[Reisetagebuch] Von Frankfurt auf eine Rinderfarm in Namibia Tag 1

5. April 2018

Ich packe sicherheitshalber noch einen Hoodie in den Koffer. Abends soll es ja angeblich in Namibia immer sehr kalt werden. Habe ich alles eingepackt? Schnell werfe ich noch einen Blick auf die Haken meiner Packliste. Es fehlt nur noch der Haken für das Handy und den Haustürschlüssel. Der Koffer geht ohne Probleme zu. Schloss dran. Fertig.

Hasimausischatzibär bringt meine Freundin A. und mich zum Flughafen. Ich stecke Handy und Schlüssel ein und dann geht es los – das Abenteuer Afrika. Ich freue mich so sehr darauf. Seit 3 oder 4 Jahren planen Anita und ich diese Reise. Irgendwann hatten wir bei einem unserer intensiven Gespräche festgestellt, dass wie beide den Traum von Namibia haben und beschlossen, dass wir 2018 gemeinsam die Reise antreten.

Auf einmal kam mir das Leben dazwischen. Ich war hin und her gerissen, ob wir unsere Planung beibehalten sollten, denn auf einmal hatte ich einen Mann an meiner Seite und natürlich planten wir auch gemeinsam einen Urlaub. Aber dieses Juwel von Mann ermutigte uns die Reise anzutreten.

Jedenfalls stehen wir überpünktlich am Terminal 2 auf der Suche nach dem Air Namibia Schalter. Schnell werden wir fündig, versuchen Sitzplätze im vorderen Bereich zu bekommen, was aber angeblich nicht möglich ist, da die Maschine fast ausgebucht sei, erhalten unsere Bordkarten und geben die Koffer auf.

Mal wieder steige ich in ein Flugzeug und versuche mir erfolglos einzureden, dass ich keine Flugangst haben muss. Doch noch bevor wir von der Startbahn 18 West abheben nährt die Crew meine Befürchtungen. Einige Monitore – darunter auch unsere – seien ausgefallen. Man könne sich aber gerne nach dem die Flughöhe erreicht sei umsetzen.

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Monitor Standbild

Während innerhalb gefühlter Sekunden 3/4 aller Passagiere in Dämmerschlaf verfallen, sitze ich und starre in die Dunkelheit. Da der Monitor fortwährend das gleiche farblose Bild ausstrahlt, entscheide ich mich ihm auch noch den letzten Stromfunken zu entziehen und schalte ihn offline. Allen meinen schlimmsten Befürchtungen zum Trotz erreichen wir nach über 8000 km und 10 Stunden Flugzeit Namibia. Das Land liegt um 6.30 Uhr am Morgen noch im Dornröschenschlaf.

Verdammt, irgendwo hier ist doch Windhoek! Hier muss es doch Lichter geben! Der Pilot setzt zur Landung an, obwohl alles schwarz bleibt. Erst in den letzten 8 min lichtet sich im wahrsten Sinne des Wortes der Nebel und ein paar olivgrüne Grasbüschel sind auszumachen. Und dann ist da nur Sekunden vor dem Aufsetzen doch eine geteerte Bahn sichtbar. Darüber bin ich sehr dankbar.

Es geht zu Fuß über das kerosinduftende Flugfeld ins Hauptgebäude. Wir stellen uns in die Warteschlange. Sehr langsam geht es voran, da nur 2 Schalter um diese Uhrzeit besetzt sind. Endlich bin ich dran. Ich reiche dem Beamten meinen Reisepass und das ausgefüllte Einreiseformular. Dann bitte einmal die Brille abnehmen und in die Kamera schauen. Ich erhalte das Visum und schreite zum Gepäckband, um meinen Koffer zu holen. Meine Freundin kommt ebenfalls. Mit den Koffern gehen wir durch die elektrischen Schiebetüren, hinter denen jede Menge Guides mit Pappschildern auf ihre Kundschaft warten.

So, wo steht unser Name? Wir schauen uns um, werden angesprochen, aber von Taruk ist niemand zu sehen. Wir schreiten durch das Spalier der Abholer und sehen etwas versteckt einen älteren, bärtigen Herrn mit einem graugrünen Hemd. Taruk ist auf die Hemdtasche aufgestickt. Das ist wohl unser Guide. Wir schütteln die Hände und stellen uns vor. Gustav macht einen kompetenten Eindruck. Obwohl ich fast wie bei Hummeldumm von T. Jaud mit einem bayerisch sprechenden Schwarzen gerechnet hatte.

Gustav empfiehlt uns, uns direkt am Geldautomaten mit Namibischen Dollar zu versorgen. Als wir zurück kommen, sehen wir nun auch unsere Mitstreiter. Ein Ehepaar mittleren Alters – Heidi und Kurt – und eine sehr große, schlanke Frau – Thekla. Wir sind also nur zu fünft. Eine Teilnehmerin hat kurzfristig abgesagt, erfahren wir. Das nennt man dann wirklich eine Kleingruppe. Super. Große Gruppen sind nämlich so gar nichts für mich.

Auf dem Parkplatz steigen wir in einen Toyota Kleinbus. Gustav verstaut unsere Koffer. Dann geht es los, um keine 2 min später einen ersten Stop einzulegen. Warum? Weil genau jetzt die Sonne aufgeht.

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Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, obwohl wir nicht gerade an einem romantischen Platz anhalten. Eben war alles noch grau in grau und nun verwöhnt uns dieses unbekannte Land mit einem Farbspiel der Extraklasse. Was ein Willkommensgruß!

