[Blogparade] Weltreanimationstag – Blogger pro Defi

Der unbekannte Aktionstag

Meinen 300sten Artikel – ja, bereits so viele – nutze ich für ein wichtiges Thema. Ich will nicht nur über die schönen Plätze der Welt schreiben, sondern meine Möglichkeiten nutzen über Themen zu schreiben, die mich bewegen. Und als ich den Aufruf zu dieser Blogparade las, wusste ich sofort, dass ich dazu etwas beitragen möchte, da ich selbst Erfahrung mit Reanimation machen musste. Später mehr dazu.

Wer kennt nicht ein paar dieser Themen- und Aktionstage? Am bekanntesten ist wohl der Muttertag, der jährlich am zweiten Sonntag im Mai zelebriert wird. Darüber hinaus gibt es jede Menge sinnvolle und sinnentfernte „Feiertage“.

Ganz neu gibt es den Weltreanimationstag. Noch nicht gehört? Ich bis vor kurzem auch nicht. Der Weltreanimationstag wurde am 16. Oktober 2018 zum ersten Mal international angeboten. Warum habe ich davon nichts mitbekommen? Scheinbar gab es bei uns keine Veranstaltung dazu. Selbst die große Suchmaschine liefert mir keine Ergebnisse.

Dabei sollte jeder Mensch im Notfall helfen können, denn der plötzliche Herztod kann jeden treffen. Wer einen Führerschein besitzt, hat irgendwann einmal eine Einheit zu dem Thema gelernt, aber warum wird das nicht bereits in der Schule gelehrt? So wie es jedes Jahr Feueralarm gibt und der geordnete Abgang aus dem Gebäude trainiert wird, so müsste eigentlich auch Reanimation geübt werden, damit wir sie im Notfall können.

Weißt du, wie man die Herzdruckmassage ausübt oder wo der nächste Defibrillator hängt?

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Urheberrecht Grafik Kuchenerbse 2018

Ich habe 2 medizinische Berufe gelernt und natürlich war das ein Unterrichtsfach. Darüber hinaus bin ich verpflichtet, regelmäßig eine Fortbildung zu dem Thema zu besuchen – die nächste steht im Januar 2019 an – und das ggf. nachzuweisen. Trotzdem hofft man immer, dass man das Wissen nie anwenden muss und falls doch, dass man sich dann traut und weiß, wie es geht.

Kuchenerbse.de hat jedenfalls in Zusammenarbeit mit Citizen-save-lives Cisali zu dieser Blogparade aufgerufen, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und Ängste abzubauen. Ich habe mir auch sofort die kostenlose Cisali-App auf dem Handy installiert (macht das auch!) und gleich mal geschaut, ob es in der Nähe Defibrillatoren gibt und leider ist keiner eingetragen. Darauf hin habe ich eine Email an die zuständige Ortsverwaltung geschrieben mit der Bitte, mir Standorte zu nennen.

Defibrillatoren in Kastel und Kostheim

Wenige Tage später erhalte ich eine Antwort, dass in unserer Ortsverwaltung, in den Bürgerhäusern Kastel und Kostheim, in der Feuerwache 2 und im Metro-Supermarkt je einen Defibrilltor gibt. Als Zusatzinfo hat mir Frau Seib von der Ortsverwaltung noch folgende Zeilen angehängt:

„Zitat: „Derzeit gibt es keine gesetzliche Grundlage in der festgeschrieben ist, wer die Standorte von AEDs sammeln muss oder wer dies bei Installation anzeigen muss.

Anliegend finden Sie Standorte, die auf die Initiative „Wiesbaden lernt Erste Hilfe“ zurück geht.

Im städtischen Telefonbuch befindet sich ebenso eine Auflistung.

Aktueller geht es sicherlich über zeitnah gepflegte Apps zu Defi Standorten. Hier gibt es eine Vielzahl von Anbietern.

Desweiteren ist in der Planung eine Lösung für Wiesbaden zu erarbeiten um dies zentral zu lösen.““

Vielen Dank für die Informationen, Frau Seib. Sie haben mir und hoffentlich auch einigen anderen Lesern damit geholfen.

Diese Standorte habe ich sofort in die App, die ich mir natürlich herunter geladen habe, eingetragen und nur kurze Zeit später waren sie für jedermann sichtbar.

