[Reisetagebuch] Twyfelfontein mit Pannenhilfe bis zur Vingerklip Lodge

Tag Acht – Start in Uis

Wir verlassen The White Lady Guesthouse in Uis nach einem ausgiebigen Frühstück. Vorbei geht es an einer verlassenen Mine. Endlich können wir auf der linken Seite das Brandbergmassiv sehen. Majestätisch lugt der höchste Berg Namibias, der Königsstein mit seinen 2573 Metern aus der kargen Landschaft hervor. Ein Fels in der Brandung. Jede Menge Geschichten ranken sich um diese Erhebung und sicherlich könnten auch die Steine fesselnde, abendfüllende Stories erzählen.

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Über eine gewohnt rumpelige Straße fahren wir Richtung Khorixas. Gefühlt entfernen wir uns vom Brandberg, aber unser Zwischenziel für heute ist Twyfelfontein und das liegt am Brandberg.

Weltkulturerbe Twyfelfontein

Die Sonne brennt vom Himmel, als wir unseren Van unter der schattenspendenden Überdachung parken. Noch sind nicht viele Fahrzeuge abgestellt. Wir laufen gemeinsam zum Besucherzentrum. Einen Guide benötigen wir heute nicht, Gustav kennt sich gut aus und führt uns zu den Felszeichnungen. Am berühmtesten ist das Bild des Löwen mit dem langen, im 90° Winkel abgeknickten Schwanz.

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Alle Zeichnungen sind den San, den Buschleuten zuzuschreiben. Sie wurden ohne metallische Werkzeuge angefertigt. Man vermutet, dass Werkzeug aus Quarz verwendet wurden, da man davon Rückstände nachweisen konnte.

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Hauptsächlich sind Jagdszenen dargestellt. Man erkennt Jäger und viele Tiere – Giraffen, Zebras, Antilopen, Löwen. Obwohl das Meer 100 km entfernt ist, ist sogar eine Robbe dargestellt.

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Und auch wir entdecken Tiere. Kleine Libellen, eine Schlange, Heuschrecken und Eidechsen. Und einen – von Gustav – Samttierchen genannten Käfer. Alle lebend natürlich.

Wir sehen und bekommen Pflanzen und Blumen erklärt, die in der Wüste überleben. Ein Baum hat Blätter, die an Engelsflügel erinnern. Wilde Amaryllis heben sich vom orangerot des Wüstensandes ab. Nach Regenfällen sprießt das Gras und bildet einen beeindruckenden Kontrast. Allerdings sollte man vorsichtig sein, denn da Wasser kommt unerwartet und kann über die Felsen schießen. Nur wenige Tage vor unserem Besuch ist das passiert. Gustav zeigt uns ein Video, dass sein Kollege gemacht hat. Glücklicherweise ist weder ihm noch der Reisegruppe etwas passiert.

Inzwischen sind viele Besuchergruppen unterwegs. Zeit für uns, zum Damara Living Museum zu fahren. Doch am Wagen erwartet uns eine nicht so erfreuliche Überraschung. Der reparierte Reifen ist wieder platt.

Wir leeren den Kofferraum und holen ein weiteres Mal den Ersatzreifen heraus. Einer der Parkplatzwächter wechselt für uns den Reifen. Wir picknicken, denn es ist Mittagszeit. Nach dem Austausch erhält der Helfer ein paar Dollar und wir fahren zum Dorf der Damara.

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Die zweite Reifenpanne

Damara Living Museum

Das Volk der Damara zeigt ca 10 km nördlich von Twyfelfontein in einem „lebenden“ Museum seine traditionelle Lebensweise. Wir werden von einer Damarafrau, die ein paar Brocken deutsch spricht, durch die verschiedenen Stationen geführt.

Ich fühle mich nicht wohl. Wir werden ständig aufgefordert, Fotos zu machen. Wir sollen mittanzen. Mir ist das zuviel „Zurschaustellung“. Das hat zur Folge, dass ich gar keine Fotos mache. Wirklich spannend war der Vortrag des Schamanen über die Kräuter und Behandlungsmethoden.

Den anderen ging es nicht viel anders, sodass wir sofort nach Beendigung der Vorführungen weiterreisen. Der Weg zieht sich sowieso und Gustav will noch schauen, wann und wo wir den Reifen geflickt bekommen. Also lieber die Zeit nutzen und eher vorzeitig ankommen. Doch so reibungslos, wie wir uns das zu diesem Augenblick noch ausmalten, sollte die Fahrt heute nicht vonstatten gehen. Uns erwartete noch ein unerwartetes Ereignis.

