Rendezvous mit Potsdam – Tipps für eine Städtereise abseits von Sanssouci

Potsdam – die hinreißende Landeshauptstadt Brandenburgs

Wer kennt ihn nicht aus dem Geschichtsunterricht: den Alten Fritz, auch Friedrich der Große genannt. Geboren als Friedrich II. in Preußen entwarf er das Schloss Sanssouci im Stil des Rokoko. Er selbst lebte von April bis Oktober dort. Getrennt von seiner Frau Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, die Schloss Schönhausen bewohnte.

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Der Alte Fritz prägte und veränderte Potsdam. Er ließ die Sumpflandschaft trocken legen. Häuser wurden auf Pfählen gebaut, da der Untergrund nicht geeignet war. Große Teile der Altstadt wurden zum Ende des 2. Weltkriegs zerstört. Darunter das Stadtschloss und die Garnisonskirche.

Nach dem Krieg, während des DDR-Regimes wurde wenig Wert auf Erhaltung der geschichtsträchtigen Gebäude gelegt und etliche wurden abgebaut und durch moderne Bauten ersetzt. Seit der Wiedervereinigung werden viele Gebäude sowie der Stadtkanal rekonstruiert. Einige Teile der Stadt gehören inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

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Stadtrundgang und/oder Stadtrundfahrt!?

Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Ich persönlich laufe sehr gerne und finde, dass man dabei eine Stadt intensiver wahrnehmen kann. Man entdeckt kunstvolle  Graffitis, kleine, liebevolle Läden und Cafés oder Nachbars Katze im Blumenbeet.

Für eine Stadtrundfahrt mit dem Hop on/Hop off Bus hingegen spricht, dass man einen groben Überblick in kurzer Zeit bekommt und sich dann für die eigenen Highlights entscheiden kann. Hat man nur wenige Stunden Zeit für eine Stadt, kann man somit doch einiges sehen.

Da ich hauptsächlich beruflich in Potsdam war, hatte ich nicht viel Freizeit und habe mich für eine Bustour entschieden. Da nach diesem Wochenende Winterpause für die Citytour eintrat, bekamen wir einen dicken Rabatt. Wir zahlten statt € 17,- p.P. nur noch € 12,50 – also den Preis, den man sonst nur als Besitzer der Berlin-Welcome-Card bekommen hätte.

Holländisches Viertel

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Die roten Klinkerbauten des Holländischen Viertels sind schon von Weitem zu sehen. Erbaut wurde das Viertel Mitte des 18. Jahrhunderts, um holländische Handwerker, die Erfahrung in der Trockenlegung von Sümpfen hatten, anzulocken. Leider ging der Plan nicht ganz so auf, wie gedacht.

Schnell wurden die Häuser von Künstlern und anderen Handwerker okkupiert. In den unteren Etagen findet man jede Menge sehr individuelle Geschäfte, Restaurants, Cafés und auch immer noch Handwerksbetriebe.

Durch die Tore

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Nauener Tor

Das Nauener Tor ist dem schottischen Schloss Invary Castle nachempfunden. Im Laufe der Jahre wurde es ein paar Mal umgebaut. Es steht direkt neben dem Holländischen Viertel. Nur die Straßenbahn, nicht aber der Autoverkehr darf das Tor passieren.

Nur wenige Schritte entfernt findet man das Jägertor. In Zeiten König Friedrich Wilhelm I. kam man von hier aus zum Jägerhof. Daher der Name. Das Tor ist sehr gut erhalten und imposant. Leider habe ich es nur in der Dunkelheit gesehen.

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Brandenburger Tor Potsdam – Feldseite

Während das Brandenburger Tor in Berlin weltberühmt ist, ist das gleichnamige Tor in Potsdam eher unbekannt. Dabei ist es außergewöhnlich, denn die Fassade auf der Stadtseite wurde vom Baumeister Carl von Gontard gestaltet, die Feldseite hingegen durfte sein Schüler Georg Christian Unger arrangieren.

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Stadtseite

Hinterhöfe

Vom Brandenburger Tor aus lauft ihr die Brandenburger Straße geradeaus Richtung Kirche St. Peter und Paul. Unter Touristen wird die Straße auch Boulevard genannt. Für die Einheimischen ist es der Broadway.

Auf jeden Fall sollte man die historischen Häuserzeilen genießen und durch die Toreingänge spähen, denn in den Hinterhöfen verstecken sich weitere, nette Geschäfte.

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Kultur- und Weinkontor Potsdam

In diesem spezialisierten Fachgeschäft sind wir aus Zufall, auf der Suche nach einem Mitbringsel für Freunde gelandet. Ein Hinweisschild für Brandenburger Wein und Whisky zog uns magisch in seinen Bann. Da waren sicher höhere Mächte am Werk. Warum? Die Erklärung folgt stante pede.

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Noch während wir durch die Eingangstür schreiten, werden wir mit einem offenen Lächeln begrüßt und nach unserem Begehr gefragt. Sofort kommen wir mit Christel ins Plaudern. Wo wir her sind, möchte sie wissen. Wiesbaden. Ach, da hat sie eine Weile gelebt, aber irgendwann zog es sie zurück nach Brandenburg. Das Eis ist in Bruchteilen von Sekunden gebrochen. Wir sind sofort auf einer Wellenlänge.

