Schlender Weinprobe im Kloster Eberbach/Rheingau

Weinregion Rheingau

Der Rheingau ist berühmt für seine Rieslingweine, die bereits zu Zeiten Karls des Großen angebaut wurden. Das Weinbaugebiet ist rechtsrheinisch (linksrheinisch ist Rheinhessen) und geht im Westen von Lorchhausen bis zum Lohrberger Hang hinter Frankfurt/M. im Osten. Dazu kommt noch der nördlichste Weinberg Hessens, der Böddiger Berg in Nordhessen, der mir persönlich gut bekannt ist, da ich in nur etwa 10 km Entfernung aufgewachsen bin.

Weintraube
Weintrauben

Obwohl ich nun schon seit vielen Jahren mit Unterbrechung in der Weinregion des Rheingaus wohne, habe ich noch nie Kloster Eberbach besucht. Doch Ende März war es endlich soweit. Wir beschenkten und begleiteten einen Freund an seinem Geburtstag zur Schlender-Weinprobe.

Kloster Eberbach

Die Zisterzienserabtei wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Innerhalb von ~ 80 Jahren entstanden die Basilika und weitere Gebäudeteile im romanischen Stil, welcher sich durch die Besinnung auf das Wesentliche auszeichnet. Nichts sollte die Konzentration der Mönche stören. Die Schlichtheit kommt besonders im Laiendormitorium zu Tage.

Den meisten ist Kloster Eberbach sicher aus den Filmen „Der Name der Rose“ mit Sean Connery oder „Vision – aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ mit Barbara Sukova und Heino Ferch bekannt. Dort wurde viele Innenraumszenen gedreht. Dazu später mehr.

Kloster Eberbach war auch Drehort für zahlreiche Fernseh- und Filmproduktionen wie z.B. Pfarrer Braun, aber auch für Deutschland sucht den Superstar.

Schlender Weinprobe – Weinprobe mit Wissensvermittlung

Auf dem Parkplatz unterhalb des Klosters trafen wir zeitgleich mit unserem Freund ein. Wir hatten die Befürchtung, es könne an diesem Samstag, – dem ersten mit sonnig-warmen Wetter im neuen Jahr – relativ voll sein, jedoch waren zum Glück nur wenige Parkplätze belegt.

Da wir früh dran waren, beschlossen wir in der Klosterschänke noch eine Tasse Cappuccino einzunehmen. Unser Freund gönnte sich einen warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne, der exzellent geschmeckt hat, sagte er.

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Auszug aus der Restaurantkarte

Kurz vor 18 Uhr begaben wir uns in den Kassenbereich, wo schon viele Teilnehmer warteten. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt und begaben uns direkt in den dunklen, mystisch anmutenden Raum – den Hospitalkeller, zu den alten Weinfässern, die allerdings nicht mehr in Benutzung sind.

Im schummerigen Kerzenlicht stellte sich Frau Muskalla vor. Sie erzählte zur Einleitung etwas über die Geschichte des Klosters und die verschiedenen Lagen der Weinberge. Rund um das Kloster wird zwar überwiegend Riesling angebaut, aber auch andere Reben wie Grau-, Weiß- oder Spätburgunder werden kultiviert.

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In der Hospitalstube

Einerseits wurde uns mit dieser informativen Einleitung der Mund wässrig gemacht, andererseits war er doch sehr trocken. Wir durften zwar einen Blick auf die gefüllten Weingläser werfen, aber niemand war so unhöflich, sich unaufgefordert zu bedienen.

Unsere Blicke müssen Bände gesprochen haben, denn unsere Gästeführerin ermutigte uns, mit ihr das erste von sechs Gläsern zu erheben. Man kredenzte Rüdesheimer Hinterhaus – einen trockenen Crescentia Riesling von 2016. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und stießen munter miteinander an.

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Ein süffiger Wein, den ich relativ flach und unspektakulär empfand. Ich konnte ihn mir gut zu einem deftigen Grillsteak in sommerlicher Hitze vorstellen. Einschenken, trinken, aber im Gedächtnis würde er mir nicht bleiben. Doch so ist das mit Wein – man kann nicht jedermanns Geschmack treffen.

Doch ich will die Weine des Klosters nicht schlecht machen, denn diese sind nicht umsonst mehrfach prämiert. Und „mein“ persönlicher Favorit kam noch.

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In vino veritas

Langsam hatten sich unsere Augen an das Schummerlicht gewöhnt und wir nahmen wieder mehr Konturen wahr. Unter Mitnahme unserer Gläser schlenderten wir gemütlich an unzähligen alten Fässern vorbei in den nächsten, deutlich helleren Raum. Dort erwarteten uns historische Weinpressen.

