[Reisetagebuch] Auf der Rinderfarm in Namibia Tag 1, zweiter Bericht

Den Bericht der Anreise findet ihr unter [Reisetagebuch] Von Frankfurt auf eine Rinderfarm in Namibia Tag 1

Auf der Farm Heimat

Rainer und seine Frau weisen uns unsere Zimmer zu. An den großer Raum mit Doppelbett und Kühlschrank grenzt ein Duschbad. Uns gefällt es sehr gut. Wir machen uns frisch und gehen dann zum offenen Speiseraum, wo bereits Getränke zur Selbstbedienung und Kleinigkeiten zum Snacken stehen.

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Der Eingang zum offenen Speiseraum

 

Auf einmal huscht ein Erdmännchen an unseren Füßen vorbei. Willi heißt es. Wir sind ganz begeistert. Willi ist zahm und lässt sich streicheln. Zumindest, bis er keine Lust mehr hat. Ende vom Lied: Er beißt mich. Es blutet direkt heftig und die Farmerin holt mir Zugsalbe und ein Pflaster. Willi wird – trotz meiner Proteste – wieder in den Käfig gesperrt. Wie Willi die Geschichte sieht, gab es bereits zu lesen: Erdmännchen Willi und seine Sicht der Ereignisse

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Willi, das Erdmännchen

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Doch nun möchte uns Rainer seine Farm näher bringen. Wir werden hinter das Haus in den Garten geführt. Dort blühen Kakteen, aus denen sie Kaktusfeigensaft herstellen. Dennoch sind Kakteen keine einheimischen Pflanzen.

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Seifarts bauen eigenes Gemüse an. Das ist nur durch ständige Bewässerung möglich. Die Kalahari ist einfach zu trocken und zu heiß. Dies bedeutet einen riesigen Aufwand. Die Bewirtschaftung der Farm ist nur möglich, weil es jede Menge Helfer und Angestellte gibt. Auch die Tochter hilft kräftig mit.

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Die Schoten des Kameldornbaums

An Zitronen- und Limettenbäumen vorbei gehen wir Richtung Portal. Rainer zeigt uns einen Kameldornbaum (Einheimische nennen ihn Kamelopartus giraffus), dessen Schoten von Giraffen sehr gerne verzehrt werden. Und er erklärt uns das Prinzip der Wasserpumpen anschaulich.

Nun sollen wir endlich einen Eindruck von seinen Rinderherden und der Größe der Farm bekommen. Zu Fuß wäre das keine gute Idee, denn das Areal ist riesig. Ich habe vergessen, wieviel Hektar es umfasst, aber selbst motorisiert haben wir nur einen Bruchteil gesehen.

Dafür kommen wir in den Genuß, mit einem Chevrolet von 1962 gefahren zu werden. Ein echtes Schmuckstück. Ich denke, die sieht man sonst höchstens noch auf Kuba. Wir klettern forsch auf die Ladefläche und halten nicht nur unsere Hüte gut fest.

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Der bezaubernde Chevy

Erster Stop ist bei der Tränke. Es ist gerade die Zeit, die die Rinder zum Trinken nutzen. Alle Rinder sind gekennzeichnet. Das Rindfleisch wird auch nach Deutschland exportiert, erklärt uns Rainer. Allerdings macht die EU sehr strenge Auflagen.

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Die Rinder können sich im umzäunten Areal frei bewegen. In einem bestimmten Rhythmus werden die Flächen getauscht. Die Mütterkühe und Jungtiere werden von den männlichen Tieren getrennt.

Am Zaun zur Nachbarfarm geht es weiter ins Land hinein. Natürlich wachsen hier sehr viele eßbare Pflanzen, wie wilder Sesam, aber es gibt auch Pflanzen, die Schaden anrichten. Eine bestimmte Akazienart vermehrt sich zu stark und entzieht dem Boden dadurch Wasser. Leider ist gerade dieser Art sehr schwer beizukommen. Sägt man den Baum einfach nur ab, sprossen die Ableger umso mehr. Chemie darf aber nicht angewendet werden, da dies sonst im Rindfleisch nachweisbar ist und für den Mensch gefährlich wäre.

