[Reisetagebuch] Abschied von Namibia

Tag 13 – Okahandja, Windhoek und der Rückflug

Guten Morgen. Der Tag der Abreise ist gekommen. Irgendwie ging die Zeit viel zu schnell um. Ein letztes Mal wird der Koffer gepackt. Alle Mitbringsel werden gut verpackt. Ich achte darauf, was ins Handgepäck muss, damit ich am Flughafen nicht mehr umpacken muss. Wäre ja blöd, wenn der Reisepass in den Tiefen unter Schuhen und Schmutzwäsche vergraben wäre.

Das Wetter macht uns den Abschied etwas leichter. Alles ist wolkenverhangen und trüb. Und doch hat der See an dem wir vorbei fahren etwas mystisches. Ein einsamer, weißköpfiger Adler sitzt gut getarnt im Baum. Könnt ihr ihn sehen?

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Doch bereits nach wenigen Kilometern klart es auf und die Sonne kommt raus. Schnell wird es warm. Unser nächstes Ziel ist Okahandja.

Auf den Weg nach Okahandja

Doch zuerst lüftet Gustav endlich das Geheimnis der teilweise riesigen Termitenhügel. Leider kriege ich die Geschichte nicht mehr zusammen, sonst hätte ich sie euch gerne erzählt. Aber immerhin kann ich euch ein Bild von einem baumhohen Hügel zeigen und auch, welchen Bewohner wir noch entdeckt haben. Dieser wohnt allerdings außerhalb.

Es krabbelt um den Termitenhügel herum. Die Käfer sind riesig, aber harmlos. Dank des kühlen Wetters war der Herr auch ziemlich verschlafen.

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Auf dem Markt können die letzten Souvenirs erworben werden. Handeln ist dabei Pflicht. Ich habe aber keine Lust darauf und setze mich mit Anita und Gustav ins Café.

Die anderen ziehen mit den Ratschlägen vom Guide los. Thekla kommt bald danach mit einer geschnitzten Figur zurück und auch Uschi und Klaus setzen sich zu uns. Neben dem Café gibt es einen Shop, in dem ausschließlich Biltong verkauft wird.

Biltong ist getrocknetes Fleisch ähnlich dem US-amerikanischen Beef Jerky. Es ist ziemlich zäh, aber sehr schmackhaft und ein guter Snack für zwischendurch. Meist handelt es sich um Rindfleisch, aber in Namibia bekommt man die Fleischstreifen auch vom Oryx, Kudu, Zebra, Strauß oder Springbock.

Der Name Biltong ist dem niederländischen entlehnt. Es besteht aus den Silben Bil = Keule und tong = Streifen.

Ich möchte zwar gerne eine Portion mit nach Deutschland nehmen, aber ich bin mir unsicher, ob man das einführen darf. Die App des Zolls ist irgendwie auch nicht eindeutig. Also verzichte ich darauf. Anita jedoch ist mutiger und fragt, ob das Biltong vakuumisiert werden kann. Das wird bestätigt und so wird eine kleine Portion Oryx-Biltong gekauft.

Kurzbesuch in der namibische Hauptstadt Windhoek

Danach fahren wir noch an den Gräbern der Herero vorbei. Okahandja ist das Stammeszentrum dieser Bevölkerungsgruppe. Die Herero wurden um das Jahr 1904 fast ausgerottet. Die Deutschen Truppen unter Generalleutnant Lothar von Trotha vertrieben die Volksgruppe aus Existenzängsten in die Omaheke-Wüste. Dort gab es aber nur wenige Wasserstellen und die wurden von der Deutschen Armee kontrolliert, sodass die Herero letztlich verdursteten. Daran sollen die Gräber der Stammesführer neben der ev. -luth. Kirche in Okahandja erinnern.

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Die nächste Kirche erwartet uns in Windhoek. Mitten auf einer zentralen Kreuzung trotzt die Christuskirche dem Verkehr. Im Inneren steht ein Bäumchen. Daran hängen Kärtchen mit den Namen der kommenden Konfirmanden. Fast alle haben deutschstämmige Namen. Auch das Kirchenblatt ist auf Deutsch.

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Gegenüber der Kirche ist der Tintenpalast – das Parlamentsgebäude – und das Unabhängigkeits-Gedenkmuseum, welches von den Einwohnern liebevoll „Kaffeemühle“ genannt wird. Der Bau ist und war sehr umstritten, da ausschließlich nordkoreanische Firmen mit der Errichtung beauftragt wurden.

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Tintenpalast – das Parlamentsgebäude

Hinter dem Museum befindet sich die „Alte Feste“ – ein Teil des Nationalmuseum. Allerdings ist es heute geschlossen und irgendwie wirkt es ziemlich vernachlässigt. Davor steht inzwischen das Genozid-Denkmal der Herero und Nama. Bis 2013 stand dort ein Reiterstandbild. Dieses musste aber weichen.

