Herbstwanderung im Rheingau – Routenvorschlag 1: Freiligrath-Route

Goldiges Oktoberwochenende

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Der Oktober 2018 meint es gut mit uns. Nach dem Jahrhundertsommer bleibt das Wetter sonnig und trocken. Für Wanderfreunde ist das super. Es ist wohltemperiert. Am Morgen sind zudem noch nicht zu viele Menschen unterwegs, weil oft der Nebel noch in den Tälern hängt. Genau meine Zeit, um mich auf die Socken zu machen.

Ab heute stelle ich euch drei Routen vor, die ich alle an einem Wochenende erkundet habe. Diese Wege sind von Wiesbaden und Mainz aus alle in 30 Autominuten zu erreichen. Man kann aber auch mit der Regiobahn fahren.

Meistens versuche ich Rundrouten zu gehen. Das macht Sinn, wenn man mit dem Auto angereist ist, denn irgendwie muss man ja dorthin zurück.

Tourvorschlag 1 – Die Freiligrath-Route

Im Internet habe ich nach Wanderwegen gesucht und bin auf der Nordic Walking Seite von Rüdesheim-Assmannshausen fündig geworden. Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden werden angeboten. Die Entscheidung fällt auf die Freiligrath-Route, die nach dem Dichter Ferdinand Freiligrath benannt ist. 88 Höhenmeter sind auf 4,8 km Rundweg zu überwinden.

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Startpunkt ist der kostenlose Parkplatz in der Höllenbergstraße. Neben einer dekorativen, wenn auch bemoosten Weinpresse findet man eine Hinweistafel. Der Weg wird als mittelschwer eingestuft und ich muss nur den roten Markierungen mit der Nr. 2 folgen. Teilweise werde ich den Rheinsteig laufen.

Zuerst geht es bergab zurück nach Assmannshausen. Auf der rechten Seite ist ein kleiner Platz und dort entdecke ich den ersten Wegweiser. Fast hätte ich den schmalen Treppenpfad übersehen, der sich romantisch an den Häusern entlang schlängelt.

Die ersten Meter sind zum Einstieg kurz und heftig, dann komme ich aber direkt auf einen breiten Landwirtschaftweg. Wie sich herausstellt, hätte ich vom Parkplatz diesen auch direkt nehmen können, aber dann wäre mir der Pfad mit dem hübschen Blick auf den Sessellift entgangen.

In ansteigenden Serpentinen windet sich der Weg den Hang hoch. Da es hier barrierefrei ist, könnte man den Weg auch gut mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl bewältigen. Am besten lässt man sich dabei Zeit, denn bereits nach wenigen Gehminuten erblickt man hinter dem Kirchturm den Rhein.

Man läuft durch die Weinberge des Assmannhäuser Höllenbergs. Assmannshausens Hänge sind bekannt für Schiefer- und Quarzitböden, auf denen ein hervorragender Rotwein gedeiht. Und 2018 soll ein fantastischer, sonnenverwöhnter Jahrgang sein!

Erstaunt bin ich dennoch, denn viele Weinstöcke hängen noch voller Trauben. Die können doch nicht alle für Eiswein vorgesehen sein, oder? Später erfahre und lese ich, dass diese nicht abgeerntet werden, da die Hektarhöchstmengen erreicht sind. Was für eine Verschwendung!

Die Schritte bringen mich den Hang weiter hinauf. Alle paar Meter bleibe ich stehen, weil ich von hier oben sehe, wie „leer“ der Rhein ist. Normalerweise sieht man keine Sandbänke.

Sollte es anfangen zu regnen, könnte ich mich in einer der Nischen in den Weinbergsmauern unterstellen. Glücklicherweise verzieht sich aber der Morgennebel und die ersten Sonnenstrahlen versuchen sich ihren Weg durch Wolken und Nebel zu bahnen.

Ich entdecke von weitem einen Pavillon. Da muss ich hin. Nur nicht hetzen. Es gibt so viel auf dem Weg und am Wegesrand zu entdecken. Natürlich lichte ich wieder Blumen ab. Meine Leidenschaft. Und ich lese mir die Hinweisschilder des Kräuterwindweges durch. Da erfährt man allerhand über die Kräuter und Büsche und ihre heilenden Eigenschaften.

