Auf den Spuren der Geschichte in Brattahlíð – Abschied von Grönland

Brattahlíð

Qassiarsuk wurde 985 von Erik dem Roten gegründet und Brattahlíð genannt. Die Landschaft erinnerte ihn angeblich an seine norwegische Heimat. Er lebt hier mit seiner Frau und seinem Gefolge auf engstem Raum. Die Überreste sind freigelegt und man kann sie heute noch kostenfrei besichtigen.

Eriks Frau Tjodhilde war sehr gläubig und schaffte es, obwohl Erik der Religion eher kritisch gegenüber stand, dass er ihr eine kleine Kapelle baute, in die sie sich zurückziehen konnte.

Diesen Nachbau kann man gegen Entrichtung einer geringen Gebühr besichtigen. Die netten Einwohner erzählen dazu noch einiges über die Geschichte.

Darüber hinaus findet man nebenan ein Wohngebäude, wie es damals gebaut und verwendet wurde. Erik und seine Frau hatten ein eigenes Zimmer. Dies lies sich nur von innen öffnen. So sollte gewährleistet werden, dass der Chef bei einem möglichen Überfall ungeschoren davon käme.

Doch Tjodhilde war schlau und sperrte ihren Gatten über Monate aus, bis dieser endlich bereit war, ihr diese Kapelle zu bauen. Frauenpower par Excellance 😀

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Eingang zu einem historischen Wohnhaus

Damals lebten Tiere und Menschen in einem Haus. Im Winter wären die Nutztiere vor Kälte sonst verendet. Die Häuser waren nur durch einen schmalen Zugang, ähnlich einem Iglutunnel zugänglich. Zum einen sollte das die Kälte draußen halten, zum anderen ging es auch hier um den Schutz vor einem Überfall, dann so konnten keine zwei Personen nebeneinander eindringen.

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Iglu gab es auch. Dies waren – darüber war ich sehr erstaunt – aus Stein gebaut. Auch hier kann ein Iglu von außen und von innen besichtigt werden. Damit man etwas sieht, ist heute ein Fenster eingebaut, das hat es aber in früheren Zeiten nicht gegeben. Muss ganz schön dunkel gewesen sein. Im Iglu lagen alle Personen – Männlein und Weiblein – nebeneinander auf einer durchgängigen Pritsche.

Ein letzter Rundgang. Ein paar letzte Fotos von den Pflanzen, den Gebäuden und dann heißt es bereits Abschied von der Gruppe nehmen, denn der Flug nach Kopenhagen steht an und der Eriksfjord muss ein letztes Mal mit dem Zodiak gequert werden.

Auch mir wird bewußt, dass es nun nicht mehr lange dauert, bis wir zum jenseitigen Ufer übersetzen, die kuscheligen, roten Polarjacken abgeben und vielleicht die Neuankömmlinge der nächsten Gruppe sehen werden.

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Seltsames Tier im Gebüsch 😀

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Abschied mit schweifenden Blick über den Fjord
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Das heutige Oberhaupt des Ortes – „Schafspriester“
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Auch der Eisberg verabschiedet uns.

Wir kontrollieren nochmal unser Gepäck. Haben wir auch nichts vergessen? Batterien im Handgepäck, Reisepass in Griffweite, warme Jacke und Mütze bereit gelegt? Es sieht so aus, als können wir uns unbesorgt auf den Heimweg machen.

Ein letzter Blick auf das Dorf, das blaue Wasserspeicherhäuschen und dann werden wir gerufen. Wir laufen zum Bootssteg, steigen ins wackelige Boot und dann startet Jay-Jay den Motor.

Abreise

Am Ufer geben wir die Polarjacken ab. Sie haben uns gute Dienste geleistet. Die Rucksäcke werden mit dem Jeep zum Flughafen gebracht, wir selbst laufen an den gelben Tonnen, die mit dicken Stahlkabeln verbunden sind und als Leitplanken dienen vorbei.

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Grönländische Leitplanke

In der Abflughalle sehen wir durch die Glasscheibe die Kopenhagen-Crew. Ihr Flieger hat Verspätung. Später stellt sich raus, dass sie eine wahre Odyssee hinter sich bringen mussten und mit viel Verspätung in der dänischen Hauptstadt landeten. Das blieb uns erspart. Unser Flugzeug war sogar überpünktlich und hob eine halbe Stunde vorher ab.

Ich beobachte und fotografiere noch ein paar Flugzeuge. Eines muss durchstarten, da der Seitenwind zu stark ist. Ich bin froh, dass ich nicht dort drin sitze. Tatsächlich entsteigen der Maschine die „Neuen“. Viel Spaß und grüßt uns Gilles.

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Sichere Landung beim zweiten Anlauf

Die beiden älteren Franzosen und wir beide setzen uns ins Blue Ice Café, von dem man einen Blick auf die Start- und Landebahn hat. Draußen hat es sich nämlich inzwischen zugezogen und der Wind frischt auf.

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Rechtzeitig versuchen wir einzuchecken, was nicht so einfach ist, da der Mitarbeiter wohl neu ist bzw. sonst nur für die Hubschrauberrundflüge zuständig ist. Wir erhalten eine sehr kreative Bordkarte und ans Gepäck wird nur ein Zettel mit einer Nummer angetackert. Wir hoffen das beste, dass es trotzdem in Reykjavik ankommt.

Andererseits sehen wir wenige Minuten später, wie es von Hand mit einem Wägelchen über die Piste zum Flugzeug gezogen wird und in reiner Handarbeit im Rumpf des Fliegers verschwindet.

Dann ist Zeit für die Passkontrolle. Nur durch einen Raum, das Handgepäck wird durchleuchtet und wir sitzen in der Abflughalle. Kurz danach dürfen nach Abgabe der Boardingcard alle einsteigen. Einmal über die Piste laufen bitte. Türen zu und Motor an. Und dann ist das Abenteuer Grönland beendet. Es geht nach Reykjavik. Der Bericht ging vor einiger Zeit online. Folgt einfach unten dem Link, wenn ihr mögt.

Innerlich vergieße ich ein paar Tränen. Ich habe mich in diese raue, schroffe Landschaft und das ewige Eis verliebt. Eisbären habe ich leider immer noch nicht gesehen. Ich muss nochmal wiederkommen. Dann etwas weiter nördlich an der Westküste bei Sisimiut oder Ilulisat.

Zum Abschied gibt es noch ein paar Bilder aus dem Flugzeug. Ist das Eis nicht wunderschön und die Natur so friedlich? Ruhe und Gelassenheit. Wir müssen dies unbedingt schützen und bewahren.

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Haben euch meine Grönland Tagebucheinträge gefallen? Wart ihr auch schon da? Habt ihr einen spannenden Bericht, den ich verlinken kann? Dann hinterlasst mir doch einen Kommentar.

Ich hoffe, ich konnte euer Interesse an der Arktis wecken. Alle Artikel nochmal in chronologischer Reihenfolge.

© DieReiseEule 1/2018

 

 

 

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7 Kommentare zu „Auf den Spuren der Geschichte in Brattahlíð – Abschied von Grönland

  1. och, wie schade, schon vorbei. Das Igluhaus ist ja klasse, deine Geschichte zur Frauenpower auch. Deine Aufnahmen erinnern mich an meinen Grönlandaufenthalt, ich hatte genau solche Stimmungen im Außen und Innen. Es ist ein ganz besonderes Geschenk, dorthin reisen zu dürfen. Danke, dass du uns mitgenommen hast.

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