns in Deutschland gilt oft, dass Zimt ein Wintergewürz ist, aber in Skandinavien isst man das ganz Jahr über Kaneel- oder Hagabullen. Am 4. Oktober wird in Schweden der Tag der Zimtschnecke gefeiert.
Vielleicht hast du auch schon mal von Zuckerschnecken oder Schneckennudeln gehört. So nennt man die Zimtschnecken in Österreich und in Süddeutschland. Dort backt man sie teils in einer Springform, Schnecke an Schnecke und bricht sich dann einzelne Zimtschnecken ab. Ähnlich wie bei meinen Mohnröschen.
Hefeteig: Tipps für perfektes Gelingen
» Hefeteig braucht Zeit. Plane lieber zu viel Zeit ein als zu wenig. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn die Gärzeiten überschritten werden.
» Du möchtest den Hefeteig bereits einen Tag vorher vorbereiten und fragst dich, ob das möglich ist? Ja, das ist kein Problem. Nachdem du den Teig geknetet hast, legst du die Teigkugel in eine Schüssel mit Deckel. Dieser sollte fest schließen. Öle die Teigkugel dünn mit einem geschmacksneutralen Speiseöl ein (z.B. Rapsöl). Schließe den Deckel und stelle den Hefeteig in den Kühlschrank. Er geht dann langsam über Nacht auf.
» Knete den Hefeteig lange und gründlich. Du kannst den Knethaken des Mixers oder der Küchenmaschine verwenden. Knete auf langsamer Stufe. Mindestens 10 min, besser länger. Durch das lange Kneten entwickelt sich ein Glutennetz, aus dem die eingeschlossene Luft bzw. das Gas nicht entweichen kann. Knete den Teig danach auf jeden Fall nochmal mit den Händen. Das ist anstrengend, lohnt sich aber. Je mehr Luft im Teig eingeschlossen wird, desto fluffiger wird er. Meine Mama hat den Teig am Schluss immer ein paar Mal mit richtig »Schmackes« von oben auf die Arbeitsplatte geknallt. Und sie war die Königin des Hefeteigs. Ich habe lange gebraucht, bis ich den Hefeteig so hinbekam wie sie: eine kulinarische Offenbarung!
» Ein perfekter Hefeteig muss dreimal gehen.
» Das Volumen verdoppelt sich während der Ruhezeit. Entnimm den Hefeteig mit einer Teigkarte. Klebt der Teig und zieht Fäden, füge noch etwas Mehl dazu. Der Hefeteig ist optimal, wenn er nicht an den Händen festhängt, während du knetest.
» Nimm nicht zu viel Hefe. 1/2 Würfel Frischhefe reicht für 500 g Mehl. Ein Übermass an Hefe führt dazu, dass der Hefeteig bröckelig und großporig wird. Großporig bedeutet aber auch, dass der Teig beim Abkühlen in sich zusammenfällt. Zu viel Hefe macht den fertigen Teig schwerer verdaulich und er schmeckt evtl. leicht alkoholisch (durch den Gärvorgang).
Zimtschnecken rollen – eine Kunst, oder doch nicht?
Es gibt im Internet hunderte Rezepte für Zimtschnecken, Kaneelbullen oder Schneckennudeln. Meist wird dir vorgeschlagen, den ausgewellten Teig von der Längsseite her einzurollen und dann entweder mit dem Messer zu schneiden oder mit einem Faden zu trennen. Das führt allerdings dazu, dass du den Teig während des Teilungsvorgangs »quetscht«.
Ich rate dir, den ausgerollten Teig mit einem scharfen Messer oder noch besser mit einem Pizzaschneider in Streifen zu schneiden und die Zimtschnecken erst dann aufzurollen. So bleiben die Zimtschnecken schön rund. Das Ende des Streifens leicht andrücken. Schau, dass die Füllung nicht ganz bis zum Rand reicht, damit du die Schnecke schließen kannst.