Hildegard von Bingen hinterlässt auch hier ihre Spuren. Ihr ist sogar ein eigener Pilgerweg gewidmet. Am besten lest ihr mal bei Misses Backpack rein, die den Pilgerweg dieses Jahr erkundet hat.

Ich komme an freiliegenden Schieferplatten vorbei. Die glitzern in den aufkommenden Sonnenstrahlen. Ich befinde mich nun auf dem Silberberg, der seinen Namen dem Bleiglanz verdankt.

Im Mittelalter versprach der Mainzer Erzbischof Dieter von Isenburg den Menschen großen Reichtum. Doch in den Stollen fand man kein echtes Silber, sondern nur jenen Bleiglanz, Bergkristall und weißen Milchquarz.

Ja, und dann verlasse ich kurz den ausgewiesenen Freiligrathweg, um mir den Pavillon anzusehen. Die Rotweinlaube wurde vor einigen Jahren zwecks eines Filmes erreichtet. Man übereignete sie den Assmannshäusern als Treff- und Aussichtspunkt. Ein Hinweisschild lässt mich wissen, dass dort gelegentlich auch Wein verkostet wird.

Gegenüber am rheinhessischen Ufer liegt die Burg Rheinstein. Romantisch sieht sie aus. Aber auch dort führt eine steile Serpentine hoch. Vielleicht schaue ich mir die Burg demnächst mal von der Nähe an.

Nun führt mich der Weg weg von der direkten Rheinlage. Dafür bin ich auf der Kuppe angekommen und es geht nun gemütlich und flach weiter. In den Weinbergen wird gearbeitet. Man lässt sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Aulhausen kommt in mein Blickfeld. Auf einer Weide stehen drei Pferde und grasen. Viel Grün ist leider immer noch nicht vorhanden. Zu heiß und trocken war der Sommer. Die Besitzerin kommt um die Ecke und sofort springen alle drei Pferde in ihre Richtung und wiehern fröhlich. Das entlockt mir ein Schmunzeln.

Die Freiligrath-Route führt nun bergab. Der Wirtschaftsweg geht in einen Schotterweg über, der nicht mit Kinderwagen oder Rollstuhl bewältigt werden können. Hier müsste man umdrehen oder eine andere Route wählen.

Der Pfad führt direkt durch die Domäne Assmannshausen. Der Gebäudekomplex gehört zum Kloster Eberbach und kann im Rahmen des offenen Rotweinkellers, dieses Jahr am 17. und 18. November, besichtigt werden. Dabei darf man dann auch Rotweine verkosten und käuflich erwerben.

Ich überquere die Bundesstraße und folge dem roten Pfeil zurück Richtung Stadtmitte, dabei komme ich an der Maria-Hilf-Kapelle vorbei. Das angebrachte Ortsrundgangsschild verrät mir, dass die Kapelle 1912 als Nachbau des Todesangstkappelchens errichtet wurde. Im 17. Jahrhundert stand hier unter 2 Linden eine blutschwitzender Heilandfigur. Diese Figur ist noch heute im Besitz der katholischen Kirchengemeinde.

Dann bin ich an meinem Ausgangspunkt zurück. Doch bevor ich mich wieder ins Auto setze und heimfahre, laufe ich noch durch Assmannshausen und ans Rheinufer und schieße ein paar Fotos. Ich bin sehr gemütlich gelaufen und habe etwa 2 Stunden mit den ganzen Zwischenstops gebraucht.

Zum Abschluss noch Fotos aus Assmannshausen und vom Rheinufer.

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Demnächst stelle ich euch einen weiteren Rundweg oberhalb des Rheins vor. Dabei geht es durch einen dunklen Tunnel, den verwunschenen Wald und ich stehe auf dem Rittersaal. Lasst euch überraschen.

Ich wünsche euch viel Spaß auf eurer nächsten Wanderung entlang des Rheins oder wo auch immer. Wenn euch der Beitrag gefallen hat oder ihr Anmerkungen machen möchtet, dürft ihr mir gerne einen Kommentar hinterlassen oder den Gefällt mir Knopf drücken.

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© DieReiseEule 11/2018

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