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Momentan wird durch die Universität von Windhoek an einer ungiftigen Alternative geforscht. Blöd, wenn dem Nachbarn das alles egal ist und die Samen über die Zäune fliegen.

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Zurück fahren wir an den Häusern der Angestellten vorbei. Diese wirken gepflegt. Rainer erzählt, dass er für die Familien eigene Häuser bereit hält, dass die aber oft nicht genutzt und akzeptiert werden, da die Eingeborenen es gewohnt sind, alle zusammen auf engstem Raum zu leben. Gekocht wird trotz Herd dennoch meist auf offenem Feuer.

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Ein Angestelltenhaus

Zum Abschluss lernen wir noch die Tochter kennen, die gerade damit beschäftigt ist, die Ziegen zu versorgen und Anweisungen zu geben. Man merkt, dass sie dort groß geworden ist, denn sie läuft Barfuß. Sie spricht Deutsch, Afrikaans und Englisch. Neben den Ziegen kümmert sie sich um die Gästehäuser.

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Wir vereinbaren eine kurze Pause. Danach soll es noch eine Überraschung zum Sonnenuntergang geben. Wir entdecken noch muntere Hühner und ich entdecke ein witziges Hinweisschild auf den ultimativen Grillkoffer für Männer.

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Für das Abendessen sind das gute Aussichten. Aber zuerst fahren wir zu einer kleinen Hütte. Dort werden wir den Sundowner in Form von Bier bzw. Savanna zu uns nehmen. Wir hören ein klapperndes Geräusch, dass wir nicht gleich zuordnen können.

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Ein Eselskarren kommt um die Ecke. Das ist also die Überraschung. Wir drehen eine Runde durch das karge Land und sind rechtzeitig zum Lichtspektakel zurück. Namibia hat es echt drauf mit den Sonnenuntergängen. Leider geht die Sonne immer sehr schnell unter.

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Der Eselskarren, 2 PS

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Zurück auf der Farm gibt es Zebra und Oryx frisch vom Grill. Rainer hat den perfekten Garpunkt getroffen. Lecker, lecker. Doch die Idylle trügt, denn der Neid der armen Bevölkerung sorgt dafür, dass Farmen überfallen werden. Rainer erzählt uns, dass die Farmer sich zusammen getan haben und per Funk miteinander in Verbindung stehen. Zu bestimmten Zeiten meldet man sich und wenn dies nicht erfolgt, wird ein Suchtrupp losgeschickt und die Polizei benachrichtigt.

Leider wurden bereits einige Farmer ermordet und die Farmen abgefackelt. Kein leichtes Leben. Es regt zum Nachdenken an. Die Farmen liegen weit außerhalb und abgeschieden. Bis die Polizei eintrifft können Stunden oder auch Tage vergehen. Hubschrauber sind meist nicht einsatzbereit. Selbst Schwangere verbringen die letzten Wochen vor der Entbindung bereits in einer Stadt mit Krankenversorgung, weil die Wege zu weit und zu gefährlich sind.

Schotterstraßen bei Wehen sind ganz sicher kein Vergnügen. Nachdenklich suchen wir unsere Zimmer auf.

Der erste Tag war aufregend und wunderbar. So kann es weiter gehen. Morgen geht es über Solitaire nach Weltevrede. Freut euch auf den nächsten Bericht.

Ein Gefällt mir und/oder ein Kommentar ist der Applaus des Bloggers. Ich freue mich sehr darüber. Habt ihr selbst Erfahrungen ähnlicher Art in Namibia gemacht? Habe ich eure Sehnsucht geweckt?

Aus Schutz der handelnden Personen der Reisegruppe sind die Namen künstlerisch angepasst.


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© DieReiseEule 6/2018

6 Gedanken zu &8222;[Reisetagebuch] Auf der Rinderfarm in Namibia Tag 1, zweiter Bericht&8220;

    1. Eigentlich habe ich meinen Fleischkonsum ziemlich reduziert, eher mehr Obst und Gemüse, Leitungswasser, Kaffee und Tee.
      So schöne Orte zu bereisen, das wäre für mich mal etwas anderes.
      Mir gefällt es, dass Du das so intensiv betreibst…

Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir

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