Und nun viel Spaß beim Nachbacken. Mit meiner Schritt-für-Schritt-Anleitung schaffst du das ganz einfach. Lass dir eins gesagt sein: Reste bleiben garantiert nicht übrig.
Fluffige Zimtschnecken
Gang: Kuchen und TortenKüche: SchwedenSchwierigkeit: mittelschwer8
Stück1
Stunde15
Minuten1
Stunde15
MinutenKlassische Zimtschnecken müssen fluffig, saftig und dezent nach Zimt schmecken. Backe mein köstliches Rezept nach und du wirst sehen, es ist der Hit auf jeder Kaffeetafel – fast wie vom Bäcker.
Zutaten für den Hefeteig
500 g Weizenmehl 405 (alternativ: Pizzamehl)
75 g Zucker
1/2 Würfel frische Hefe
1 Prise Salz
250 ml Vollmilch
75 g weiche Butter
Optional 1/2 TL gemahlener Kardamom
- Zutaten für die Füllung
75 g sehr weiche Butter
75 g Rohrzucker
2 gestrichene TL Zimt
- Dekor
4-5 EL Puderzucker
etwas Zitronensaft (ca 1-2 EL)
Hagelzucker zum Bestreuen
Zubereitung des Hefeteigs
- Nimm die Butter für die Füllung am besten am Vorabend aus dem Kühlschrank, sodass sie zur Verarbeitung Zimmertemperatur angenommen hat.
- Bereite zuerst den Hefeteig vor. Siebe das Mehl mit einem Feinsieb in eine Rührschüssel. Je feiner, desto fluffiger wird der Teig. Mache in die Mitte mit einem Löffel eine Kuhle. Bröckel die Hefe dort hinein. Gib den Zucker und die Prise Salz auf die Hefe. (Für den Teig ist es egal, ob du weißen oder Rohrzucker verwendest).
- Erwärme die Milch auf Körpertemperatur. Falls du kein Thermometer hast, sollte die Milch handwarm sein. Auf keinen Fall zu heiß, denn das zerstört die Hefekulturen. Ist die Milch zu kalt, »frieren« die Hefekulturen und der Gärprozess startet nicht.
- Gib die lauwarme Milch auf die Hefe-Zucker-Mischung und decke die Schüssel mit einem sauberen Geschirrhandtuch ab. Bringe die Schüssel für 15-20 min an einen warmen Ort. Tipp: Wärme den Backofen auf max 50°C vor und stelle die Schüssel auf den Gitterrost. Schließe die Ofentür.
- Nach Ablauf der ersten Gärphase gib die weiche Butter in kleinen Stücken mit in die Schüssel. Falls du Kardamom verwenden magst, gib diesen auch noch dazu. Rühre alles auf kleiner Stufe mit Knethaken des Mixers. Mindestens 10 min sollte der Teig gerührt werden, damit er genug Luftbläschen einschließt. Je länger du rührst, desto fluffiger wird der Teig später. Der Teig muss sich vom Schüsselrand lösen. Falls er noch klebt und »Fäden zieht«, gib eßlöffelweise Mehl dazu, bis er sich löst. Ist der Teig zu fest, gib etwas Wasser oder Milch dazu.
- Gib etwas Mehl auf deine Arbeitsplatte oder ein breites Holzbrett, Teig darauf und jetzt nochmal den Teig kräftig mit den Händen kneten. Nach etwa 5 min den Teig wieder in die Schüssel geben, nochmals mit einem sauberen Geschirrhandtuch abdecken und an einem warmen Platz für 30-45 min gehen lassen.
- Zwischenschritt Füllung vorbereiten
- Während der Hefeteig geht, bereitest du die Füllung zu. Die weiche Butter dafür in eine kleine Schüssel oder einen tiefen Teller geben, Zimt und Zucker zugeben. Hierfür möglichst den braunen Rohrzucker verwenden. Der macht mehr Geschmack. Alle Zutaten mit Hilfe einer Gabel gut vermischen, bis eine homogene Masse entstanden ist.

