Wattwanderung von Amrum nach Föhr

Startpunkt „Stadtmitte“

Es ist Ende Mai und ich befinde mich mit Partner und Freunden auf der Nordfriesischen Insel Amrum. Wir haben uns Fahrräder ausgeliehen und bereits einige Hotspots der Insel erkundet. Doch etwas fehlt noch auf unserer „Will-do“-Liste. Eine Wattwanderung.

Die letzte Wattwanderung habe ich irgendwann in den 1980er Jahren mit den Eltern gemacht. Ich kann mich noch erinnern, dass wir mit Gummistiefel gestartet sind und irgendwann „klebten“ die im Schlick fest und wir wanderten Barfuß weiter.

* Transparenzhinweis am Artikelende

Ok. Eine Wattwanderung. Also suchen wir erstmal, wann und wo diese angeboten wird. Wir entscheiden uns für die Wanderung von Amrum nach Föhr mit Dark Blome. Start um 10.30 Uhr an der Boutique Strandläufer.

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Das Wetter ist sonnig, obwohl die App aufziehende Wolken meldet. Dark begrüßt jeden Gast mit Handschlag. Etwa 30 Wattwanderer werden wir sein. Alle sind pünktlich da, keiner hat abgesagt. Schon jetzt plaudert Dark aus dem Nähkästchen und erzählt uns kleine Anekdoten aus den letzten Jahren. Auch über seinen Werdegang vom Bäcker und Umwege zum Wattwanderführer erfahren wir einiges.

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Dark Blome 2019

Wir wandern los, vorbei an den grünen Geestflächen auf denen zur Zeit die Graugänse ihren Nachwuchs aufziehen. Wir erfahren den Unterschied zwischen dem fruchtbaren Marschboden und dem kargen Geest. Wir werden über die einzigartigen Salzwiesen und den unaussprechlichen Halligflieder-Spitzmaus-Rüsselkäfer informiert.

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Am Übergang von den Marschwiesen zu den Dünen halten an einer Stele, die etwas einsam und verloren am Wegesrand steht und sicher von den meisten Besuchern links liegen gelassen wird. Es handelt sich nicht um eine Grenzmarkierung, wie man vielleicht vermutet, sondern um einen Gedenkstein. Dieser erinnert an das Seehospiz der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, dass hier einst stand. Die Spitze ziert eine steinerne Diakonissenhaube, die leider von einer Möwe beschissen wurde.

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Wir sehen uns die eingelassenen Bilder an und fühlen uns in vergangene Zeiten zurück versetzt. Wer mehr über das Denkmal erfahren möchte, liest am besten auf den Amrum-News nach.

Direkt am Deich steht ein Toilettenhäuschen. Die letzte Möglichkeit sich vor Föhr nochmal zu erleichtern. Von der Anhöhe aus sieht man bereits die sandigen Dünen der Odde (Landspitze). Wir laufen über den Holzbohlenweg.

Ich rate jedem, hier die Schuhe noch nicht auszuziehen, denn es besteht Splittergefahr. Auch wenn defekte Bohlen zeitnah ausgewechselt werden, ist das Holz doch durch den Einfluss der salzigen Luft sehr spröde.

Am Ende des Stegs bittet uns Dark die Schuhe abzulegen und ggf. die Hosen auszuziehen. Heute soll der Priel wasserreich sein und vermutlich werden alle Personen mindestens bis Mitte Oberschenkel nass werden. Die meisten tragen sowieso eine Badehose drunter.

Dann „malt“ Dark einen Kreis in den Sand und erklärt uns den Zusammenhang zwischen Mond und den Gezeiten, wie er es bisher gelernt hat. Er sagt aber auch, dass es wohl neue Erkenntnisse dazu gibt und er sich schon drauf freut, weil er demnächst an eine Uni eingeladen ist, wo er diese präsentiert bekommt.

