[MeinMainz] Die Heunensäule

Geschichte der Heunensäule Mainz

Mitten auf dem Markt vor dem Hohen Dom zu Mainz thront die Heunensäule. Der Sandsteinkoloss vermittelt den Eindruck, als würde er hier seit Jahrhunderten stehen, doch er wurde erst 1975 zum 1000-jährigen Domjubiläum aufgestellt. Gespendet wurde er von der Stadt Miltenberg. Man kann sich kaum noch vorstellen, dass hier einst die Straßenbahn entlang fuhr.

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Mainzer Dom

Eine Heunensäule ist eine Rundsäule aus Sandstein, die als Stütze für den Dombau bestimmt war. Einst lagen im Bullauer Wald bei Miltenberg angeblich 14 dieser bearbeiten Säulen, die dann aber doch nicht als Domstütze verwendet wurden. Ob sie wirklich für den Mainzer Dom gedacht waren, daran scheiden sich die Geister, denn Aufzeichnungen über die Verwendung oder eine Bestellung gibt es nicht, aber die Theorie ist sehr wahrscheinlich. So war es auch der richtige Entschluss, einer Heunensäule in Mainz einen zentralen und würdigen Platz zuzuweisen.

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Der Bronzesockel

Die 6,40 m hohe und 16 Tonnen schwere Heunensäule, die einen Durchmesser von 1,20 m hat, wird durch einen vom Pfälzer Bildhauer Gernot Rumpf gestalteten Bronzesockel gehalten. Ein detailierter Blick auf diesen lohnt sich.

Die vier Kopfbedeckungen

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Bischofsmitra

Die Bischofsmütze auch Mitra genannt, stellt einen Bezug zur kirchlichen Tradition her, die in der Stadt bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. zurück reicht. Der bekannteste und beliebteste Bischof der Mainzer, war Kardinal Karl Lehmann, der von 1983 bis 2016 das Bischofsamt inne hatte. Nur 2 Jahre nach seinem Rücktritt, im Alter von 82 Jahren, starb Lehmann im März 2018.

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Narrenkappe

Einst war Mainz von französischen Truppen besetzt. Noch heute halten sich einige Wörter im Mainzer Dialekt, die dem französischen entlehnt sind. So läuft man hier auf dem Trottwaa (Trottoir), schimpft über die Bagaasch (Bagage – Gesindel) und kauft in der Buddige (Boutique) seine Kleidung ein.

Die Narrenkappe ist der Jakobinermütze entlehnt, die französische Revolutionäre trugen. Und Fastnacht ist in Mainz das ganze Jahr über allgegenwärtig. Ein Besuch des Fastnachtsmuseums lohnt sich.

Besonderheit der Narrenkappe: Im Zipfel befindet sich ein beweglicher Teil, der ein lautes, klackerndes Geräusch macht. Also einfach mal Hand anlegen.

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Reichskrone

Könige und Kaiser hielten sich immer wieder in Mainz auf. Als eines der wichtigen Zentren des Römischen Reiches nördlich der Alpen wurden hier etliche Kapitel Reichsgeschichte geschrieben. König Friedrich II. von Sizilien wurde 1212 im Mainzer Dom gekrönt. Als dies symbolisiert die Reichskrone.

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Gladiatorenmaske/Legionärshelm

Die Stadtgründung von Mainz war im Jahr 13 v. Chr. Daran erinnert der nachempfundene Legionärshelm. Versteckt hinter dem Sichtschutz ist ein Fuchs mit den Initialen OB. Dies ist eine Anspielung auf den ehemaligen, sehr beliebten Oberbürgermeister Jakob „Jockel“ Fuchs, der das polarisierende Rathaus errichten ließ. Im Volksmund wird dies daher Fuchsbau genannt.

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Der Fuchs im Fuchsbau – Insiderwissen Mainz

Man muss noch etwas genauer ins Innere schauen, dann entdeckt man 3 Mäuschen, die den Fuchs begleiten. Diese stehen symbolisch für die während der Bauphase im Stadtparlament vertretenen Parteien SPD, CDU und FDP. Passenderweise sind die Mäuse auch noch Markenzeichen des Bildhauers G. Rumpf.

Weitere Details im Bronzesockel

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Natürlich findet man auch das sechs speichige Mainzer Rad am Sockel. Das offizielle Wappen besteht aus zwei durch ein Kreuz verbundenen, silbernen Rädern auf rotem Grund. Um sich vom ehemaligen Mainzer Kurstaat zu unterscheiden, wurde das Doppelrad gestaltet. Weitere Informationen dazu findet man bei Wikipedia.

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Der erste Demokratieversuch fand auf Mainzer Boden statt. Der Freistaat war allerdings sehr kurzlebig, denn es gab ihn nur von März bis Juli 1793. Dennoch legte er die Wurzeln für Demokratien bis heute.

Freiheitsbäume waren damals beliebt, um die Unabhängigkeit zu signalisieren. Der Mainzer Freiheitsbaum hatte eine Jakobinermütze an der Spitze. Dies verwies auf den Jakobinerclub, der aus Studenten, Professoren und Beamten bestand, die für die Ideale der Französischen Revolution – égalite, fraternité, liberté – warben.

Römische Münzen und Abgüsse der ersten Stadtsiegel würdigen u.a. den Mainzer Erzbischof und Domerbauer Williges.

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Auf ein trauriges Kapitel der Mainzer Geschichte weisen zwei Reliefs hin. Die Bombardierung der Stadt im Februar 1945 durch die Alliierten veranschaulicht das eine Relief, das andere verweist auf die Pogrome durch die Nationalsozialisten.

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Wer mag darf mir gerne einen Kommentar hinterlassen. Ich hoffe, euch hat dieser Ausflug in die Mainzer Stadtgeschichte gefallen.

Buchempfehlungen Mainz

Außerdem kann ich euch einen Stadtrundgang mit einem einheimischen Führer* ans Herz legen.

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8 Gedanken zu „[MeinMainz] Die Heunensäule

  1. Um die Säule bin ich auch schon rumgegangen und habe die interessanten verschiedenen Skulpturen betrachtet. Ein paar Details, die du erwähnst, sind mir allerdings durchgegangen.

    Liebe Grüße Gina

  2. Liebe Liane,
    schön, dass du deiner Heimat so viel Aufmerksamkeit schenkst! Das sollten wir auch öfters machen, aber irgendwie zieht es uns immer in die Ferne, auch wenn wir unsere Heimat lieben und immer wieder gerne zurück nach Hause kommen…
    Liebe Grüße
    Ines & Thomas

    1. Hallo ihr Beiden,

      ich finde die Mischung macht es. Ich reise ja auch sehr gerne, aber inzwischen gehe ich auch mit viel offeneren Augen durch die Heimat. Ich mag es, die Hintergründe in Erfahrung zu bringen.

      Liebe Grüße
      Liane

    1. Danke für den lieben Kommentar, Ulrike. Melde dich gerne, wenn du da bist. Vielleicht können wir uns ja treffen, dann zeige ich dir gerne noch mehr.

      Herzliche Grüße
      Liane

    1. Was für ein motivierender Kommentar, vielen lieben Dank dafür.
      Weitere Berichte über Mainz folgen noch. Zum Beispiel über den „Walk of Fame“, den es nicht nur in Hollywood gibt oder über den Fastnachtsbrunnen, der auf den ersten Blick auch nur „normal“ wirkt, aber total spannend ist.

Hau in die Tasten! Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir.

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