Ich werde nun jedenfalls mit offeneren Augen nach den grünen Herz-Rettungszeichen Ausschau halten. Helfen kann jeder! Die Anwendung ist super einfach. Das Gerät enthält alle Informationen, wie und wo man die Elektroden anlegen muss und es spricht sogar mit dir. Stell dir vor, du lägst da und keine würde sich trauen, das Gerät zu benutzen. Möchtest du das?

Mein persönlichstes Erlebnis

Wie ich eingangs schrieb, habe ich fundierte, theoretische Kenntnisse der Reanimation. Glücklicherweise musste ich sie selbst nie am Patienten anwenden. Einmal war ich während der Ausbildung zur Krankenschwester bei einer Reanimation dabei, aber die erfahrenen Kolleginnen und die Ärzte waren die Hauptakteure.

Dennoch bin ich froh, dass ich an Puppen üben konnte, denn vor 6 Jahren habe ich reanimiert. Mein eigenes Kind! Es war im Dezember, 13 Tage nach dem 13ten Geburtstag. Was genau passiert ist möchte ich nicht erzählen, aber ich fand ihn leblos vor. Dafür musste ich nicht mal nach dem Puls fühlen, man sah es schon und dennoch tastete ich wie in Trance nach dem Herzschlag.

Vieles lief an und in mir wie in einem Film ab. Ich weiß noch, dass ich mir das Telefon schnappte, am Hals einklemmte und mit zittrigen Fingern den Notruf wählte, während ich mit der Reanimation begann. „Ich glaube, mein Kind ist tot. Bitte kommen sie sofort“, war sicher nicht der sinnvollste Satz, aber es traf die Situation und man hörte es mir wohl auch an, denn es wurde nicht in Frage gestellt.

Bitte, macht nie Fakeanrufe! Es könnte ein echter Notfall sein, der in der Leitung hängen bleibt, während ihr euch einen Spaß daraus macht. Das ist kein Spaß! Das kann Menschenleben kosten! Es könnte euren Freund, eure Mutter oder euch selbst treffen.

Die Polizeibeamten – ja mir fiel in dem Moment nur die 110 ein – fragten gezielt nach und trafen nach wenigen Minuten ein. Bis dahin hatte ich im Rhythmus von „Stayin‘ alive“ die Brust meines Kindes massiert. Stayin‘ alive hat 100 Beats per Minute – genau den Taktschlag braucht man. Das hatte ich in einem meiner Kurse gelernt und die Melodie war sofort in meinem Kopf. Mir war es in diesem Moment egal, ob ich evtl. eine Rippe breche. Gebrochene Rippen heilen, Herzstillstand hat den Tod zur Folge und ich wollte das Leben meines Kindes retten. Ich drückte und drückte. Ich beatmete, indem ich den Kopf überstreckte und über die Nase Luft zuführte. Ich machte zwischendurch die Atemwege frei, denn durch den Druck stiegt ihm die Suppe vom Mittagessen hoch. Dafür nahm ich einfach eine herumliegende Hose. Auch das war mir egal. Ich hatte kein steriles Tuch oder ein Mullwindel in greifbarer Nähe und die Flüssigkeit musste weg. Das war klar.

Es klingelte und ich öffnete der Polizei und lief direkt wieder zum Kind. Ich drückte und drückte. „Können sie noch?“ – eine der wenigen Fragen, die ich wahrnahm. Und eine der wenigen Antworten die ich gab war: „Das ist mein Kind. Ich werde immer können!“ Ja, ich hätte wahrscheinlich stundenlang drücken können. Ich war voller Adrenalin. Ich hatte Angst und Panik, aber nicht vor der Reanimation, sondern vor dem Tod. Wie durch den Nebel drang ein „Sie machen das gut. Machen sie weiter. Die Rettungskräfte kommen gleich. Weniger beatmen, lieber länger drücken.“

Irgendwann trafen die Rettungssanitäter ein. Die Polizisten hatten wohl die Tür geöffnet oder offen gelassen. Ich weiß es nicht. Sie übernahmen und schickten mich aus dem Zimmer. Sie hatten natürlich einen professionellen Defibrillator dabei. Ich hörte ein paar Mal das auslösen. Sie reanimierten fast zwei Stunden lang. Leider ohne Erfolg.