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Das Watt ist hier erstaunlicherweise nicht schlickig, sondern relativ fest und gut begehbar.

Der Begriff Watt stammt ab vom altfriesischen wada, was soviel heißt wie „seichte Fläche, die durch waren passierbar ist“.

Wunderschön breitet das unendlich erscheinende Rippel- bzw. Wellenmuster vor uns seinen Teppich aus. Verantwortlich dafür können Wind- und/oder Wasserströmungen sein. Unterbrochen werden die perfekten Muster nur von den Exkrementen der Wattwürmer und den angeschwemmten Algen.

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Wir werfen im Vorbeigehen einen Blick auf die Landspitze, die Odde genannt wird, lassen sie aber links liegen und wenden uns dem Priel zu.

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Dark macht immer wieder kurze Pausen. Zum einen um die Gruppe zusammen zu halten, zum anderen um Muscheln auszubuddeln und zu erklären. Neben den bekannten Herz- und Miesmuscheln findet man auch die länglichen Amerikanischen Scheidenmuscheln, die auch Messermuscheln genannt werden.

In manch vermeintlich leerer Muschel hat sich ein Einsiedlerkrebs ein Dach über dem Kopf gesucht. Wer Muscheln mitnehmen will, sollte also erst mal schauen, ob sich darin nicht ein ungebetener Bewohner verbirgt.

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Man findet hier im Watt viele wilde Austern – Pazifische Felsenaustern. Diese sind relativ groß. Im Norddorfer Hotel Seeblick wird diese Delikatesse kredenzt. Die Amrumer Wildaustern sind etwas zäher als die Zuchtaustern, dafür aber schmackhafter und noch besser als die viel gepriesene und stark überteuerte Sylter Royal.

Nach dem Exkurs über Muscheln stehen wir vor dem Priel. Der sieht ziemlich tief aus und scheint eine kräftige Strömung zu haben. Spätestens jetzt legen die letzten Teilnehmer ihre zu langen Beinkleider ab. Dark weist uns darauf hin, langsam zu laufen und bei Bedarf sich an einem Partner festzuhalten. Natürlich bietet er seine Hilfe an.

Das rettende Ufer ist zum Glück sichtbar. Los geht’s. Wir stapfen ins sacht abfallende Wasser, welches wärmer ist als gedacht. Ich setze Schritt vor Schritt. Ich möchte nicht den Verlust meiner Kamera durch eine Unachtsamkeit riskieren. Am besten geht das allein und Fotos mache ich nicht. Die macht mein Schatzl.

Mit meinen knapp über 160 cm wird mein Popöchen an der tiefsten Stelle des Priels dann doch feucht. Dafür komme ich sonst problemlos auf die andere Seite. Glücklicherweise rutscht niemand aus. Manch einer zieht gleich seine Hosen wieder an, ich warte mal ab, ob ich nicht noch etwas trockne.

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Dark erklärt uns noch ein bisschen was zu den Holzstäben der Rinne. Je nachdem, ob der „Besen“ sich oben oder unten öffnet befindet man sich Steuer- bzw. Backbord. Das ist international so genormt. Eine Anekdote fügt er auch noch ein: Einst nahm ein junges Pärchen an der Wattwanderung teil und die junge Frau hangelte sich an einem der Markierungen hoch um zu posen. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass sie Pooldancerin ist.

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Am nächsten, knöchelhohen Priel erkennen wir, wie klar das Wasser der Nordsee hier ist. Eine Muschelbank wird vorsichtig überquert, denn Muschelschalen können sehr scharf sein. Im Großen und Ganzen muss man aber keine Angst davor haben, denn auf diesem Weg gibt es sonst weiteren Muschelbänke.

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Plötzlich kniet sich Dark hin und fängt an zu buddeln. Mit den Händen. Seine Harke hat er bei der letzten Wattwanderung auf Föhr vergessen.  Was sucht er bloß?