Doch viele Kilometer liegen vor uns und so steigen wir wieder ein. Doch wiederum keine 2 Minuten später der nächste Halt. Wir sehen unseren ersten Puma.

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Pumaschild – Hinweis auf die Tankstelle

So heißt hier eine Tankstellenkette. Gustav macht ein bisschen Smalltalk mit dem Tankwart. Eben war es noch ziemlich frisch, doch jetzt merkt man sofort, dass die Temperaturen ansteigen. Ich fürchte, es wird noch sehr warm heute.

Anfangs fahren wir auf einer geteerten Straße, doch schon bald verlassen wir die Hauptstrasse und es geht über Schotterpisten weiter. Gustav hat ein gutes Tempo drauf. Ich täte mich nicht trauen so schnell zu fahren. Doch er ist sehr erfahren und wird wissen was er tut. Er erzählt uns, dass er in Namibia groß geworden ist, jetzt aber in Südafrika wohnt und für die Touren einfliegt.

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Das typische Bild einer namibischen Straße

Kilometer über Kilometer werden wir sanft durchgerüttelt. So werden die nächsten 10 Tage also sein. Nebenbei erfahren wir, dass wir möglichst die Plätze täglich tauschen sollen, damit jeder mal vorne sitzen kann.

Im Auto gibt es eine kleine Kühltruhe. Darin sind Flaschen mit stillem und sprudelnden Wasser. Dazu gibt es eine Liste. Einfach einen Strich machen, wenn man sich eine Flasche entnimmt und am Ende wird abgerechnet. Im Kofferraum lagert genug Nachschub. Der Preis beträgt N$ 14,-. Vollkommen ok, dafür das wir uns darum keine Sorgen machen müssen.

Wir kommen alle ins Gespräch. Schließlich möchte man wissen, mit wem man zwei Wochen seines Lebens verbringt. Theda kommt aus dem hohen Norden und segelt gerne. Heidi und Kurt sind aus Thüringen und waren schon mehrfach auf Safari. Auch in Namibia. Kurt hat Malheur mit seinem Knie und daher haben wir ihm die Wahl überlassen, wo er am besten sitzen kann. Er sitzt vorne neben Gustav.

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Die ersten Tiere am Wegesrand

Gustavs geschultes Auge erblickt die ersten Tiere. Die sind echt gut getarnt. Natürlich spornt uns das an, selbst die nächsten Tiere zu erblicken.

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Immer wieder kreuzen Oryxe und Springböcke unseren Weg.  Mit rasender Geschwindigkeit, die ich nicht erwartet habe, sehen wir Warzenschwein nach rechts ausweichen. Oh Gott, sind die niedlich. Wie sie ihren Schwanz gen Himmel recken – putzig.

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Warzenschweine

Kurz vor der Farm müssen wir abbremsen. Eine große Gruppe Perlhühner schlendern gemütlich die Straße entlang. Wir fragen, ob sie extra zum Verzehr gezüchtet werden.

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Perlhühner

Gustav lacht und sagt: „Um Perlhühner zuzubereiten schmeißt man diese zusammen mit einem Kieselstein in den Kochtopf. Wenn der Stein weich ist, noch 20 min weiter kochen und dann sind die Viecher genießbar.“

NAM_7265.jpgAusschnitt

Ok, das haben wir verstanden. Wir müssen lauthals lachen. Daher rennen wohl auch so viele Hühner rum.

Dann erreichen wir die Farm Heimat der Familie Seifart. Der Besitzer öffnet uns das Tor. Wir parken. Auch die Hausherrin kommt herbei und begrüßt Gustav sehr herzlich. Man kennt sich. Allerdings ist man etwas verwundert. Irgendwie hatte niemand mit uns gerechnet. Doch die Zimmer sind frei und fertig. Ein Blick ins Auftragsbuch zeigt, dass alles mit rechten Dingen zugeht, nur irgendwie kurzfristig nicht mehr auf dem Schirm war.

Wir beziehen unsere Zimmer, machen uns frisch und dann erwartet uns bereits eine Erfrischung in Form von hausgemachtem Kaktusfeigensaft im offenen Speiseraum.

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Blick aus unserem Schlafraum auf den gepflegten Garten

Im nächsten Artikel erfahrt ihr, was wir über das teilweise harte Farmleben gelernt haben und welche Überraschungen noch den Tag unvergesslich machten.

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Aus Schutz der handelnden Personen der Reisegruppe sind die Namen künstlerisch angepasst.


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© DieReiseEule 5/2018

10 Gedanken zu &8222;[Reisetagebuch] Von Frankfurt auf eine Rinderfarm in Namibia Tag 1&8220;

  1. Eine tolle Beschreibung und heute wollen wir noch los und Fotos machen lassen für unsere Pässe. So lange lese ich deine interessanten Berichte und bin gespannt, was als nächstes kommt. Bis dahin, herzliche Grüße Sigrid

  2. du hast sehr einfuehlsam geschrieben..
    mich interessiert von einer privaten farm aus ganz namibia kennenzulernen…meine erste reise diente nur der logistik naehe windhoek ein haus zu kaufen…allerdings scheiterte es seit 2 jahren daran ein prp permanent residence permit zu bekommen…und das trotz professionellem antrag bisher ohne feedback vom zustaendigen mr hishekwa im mha ministry of home affairs…!?

Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir

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