Fahrt mit Hindernissen

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Kaum haben wir das Damaradorf verlassen, sehen wir, wie sich in der Ferne eine Regenfront zusammen braut. Natürlich wissen wir, wie wichtig Regen für Namibia ist und das alle Einwohner erfreut sein werden, aber die Straßen können sich dadurch in Schlammwüsten verwandeln und somit unpassierbar sein.

Es fängt an zu tröpfeln. doch vom großen Regen bleiben wir verschont. Wir nähern uns einer Bodensenke, die sich mit Wasser gefüllt hat. Während wir uns dieser langsam nähern, können wir ins Tal schauen und den Flusslauf einsehen.

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Und was wir dort auf uns zukommen sehen, sieht nicht vertrauenerweckend aus. Es muss ziemlich geschüttet haben. Der Wasserstand steigt schnell und unaufhörlich. Gustav gibt Gas. Schnell weg, bevor wir nicht mehr durchkommen oder noch schlimmer mit einer Welle weggerissen werden.

Bis zur Mitte geht alles gut, doch dann setzt der Kleinbus irgendwo auf. Es knirscht und knarzt verdächtig. Doch wir schaffen die Durchfahrt und halten auf der Anhöhe mit klopfendem Herzen an. Durchschnaufen und Puls runterfahren.

Wir entdecken eine alte Welwitschie. Diese lebenden Fossilien sind endemisch in der Region. Obwohl es scheint, als bestünde die Pflanze aus überfahrenen Blätter, handelt es sich nur um ein einziges Blattpaar. Bis über 1000 Jahre alt kann eine Pflanze werden.

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Welwitschie

Bei der Weiterfahrt vernehmen wir vorne rechts auf der Fahrerseite ein seltsames Geräusch. Es klappert und scheppert. Ein weiterer Zwischenstop folgt. Gustav schleicht um das Auto und sucht. Nach und nach steigen wir aus. Wir entdecken eine beschädigte Spurstange. Können wir damit weiterfahren? Wir sind irgendwo im Nirgendwo.

Gustav entscheidet, dass wir eine Weiterfahrt versuchen. Alle müssen sich auf die letzte Rückbank nach links setzen, damit möglichst wenig Last auf der Vorderachse ist. Bei jeder Kurve knirscht es im Gestänge. Wir müssen langsam fahren und versuchen den Bodenwellen auszuweichen. Dadurch dauert die Fahrt deutlich länger als geplant.

Gustav hofft, dass wir die geteerte Straße bald erreichen. Somit würde wenigstens etwas Belastung wegfallen. Und prompt, als wir darauf einbiegen erscheint ein Regenbogen. Für uns ein gutes Omen.

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Eigentlich ist heute Abend ein Tisch im Eagles Nest für uns reserviert, aber wir werden wohl kaum bis Sonnenuntergang in der Vingerklip Lodge ankommen. Doch uns ist es egal, Hauptsache wir erreichen die Lodge gesund und munter.

Das letzte Stück Weg ist wieder Gravel Road. Nochmal Luft anhalten und beten. Ein kurzer Fotostop wird eingelegt als sich der Daumen der Vingerklippe perfekt darstellt. Nur mal schnell ein Foto schießen und die Gelenke lockern und weiter.

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Es regnet wieder. Da ich vorne neben Gustav sitze, öffne ich das große Tor. Nun kann nichts mehr passieren. Wir sind da. Nur noch den Berg hoch. Im Dämmerlicht parken wir den Wagen. Wir holen unsere Zimmerschlüssel und checken ein. Abendessen dürfen wir uns anschließend vom Buffet holen.

Gustav informiert noch die Autovermietung über die beiden Pannen des Tages. Diese verspricht, dass am nächsten Morgen der Mechaniker aus Windhoek anreisen wird, denn so können wir nicht weiter und schon gar nicht durch den Etoschapark.

Wir trinken noch einen Whisky in der Bar und dann fallen wir in unsere Betten. Hoffentlich geht morgen alles gut…

Wie die Reise weiter geht oder ob wir unfreiwillig länger bleiben müssen, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Und nun Feuer frei für eure Kommentare und Likes.

Aus Schutz der handelnden Personen der Reisegruppe sind die Namen künstlerisch angepasst.


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© DieReiseEule 9/2018

4 Gedanken zu „[Reisetagebuch] Twyfelfontein mit Pannenhilfe bis zur Vingerklip Lodge

Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir

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