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Der dunkle Sand tritt hervor und das Wasser steigt. Ach. Da isser ja, der Schlingel!

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Ein Wattwurm. Vor lauter Stress wirft der aber bereits nach wenigen Sekunden einen Teil seines Schwanzes ab. Das machen die Wattwürmer so. Klar, darf er sich danach sofort wieder im Schlick verstecken. Und wir wandern weiter. Ist noch ein Eckchen bis Föhr. Und es zieht sich immer mehr zu.

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Langsam läuft das Wasser auf. Die Flut kommt. An die Wassertemperatur gewöhnt man sich schnell. Es gibt noch genug wasserfreie Flächen und wir sind in guten, erfahrenen Händen.

Teer im Meer? Nein. Obwohl die Platte danach aussieht, handelt es sich hierbei um ein Naturprodukt. Sand, Algen, Mineralien….durch Strömung und Druck geformt. So in etwa. Ganz genau weiß ich es leider nicht mehr.

Dann bleiben wir an einem Schiffswrack stehen. Welches Schiff hier letztlich gestrandet ist, darüber wird sich bis heute gestritten. Vermutlich war es die „City of Bedford“, so erzählt es Dark Blome. Sie war im Februar 1825 unterwegs von England nach Dänemark, als sie zwischen Amrum und Föhr auf Grund lief. Drei Seeleute kamen dabei ums Leben und wurden auf Föhr zu Grabe getragen.

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Langsam tun mir die Füße und der Rücken weh. Ich freue mich, dass wir uns dem Föhrer Deich endlich nähern.

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Ein letzter Blick nach Sylt und Amrum und dann betreten wir den Föhrer Inselboden. Wir kraxeln den Deich empor und auf der anderen Seite wieder herunter. Dann werden die Füße gereinigt, die Hosen und Schuhe wieder angezogen.

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Ein paar Schafe grasen hier. Unsere Gruppe geht zum Kiosk. Der Bus, der uns an den Fähranleger bringen soll ist noch nicht da. So besteht die Chance, die Toilette aufzusuchen. Nur einmal habe ihn bisher der Bus versetzt, erzählt Dark. Sicherheitshalber ruft er den Fahrer an. Der ist zwar etwas verspätet, aber bereits unterwegs.

Für einen Stadtbummel in Wyk reicht die Zeit nicht mehr, aber einen kleinen Umweg durch das idyllische Nieblum, vorbei am sehenswerten Museum Kunst der Westküste in Alkersum, wo gerade eine Ausstellung „200x Badesaison“ präsentiert wird, dafür reicht die Zeit.

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Am Fähranleger besorgt Dark neben den vergünstigten Gruppenticket noch seine vergessene Harke und dann ist der Ausflug auch schon vorbei.

Insgesamt hat die Wattwanderung mit Rückfahrt etwa 5 Stunden gedauert, die mir sehr kurzweilig vorkamen.

Informationen zur Wattwanderung mit Dark Blome

Insel-Läufer, Treffpunkt am Strand-Läufer, Strunwai 5a, Norddorf

Kosten: € 19,- p.P. + Fährkosten ~ 4,45 (Kinder) – 8,90 (Einzelkarte Erw.)

Andere Anbieter von Wattwanderungen findet ihr unter Amrum.de.

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Vielen Dank an Dark Blome für die informative und unterhaltsame Wattwanderung und die Genehmigung zur Veröffentlichung der Fotos. Alles Gute und „gut Watt“!


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© Text DieReiseEule 6/2019, Fotos R. Kl. und DieReiseEule

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Ein Gedanke zu „Wattwanderung von Amrum nach Föhr

  1. Ach, das klingt echt super. Nicht umsonst, wollte ich das ewig schon mal machen 😉 Schön, dass ich das kleine Abenteuer jetzt jedenfalls mal so ausführlich bei Dir sehen konnte. Vielen Dank. Und liebe Grüße, Stefanie

Hau in die Tasten! Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir.

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