Und obwohl ich mein Kind gehen lassen musste, bin ich froh, dass ich mir in dem Moment keine Gedanken über eine mögliche „falsche Therapie“ gemacht habe. Ich bin froh, gehandelt zu haben. Es hätte ja auch ein Leben retten können. Und ich würde jederzeit wieder zudrücken ohne nachzudenken.

Das ist der Grund, warum ich diese Aktion so wichtig finde und unterstütze. Ich bin dafür, dass Leben retten an den Schulen gelehrt wird. Jeder kann helfen, egal wie alt. Jeder kann den Notruf absetzen. Oder Menschen in der Nähe animieren zuzupacken. Oder den Defibrillator holen und anwenden. Selbst Kinder.

Nichtstun ist keine Option!

Es sollte viel mehr dieser Geräte geben. Bushaltestellen müssen innerstädtisch in einem erreichbaren, zumutbaren Abstand sein, warum nicht auch Defibrillatoren? Firmen könnten Geld dafür spenden. Nicht nur für die Anschaffung, sondern auch für die Wartung und Schulung. Das sollte sich Deutschland leisten können.

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Im Gedenken an den wichtigsten Mensch in meinem Leben. Du bist auf ewig unvergessen! Unsere Liebe bleibt die Brücke zueinander!

So, und wer das jetzt als Werbung ansieht und meint, ich hätte das kenntlich machen sollen, weil ich eine Marke genannt habe, dem kann ich nicht helfen. Hier geht es um Aufklärung und Schaffen von Bewußtsein für ein Thema, das uns alle angeht. Und um die Rettung von Menschenleben. #bloggerrettenleben #herzsicherbloggen #bloggerprodefi

Es wäre toll, wenn ihr auf irgendeine Art ebenfalls mitmachen würdet. Kuchenerbse hat da einige Vorschläge im Beitrag aufgelistet. Nutzt dafür den obigen Link.

#bloggerrettenleben
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Der Beitrag nimmt an der Blogparade Mein bester Reise Blogbeitrag teil

© DieReiseEule 11/2018

18 Gedanken zu &8222;[Blogparade] Weltreanimationstag – Blogger pro Defi&8220;

  1. Liebe Liane,
    dein Beitrag hat mich zu Tränen gerührt. Mein aufrichtiges Mitgefühl!! Auch wenn wir uns nicht persönlich kennen: Fühl dich virtuell ganz lieb umarmt!!
    Und vielen Dank fürs Teilen deiner so intimen Geschichte!
    Auch ich finde das Thema wirklich wichtig und muss dabei immer an einen Vortrag bei uns im Büro zum Thema Defis denken, bei dem nicht glatt eine Kollegin meinte, sie würde ieber keinen anwenden, da sie doch nicht im Falle einer gebrochenen Rippe angezeigt werden möchte (da dies scheinbar wirklich schon vorgekommen ist). Ich fürchte, sie ist mit dieser Einstellung nicht alleine. Umso wichtiger ist es eben, Aufklärungsarbeit zu betreiben und ein breiteres Bewusstsein schaffen.
    Die App werd ich mir gleich runterladen. Mal schauen, ob ich auch noch einen (guten) Beitrag zustandebringe.
    Ich wünsche dir alles Liebe
    Julie von julie-en-voyage.com

    1. Hallo Julie,

      eine gebrochene Rippe ist wirklich nicht so dramatisch. Unangenehm, aber sie verheilt. Wenn man dafür jemanden verklagen kann, ist mir schleierhaft. Man reanimiert ja nicht aus Vergnügen, sondern weil das Leben über allem stehen sollte.
      Danke für deine Worte und ich hoffe, ganz viele Menschen damit zu erreichen.