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Frau Muskalla erzählte uns einiges über die lössbedeckten Böden, auf denen die Weinreben gedeihen und ihren eigenen Charakter entwickeln. Von der Sonne verwöhnt zieht sich ein Teil der Weinberge durch das obere Mittelrheintal, welches von der UNESCO im Juni 2002 zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

Das rheinischen Schiefergebirge bringt feinherbe bis trockene, mineralisch angehauchte Weine mit Noten von Zitrusfrüchten oder Pfirsich hervor. Passend dazu wurde ein Kloster Eberbach Riesling trocken Reserve Benefizwein von 2015 eingeschenkt. Der mundete mir.

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Drehort in „Der Name der Rose“

Drehort Kloster Eberbach

Endlich ging es ins Kirchenschiff der Basilika. Doch, oje, so schmucklos hatte ich es mir doch nicht vorgestellt. Keine Bestuhlung, kein Pomp, kein gar nichts. Hatte ich nicht im Internet gelesen, dass hier kirchliche Trauungen stattfinden? Und die bekannten und berühmten Konzerte des Rheingau Musik Festivals?

Wir erfuhren, dass für diese Events natürlich Stühle aufgestellt werden und Dekoration die Location verschönert.

Doch wo waren die Requisiten aus dem Film „Der Name der Rose“? Gab es denn gar nichts mehr hier, das daran erinnerte?

Nochmals klärte uns unsere Gästeführerin auf, dass aktuelle nur noch ein Kerzenständer und eine Säule vom Filmdreh sichtbar sind. Nicht leicht zu finden, weil zur Zeit Bau- und Instandhaltungsarbeiten stattfinden und somit Bereiche abgesperrt waren.

Beeindruckt hat mich die Akustik, die Frau Muskalla durch eine Sprachprobe veranschaulichte. Die Bauweise ist so ausgerichtet, dass aus jedem Winkel des Gebäudes der Prediger gehört werden kann, weil sie den Ton verstärkt. Schließlich gab es im Mittelalter keine Mikrophone. Nun konnte ich mir vorstellen, wie bombastisch ein klassisches Konzert in diesen Räumen sein muss.

Ob es nun an der Akustik, an der Sentimentalität des Drehortes oder einfach an den ehrwürdigen Gemäuern lag, dass mir der Steinberger Crescentia Riesling feinherb 2016 am besten schmeckte, weiß ich nicht. Er war exzellent. Punkt.

Mit schlichter Architektur ging es weiter. Das Mönchsdormitorium – der ehemalige Schlafsaal der Mönche. Vor Jahrhunderten lagen sie dort auf Strohsäcken, Körper an Körper. Glasfenster gab es nicht. Bei kalten Temperaturen ist dies sicher sehr ungemütlich gewesen.

Frau Muskalla erzählte uns, dass man beim Filmdreh möglichst authentisch hatte sein wollen und die Schauspieler nur ihre Mönchskutten trugen. Gedreht wurde im Winterhalbjahr 1985/86. Zittern inklusive.

Die kleine, unscheinbare Tür führte im Film ins Skriptorium. In Wahrheit befindet sich dahinter der Zugang zum Glockenturm. Die Szenen des Skriptoriums wurden im Studio zugefügt.

Kloster Eberbach „E“ Riesling feinherb 2016 erwärmte uns in der historischen Mönchskammer unter den Augen des Bildnis von Martin Luther von innen. Das riesige Bild hatte Michael Apitz zum Lutherjahr gemalt.

Nachtrag: Das Bildnis Luthers wurde Ende März abgebaut und kann nun nicht mehr an diesem Ort besichtigt werden. Schade.

Inzwischen dämmerte es draußen, was dem Innenhof einen weichen Glanz verlieh. Somit konnten wir die aufgebuddelten Gräben – auch hier wird instand gesetzt – ausblenden.

Frau Rodtmann von der Stiftung Kloster Eberbach, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, ließ mich wissen, dass die Gräben ab der kommenden Woche weg sein werden und dann erstrahlt der Kreuzgang in neuem Glanz.

Endlich ging es ins Warme. Trotz Fenstern, die die Kälte draußen halten sollten, spürte man die Kälte in den alten Gemäuern langsam durch die Kleidung kriechen. Ein mit Ornamenten verzierter Raum – das Mönchsrefektorium – verzauberte alle Teilnehmer mit filigranem Prunk.

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Der Mythos der Klostergründung

Eine Legende erklärt wie Kloster Eberbach zu seinem Namen kam. Im Jahre 1136 suchte der französische Abt Bernhard von Clairvaux in Deutschland einen Ort, um ein neues Zisterzienserkloster zu gründen. Klöster wurden gerne in der Nähe von Gewässern gebaut, da Wasser eine Lebensgrundlage für die Mönche war. Geschützt sollte es allerdings auch sein, deshalb boten die Hänge des Rheintals einen idealen Platz. Doch dies allein war nicht der Grund für die Gründung von Kloster Eberbach an dieser Stelle.