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Christel

Den Whisky und den Wein verlieren wir dennoch nicht aus den Augen. Christel erzählt uns von den Whiskybrennereien der Umgebung. Wir dürfen probieren und befinden den Whisky für gut. Gekauft wird eine Geschenkflasche und eine Flasche für uns. Wir sollen ihn probieren und am nächsten Tag wiederkommen und Rückmeldung geben, was wir natürlich auch gerne machen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der nächste Abend dauerte länger als gedacht. Wir kamen immer mehr ins Plaudern, probierten Wein und hatten eine tolle Zeit. Den gleichen Enthusiasmus, den sie bei uns zeigte, hatte sie auch für die anderen Kunden.

Gäbe es eine Krone für die leidenschaftlichste Verkäuferin Potsdams, dann hätte Christel vom Kultur- und Weinkontor Potsdam diese auf jeden Fall verdient. Falls ihr nach Potsdam fahrt, dann stattet ihr auf jeden Fall einen Besuch ab, grüßt sie von der ReiseEule und sagt ihr, dass ihr aufgrund des Artikel in den Laden gekommen seid.

Kultur- und Weinkontor, Lindenstraße 18, Potsdam

Backstoltz

Ihr wollt ein schnuckeliges Ambiente und steht nicht auf internationale Ketten? Ihr sucht ein Frühstückslokal oder ein Szenecafè? Braucht ihr noch einen Tipp für eine leckere, frische, warme Mahlzeit? Dann könnte euch das Backstoltz ebenso gefallen wie uns.

Das Lokal hat 2 Eingänge. Links befindet sich die Konditorei und das Cafe, wo ihr bestens frühstücken oder hausgemachten Kuchen essen könnt. Rechts ist das Bistro. Hier wird frisch auf Sterneniveau gekocht und das zu einem Durchschnittspreis. Probiert habe ich Pasta mit Trüffel – traumhaft! und am Tag zuvor Pulpa mit Kartoffelpüree und Salat. Yummy!

Die Bedienungen sind immer zu einem Schwätzchen bereit und liefern gerne Insidertipps für die Stadt und Umgebung. Überhaupt habe ich die Potsdamer als offenes, herzliches und freundliches Völkchen wahrgenommen.

Backstoltz, Dortusstraße 59, Potsdam

Café Franz. Schubert

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Auf der Allee nach Sanssouci – der Weg zum Grünen Gitter des Eingangs zum Park Sanssouci – kommt man am Traditionscafé Franz. Schubert vorbei. Dieses ist nicht nach dem Musiker, sondern nach der Inhaberin Franz(iska) Schubert benannt.

Die Chefin steht oft hinter der Theke und vor allem backt sie all die leckeren Kuchen und Torten selbst. Sehr erfreulich: sie spart am Zucker. Nichts schmeckt zu süß, alles ist fein und raffiniert aufeinander abgestimmt. Da fühlt man sich wie beim mütterlichen Sonntagskaffee. Wo kriegt man sonst noch „Kalten Hund“, der nach Schokolade schmeckt?

Café Franz. Schubert, Allee nach Sanssouci 2, Potsdam

Hotel Walhalla

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Nachdem wir für eine Nacht im Tagungshotel direkt an der Havel übernachtet hatten, wechselten wir für die nächsten 2 Nächte ins Hotel Walhalla. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude war in der Geschichte einst ein bekanntes Varieté, in dem sogar Charlie Chaplin und Enrico Caruso auftraten.

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Während der DDR-Zeit behandelte man das Traditionsgebäude sträflich und es zerfiel zunehmend. Nach der Wende wurde es unter den Auflagen des Denkmalschutzes saniert und beherbergt nun 9 Doppel- und 3 Einzelzimmer, die individuell gestaltet wurden.

Allein schon der Aufgang, der mit Graffitis kunstvoll gestaltet wurde, ist sehenswert. Im Vorderhaus befindet sich die griechische Taverne Bakaliko, in der das Frühstück dargereicht wird. Für das Doppelzimmer haben wir € 72,- pro Nacht bezahlt. Da die Räume im Hinterhaus sind, war es angenehm ruhig.

Einziges Manko, was aber sicher dem Altbau geschuldet ist, duschen mehrere Personen im Haus gleichzeitig, sinkt der Druck und die Temperatur verändert sich.

Hotel Walhalla, Dortusstraße 5, Potsdam

Havelspaziergang

Zum Abschluß empfehle ich euch noch einen Spaziergang an der Havel entlang, der sich auch im Herbst lohnt. Mystische Nebelschwaden tauchen das Wasser in weiches Morgenlicht und die bunt gefärbten Blätter der Bäume versprühen ein Wärmegefühl.

Übrigens ist in Potsdam ein Olympiastandort. Daher trainieren viele Wassersportler auf der Havel.

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In Potsdam gibt es natürlich noch viel mehr zu entdecken. Das Filmmuseum, die Filmstudios Babelsberg, verschiedene Kirchen, das Russische Viertel Alexandrowka, die Glienicker Brücke, das Dampfmaschinenhaus, das wie eine Moschee aussieht und verschiedene Museen. Leider konnte ich nur einen winzigen Ausschnitt entdecken, aber man muss ja einen Grund haben, um wieder zu kommen.

Mein Bericht hat euch hoffentlich gefallen. Noch Fragen? Oder Anmerkungen? Dann sendet mir einen Kommentar.

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© DieReiseEule 11/2018

6 Gedanken zu „Rendezvous mit Potsdam – Tipps für eine Städtereise abseits von Sanssouci

  1. Potsdam muss nach deinem Beitrag auf meine Liste. Wir waren vor vielen Jahren dort, hatten aber leider zu wenig Zeit. Da besteht Nachholbedarf. Danke für deine Tipps. LG, Susanne

Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir

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