- Zimtschnecken herstellen
- Nach der zweiten Gärphase den Teig aus der Schüssel nehmen (bemehlte Arbeitsplatte oder Holzbrett) und mit einem Wellholz/Nudelholz rechteckig ausrollen. Der Teig sollte max 0,5 cm dick sein.
- Heize nun den Backofen auf 170° C Umluft vor. Setze die Fettpfanne auf die unterste Schiene des Backofens und gib mindestens 500 ml herein. Der Wasserdampf bewirkt, dass die Zimtschnecken besonders saftig und fluffig werden.
- Die Butter-Zucker-Zimt-Mischung auf dem ausgerollten Hefeteig gleichmäßig verteilen. Das geht mit einer Streichpalette, mit einem Löffel oder mit einem Teigschaber.

- Nun mit einem Messer oder einem Pizzaschneider Streifen von ca 1,5 cm breite schneiden. Wenn du extra große Zimtschnecken, wie die Hagabullen herstellen willst, schneidest du von der kurzen Seite aus, sonst schneide von der langen Seite aus.

- Rolle die einzelnen Hefeteigbänder zu Zimtschnecken und lege diese auf ein mit Backpapier vorbereitedes Backblech. Lass etwas Abstand zwischen den Schnecken, denn sie gehen im warmen Ofen noch auf. Drücke die Zimtschnecken etwas platt.
Du kannst sie noch mit verquirltem Ei bestreichen, falls du eine goldbraune Farbe erreichen willst. Ich habe darauf verzichtet und sie wurden trotzdem »goldig«.
Wenn der Backofen noch nicht auf Betriebstemperatur ist, ist das gar nicht schlimm. Lass die Zimtschnecken stehen. Sie gehen noch ein wenig auf.
- Öffne den Backofen vorsichtig. Der heiße Wasserdampf kommt dir entgegen! Schiebe das Backblech auf die mittlere Schiene und backe die Zimtschnecken für ca 15-25 min. Schau ab und zu hinein und entnimm das Blech, wenn die Zimtschnecken leicht gebräunt sind.

- Fertigstellung
- Lass die Zimtschnecken gut auskühlen, bevor du mit dem Dekor anfängst.

- Mische Puderzucker tropfenweise mit Zitronensaft, bis der Zuckerguss zähflüssig ist. Er soll so flüssig sein, dass er mit einem Löffel verteilt werden kann, aber nicht zu sehr verläuft. Verteile den Zuckerguss nach deinem Geschmack über den ausgekühlten Zimtschnecken und gib direkt den Hagelzucker drüber.
- Sobald der Zuckerguss fest geworden ist, lass dir deine Zimtschnecken schmecken, denn dann sind sie am saftigsten. Natürlich kann man sie am nächsten Tag noch essen, aber dann sind sie schon etwas fester.

Für mehr Koch- und Backvorschläge gehe auf meine Rezeptseite. Informationen zur schwedischen Fika findest du bei visitschweden.
Das Rezept unterliegt meinem geistigen Eigentum und darf ohne meine Zustimmung nicht verbreitet oder kommerziell genutzt werden. Ein Teilen des Beitrags und ein persönliches Bookmarking zwecks nachkochen/-backen ist aber erlaubt.

Liane und Herr R.
Willkommen. Ich bin Liane und die Gründerin und Wortjongleurin des Reiseblogs DieReiseEule.
Herr R. ist nicht nur mit mir verheiratet, sondern auch mein Co-Fotograf für ungewöhnliche Blickwinkel.
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Hi Liane
Ja super, als Kind war ich ein riesiger Fan der Kaneelbullen. Wir lebten damals in Schweden, und eine Woche ohne Zimtschnecken war schlimmer als Weltuntergang. Danke fürs Rezept 🙏 🙏
Klausbernd 🙂
Aber sehr gerne, Klausbernd.
Viel Spaß beim Nachbacken.
Liebe Grüße Liane