Als Bernhard durch das Kisselbachtal wanderte, soll ihm angeblich ein Wildschwein vor die Füße gesprungen sein. Das kluge Tier zeichnete mit seinem Rüssel die Umrisse einer Klosteranlage in den Boden. Daraufhin entschied Bernhard demütig, dem Folge zu leisten und begann mit dem Bau.

Das Wappen des Klosters findet sich auf einem antiken Bücherschrank in eben jenem Raum wieder und zeigt ein Kloster über einem Eber über einem Bach.

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Das Wappen von Kloster Eberbach

Wein gab es natürlich auch hier – das vorletzte Glas für heute. Ein Steinberger Crescentia Riesling Kabinett fruchtig 2016. Ganz ehrlich – der war überhaupt nicht mein Geschmack. Viel zuviel Süße. Ich bin einfach kein Fan von lieblichen oder halbtrockenen Weinen.

In der Regel gilt für mich, je trockener, je lieber. Kommt wohl durch den Genuss des Weins vom Böddiger Berg, dem man nachsagt, er wäre „staub- bzw. knochentrocken“. Ein sogenannter „Dreimännerwein“.

Langsam näherten wir uns dem Ende der Schlender-Weinprobe. Leider. Denn Frau Muskalla war eine lebendige Erzählerin und untermalte ihr Fachwissen mit humorvollen Anekdoten und kleinen Geschichten.

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Zum Abschluss fand sich unsere Gruppe nochmals im Cabinetkeller ein. Bei Kerzenlicht verkosteten wir den teuersten Wein dieses Abends – Rüdesheimer Riesling Auslese aus dem Jahr 2015. Literpreis € 66.66!

Nach fast 2 kurzweiligen Stunden war die Führung zu Ende. Ich kann nur die Essenz beschreiben. Ich empfehle euch, selbst an einer Schlender- oder anderen Weinprobe teilzunehmen und euch von der Historie verzaubern zu lassen. Doch auch ohne Weinprobe ist Kloster Eberbach einen Besuch wert. Erkundet es alleine, in der Gruppe oder mit einer Führung.

Danksagung

Vielen Dank an Frau Muskalla für ihr Engagement, ihre Kompetenz und ihren lebendigen Erzählstil. Es hat sehr viel Spaß gemacht ihnen zuzuhören.

Vielen Dank an die Stiftung des Klosters Eberbach für die Genehmigung, diesen Bericht schreiben und mit meinen Aufnahmen ausschmücken zu dürfen.

Nachträglich ein „Happy Birthday“ an unseren Freund VD, der es mit zwei knipsenden Freunden ausgehalten hat. Ich hoffe, du hattest einen erinnerungswürdigen Feiertag.

Informationen

Die Schlender-Weinprobe kostet pro Person € 29,50 bzw. € 24,50 ohne Wein. Beginn ist um 18 Uhr an der Klosterkasse.

Wichtig: Warme Kleidung und festes Schuhwerk tragen. Schließlich ist man im Weinkeller!

Das Kloster bietet noch viele andere Events, wie z.B. die Kerzenführung an. Für Informationen geht ihr am besten auf die Homepage der Stiftung Kloster Eberbach.

Anfahrt und Parken

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Parkautomat, der die EC-Karte nicht akzeptieren wollte, erwarben wir unser 24 Stunden Ticket für € 4,-.

Entweder man zieht ein Kurzticket für 45 min oder das 24 Stunden Ticket. Für Hotelgäste sind auch Mehrtagestickets verfügbar. Ein 2 Stunden oder Halbtages-Ticket gibt es leider nicht.


Ich habe die Schlender-Weinprobe und das Kloster Eberbach aus eigenem Antrieb besucht. Ich bin in keiner Weise eingeladen worden. Der komplette Ausflug wurde von mir selbst geplant und finanziert.

Ich freue mich auf eure Berichte und Kommentare. Vielleicht habt ihr auch schon Weinproben besucht und möchtet davon berichten oder ihr habt bereits einen Artikel dazu veröffentlicht – hinterlasst mir gerne den Link, ich füge ihn dann an den Bericht an.

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© DieReiseEule 4/2018

6 Gedanken zu &8222;Schlender Weinprobe im Kloster Eberbach/Rheingau&8220;

  1. Das ist ein wunderbares Kloster, ich kenne es auch, die Athmosphäre ist traumhaft. Wie eine kleine Oase – und es hat so viele Gesichter, das fand ich wirklich erstaunlich. Danke für diesen Beitrag und liebe Grüße

    1. Danke für den lieben Kommentar.
      Die Atmosphäre war wirklich traumhaft schön und inspirierend.

Ich freue mich sehr über einen konstruktiven Text von dir

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