Fernweh(en)

Infiziert mit einem Fernwehvirus.

Auslöser für den Drang, die Welt zu erobern.

Unstillbarer Durst nach Veränderung.

Reisefieberschübe.
 

Warum ich dem inneren Schweinehund kündigte und die eingefahrene Komfortzone verlies…

Meine erste Singlereise nach Australien hatte für mich nichts mit Mut zu tun. Ich selbst fand mich nicht mutig, wenngleich meine Umwelt mir Respekt zollte für meine Courage. Mein Leben war durch Schicksalschläge mächtig durcheinandergewirbelt worden und meine Lebensziele waren von heute auf morgen weggebrochen. Hier kam ich nicht zum Nachdenken, obwohl ich es monatelang versucht hatte. Es kam immer was dazwischen. Ich lies mich gerne und freiwillig ablenken und schob alle möglichen „Wichtigkeiten“ vor. Ich argumentierte mit den Ausreden, die wohl jeder kennt: mir geht es gut; ich kann hier jetzt nicht weg….Dabei ging es mir immer schlechter.

Die äußere Fassade war einfach aufrecht zu erhalten, die innere nicht. Nächtelang habe ich kaum geschlafen, wild geträumt und mich hin und her gewälzt. Immer wenn ich einen Gedanken fasste, entglitt er mir sofort wieder.

Ich hatte den subjektiven Eindruck, nur noch als Hülle zu existieren, aber nicht mehr zu leben. Das Leben geht manchmal eigene Wege und so kam es zu einer „magischen Begegnung“. Sowas habe ich noch nie erlebt. Ich lernte jemanden kennen und gegenseitig war ein direkter Draht da, eine unbeschreibliche Vertrautheit.

Das erste Mal in meinem Leben durfte ich eine unglaubliche Intensivität auf geistiger Ebene spüren. Es entwickelte sich eine innige Freundschaft – mit Höhen und Tiefen, aber mit einem Fundament aus Respekt, Rücksichtnahme, Ehrlichkeit und Offenheit.

Und dieser Jemand ermutigte mich, Abstand zu suchen und zu Reisen. Irgendwohin, wo man mich nicht ablenken kann, wo ich mich mit mir selbst beschäftigen und auseinander setzen muss, um neue Lebensziele und -pläne zu konstruieren und den Körper wieder mit Leben zu füllen.

Niemals wird es den richtigen Zeitpunkt geben, aber es wird definitiv irgendwann zu spät sein. Man kann im Lebens nichts nachholen. Jetzt ist der richtige Moment! Ich habe selbst erlebt, wie endlich unsere Dasein ist – ohne Vorwarnung.

Spontan kündigte ich meinem inneren Schweinehund, knüppelte alle „vernünftigten“ Argumente nieder und begab mich ins Reisebüro. Für mich war es eine innere Notwendigkeit, den Abstand der halben Welt zu suchen, um wieder zu mir selbst zu finden.

In der Nachbetrachtung kann ich sagen, dass diese Reise ins Schwarze getroffen und einiges bewirkt und verändert hat. Ich habe mich

  • mit mir selbst beschäftigt – Schmerzen inklusive
  • bin an meine Grenzen gestoßen – habe vor Wut geheult, weil ich an mir selbst scheiterte
  • bin daran gewachsen – formulierte neue Ziele
  • und staunte einige Male über mich selbst – habe psychische und physische Barrieren ausgereizt und überwunden

Illusorisch wäre es, zu meinen, dass mein Leben nun geradlinig und problemlos verläuft. Aber ein Kieselstein ist ins Rollen geraten und zieht weitere mit sich. Die Reiselust ist geweckt und als eines der Lebensziele aus dem Prozess hervor gegangen.

Nun hibbele ich den nächsten Touren entgegen.

© DieReiseEule, 3/2016

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