Auf dem Rückweg zum Auto nutze ich die Chance, ein paar außergewöhnliche Blumen und Gräser zu fotografieren. Ich kann einfach nicht anders. Wenn ich Blüten sehe, muss ich diese ablichten.

Uschi und Klaus werden gleich abgeholt. Sie haben noch ein paar Tage auf einer Gepardenfarm gebucht. Treffpunkt ist die Heinitzburg. Diese wurde 1914 vom Graf von Schwerin für seine Verlobte Margarethe von Heinitz erbaut. Heute handelt es sich um ein Luxushotel. Von der Terrasse hat man einen grandiosen Blick über Windhoek.

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Wir gönnen uns einen nicht eben günstigen Abschiedssnack und ein Getränk und verabschieden uns von Uschi und Klaus. Wir ordern die Rechnung. Der Kellner nimmt den Schein entgegen und verschwindet. Ähm, was ist mit dem Wechselgeld? Außerdem hat er – nach einem Blick in die Karte – den Betrag großzügig aufgerundet. Darauf angesprochen meint er nur, da wäre das Servicegeld nicht eingerechnet. Widerwillig gibt er dann aber doch das Restgeld heraus. Leider hat er sich damit bei mir das Trinkgeld verspielt. Hat er sich ja schon selbst eingerechnet. Mehr darf er von mir nicht erwarten.

Wir fahren nochmals zurück in die Stadt und halten an der Nationalgalerie an. Ich habe keine Lust auf einen Besuch und warte draußen. Da bekomme ich dann selbst Besuch von einer neugierigen Agame.

Im Hinterhof lassen wir uns zu einer weiteren Tasse Kaffee nieder. Hoffentlich rächt sich das nicht am Flughafen. Kaffee treibt ja gerne mal.

Dann aber geht es Richtung Hosea Kutako International Airport. Ein letzter Abstecher wird gemacht. Wir wollen ein Päckchen abholen. Doch dieses ist leider nicht rechtzeitig eingetroffen. Gustav verhandelt noch mit Anita und den Hoteliers, während Thekla und ich im Außenbereich Bekanntschaft mit einem großen Insekt machen, welches fast reglos in einem Kaktus hockt.

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Dann, im Licht der versinkenden Sonne Afrikas, kommen wir am Flughafen an, checken ein und wundern uns nicht, dass die Bildschirme immer noch genauso dunkel bleiben wir auf dem Hinflug.

Dafür fliegen wir über die schneebedeckten Berge in die dunkle Nacht hinein.

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Das Abenteuer Namibia ist zu Ende. Zwei spannende Wochen liegen hinter mir und meiner Freundin Anita. Wir sind voll von Eindrücken und werden zu Hause ganz sicher viel zu erzählen haben.

Für mich heißt es, Wäsche waschen, Koffer umpacken, denn bereits zwei Tage später geht es auf die Kapverdischen Inseln nach Sal. Für die Ökobilanz ist das natürlich doof, fliege ich quasi darüber hinweg, aber anders war das nicht möglich. Und meine Wäsche wird es mir danken, mit Waschpulver in Berührung zu kommen.

Namibia hat mich gepackt. Ich hoffe, dass wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dieses Land besuchen durfte. Das nächste Mal würde ich allerdings lieber selber planen und ein Auto mieten. Und dann würde ich gerne Botswana mit anhängen. Mal sehen, was daraus wird.

Hat euch der Bericht gefallen? Dann hinterlasst mir doch ein Gefällt mir oder einen Kommentar. Ich freue mich.

Aus Schutz der handelnden Personen der Reisegruppe sind die Namen künstlerisch angepasst.


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© DieReiseEule 2/2019

 

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5 Gedanken zu „[Reisetagebuch] Abschied von Namibia

  1. Tatsächlich, so ist es. Ein paar Mal war ich schon hier und die nächste Reise nach Namibia steht im September an. Nun freue ich mich noch mehr drauf!
    Liebe Grüße
    Gabriela Auf Reisen

  2. Sehr schöne Eindrücke! Vor allem die Bergfotos sind richtig beeindruckend!
    Namibia stell ich mir toll vor. Werde mir jetzt gleich noch mehr deiner Namibia-Beiträge durchlesen. 🙂
    Viele liebe Grüße
    Julie

  3. Heute habe ich mir die Zeit genommen mir einige Deiner Berichte und natürlich die traumhaften Photos von Deiner Namibia-Safari anzusehen. Namibia steht definitiv auf meiner Wunschliste, daher war es auch sehr „gefährlich“ diesen Bericht zu lesen und die Bilder anzuschauen. Aus eigener Erfahrung (Tansania, Ägypten und Uganda) weiss ich das die Farben vor Ort noch spektakulärer sind.

    1. Vielen Dank für den netten Kommentar.
      Namibia kann durchaus süchtig machen. Also Vorsicht! 😀

Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir

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