      Liebe Grüße
      Liane

  2. Liebe Liane, da weine ich hier und diese schrecklichste aller Vorstellungen nimmt mir die Luft. Danke für’s Teilen Deiner Geschichte für eine gute, wichtige Sache! Und wer weiss, vielleicht rettet genau diese erhöhte Aufmerksamkeit und Information einmal Leben.
    Wir haben die App gleich heruntergeladen und wow – auch in der Schweiz gibt es noch viel einzutragen! Jeder soll auch in seiner Umgebung darauf achten, wo Defibrillatoren sind – in Apotheken, Einkauscentern, Büros, etc… um im Notfall möglichst schnell einen zur Hand zu haben. Wichtig ist auch, dass das Gerät im Notfall auch tatsächlich eingesetzt wird, meiner Meinung nach ist nur „nicht helfen“ ein Fehler, man kann nichts falsch machen, denn die Defibrillatoren sprechen und geben alles vor, was zu tun ist, das muss man nicht „können“.
    Wir haben mehrere Defis in der Firma, der nächste nur wenige Meter von mir entfernt. Wenn ich ihn im vorbeigehen anschaue, mache ich mir immer wieder bewusst, dass ich ihn auch benutzen würde, wenn es nötig wäre.
    Nochmals danke für dieses wichtige und auch persönliche Thema, fühl Dich gedrückt!
    Liebe Grüsse, Miuh

    1. Liebe Miuh,
      danke für den Kommentar und die aufmunternden Worte.
      Nicht helfen ist wirklich das Schlimmste, was man machen kann. Wenigstens einen Notruf kann jeder absetzen. Und dann zumindest Mitmenschen ansprechen und um Hilfe bitten.

      Herzliche Grüße
      Liane

  3. Das tut mir ja so leid! Ich habe es vor sieben Jahren ebenfalls erlebt. Mein Verlobter starb mit 35 Jahren. Die Reanimation durch mich und die professionellen Helfer half ebenfalls nichts. Und das schlimme daran: eine dreiviertel Stunde vorher diagnostizierte man bei ihm eine Angina. Seine Luftnot sollte er mit dem Lutschen von Eis bekämpfen. Der Verlust des eigenen Kindes muss unwahrscheinlich weh tun. Schlimm, dass Du das erleben musstest.

    1. Das tut mir sehr leid für dich. Umso schöner, dass du wieder einen neuen Partner gefunden hast und ihr nun die Hochzeit plant.
      Der Verlust wird nie vergessen, aber das Leben geht nunmal weiter und mit Abstand muss man das Beste daraus machen…

    2. Kurz nach dem Tod meines Partners sagte eine Freundin zu mir:“ Hast du ein Glück, du kannst dich noch einmal neu verlieben.“ Damals fand ich das piätetlos. Aber sie hatte recht. Trotzdem bleibt mein verstorbener Partner natürlich in meinem Herzen.

  4. Oh…da sind mir beim Lesen auch die Tränen gekullert…fühl dich gedrückt, auch wenn wir uns persönlich nicht kennen.
    Da begreift man erst wie wichtig doch dieses Thema ist…
    Nach der App schauen wir auch gleich mal.

    Silvi & Chris

  5. Liebe Liane,
    Während ich das lese, weine ich über Deinen Verlust und drücke Dich ganz fest. Unser DRK sammelt gerade Spenden für einen Defibrillator. Ich werde auch gleich dazu aufrufen.
    Alles Liebe von Sanne

  6. Ich bin den Tränen nahe und mache mich gleich nachher dran einen Artikel für die Blogparade zu schreiben. In Gedanken an Deinen Sohn und den Menschen denen ich schon erste Hilfe geleistet habe. Danke für Deine Offenheit. Die App hole ich mir auch und werde Standorte ergänzen.
    Alles Gute Katja

  7. Vielen Dank, dass Du etwas so Persönliches – Dein Persönlichstes – mit uns teilst.
    Ich finde es wunderbar, dass Du Dir ein Nischen-Thema ausgesucht hast. Ich habe schon öfters Defibrillatoren gesehen, teilweise an für mich fragwürdigen Orten – da ich dachte, da ist doch meist zu, wie soll man ihn im Notfall nutzen. Mir war bislang nicht bekannt, dass es eine App gibt, wo man die Standorte melden kann. Auch ich werde mir diese App herunterladen und helfen sie zu füllen.

    1. Ich bin sonst kein großer Freund von Apps, aber diese finde ich echt sinnvoll. Und sie zeigt weltweite Standorte. Selbst im Urlaub kann das ja mal wichtig sein.

      Danke für deine lieben Worte.
      Liane

Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir

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