Das Tal der Karibus und der Blick auf das Inlandeis

Aufstieg zum See Tasersuatsiaq

Nach einer sehr kühlen Nacht (10 auf 11.8.) geht es zum Frühstück und zur Lagebesprechung. Wir starten einen Tagesmarsch durch ein Seitental. Der sandige Boden kostet etwas Energie. Dafür blüht es rechts und links des Wegesrandes. Ich frage mich, wie die Blumen hier an Wasser kommen…

Wir wandern durch eine tiefe Schlucht. Kaum können wir über den Rand schauen, sehen wir eine Herde Karibus (Rentiere). Das Bild, das sich mir bietet, erinnert mich sofort an Santa Claus, nur das Santa und der Schlitten fehlen.

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Interessiert werden wir von den eleganten Tieren gemustert. Als wir uns in Bewegung setzen, setzen auch sie ihren Weg fort. Vorbei am See Tasersuatsiaq, über die Berge, sich immer wieder umschauend.

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Im kalten Wasser des glasklaren Bergsees bade ich meine Füße. Ich kann nicht anders. Jedesmal, wenn ich am Meer oder an einem See bin, habe ich den Drang, die Kälte und die Nässe zu spüren. Es erdet mich. Es zeigt mir, wie stark die Elemente sind.

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Wir wandern mitten durch die wilden Heidelbeeren, die hier überall wachsen und von niemandem geerntet werden. Sie sind kleiner als die uns bekannten Blaubeeren, dafür verströmen sie einen milden, fruchtigen Duft nach sanfter Körperlotion. Sehr angenehm.

Wir laufen an idyllischen Bergteichen vorbei und erhaschen endlich einen ersten Blick auf den ganzen, fulminanten Gletscher. Da bleibt einem der Frosch im Halse stecken. Heidewitzka!

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Die Luft ist kühl und klar. Ruhe umhüllt uns. Nur das Kalben des Gletschers unterbricht gelegentlich die Stille.

Noch haben wir den anvisierten Gipfel nicht erreicht. Teilweise ist der Weg sehr steinig und abenteuerlich. Meist sieht man erst nach dem Klettern, dass man auch hätte bequem außen herum gehen können. Unser Guide Gilles reicht uns gerne eine helfende Hand.

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Auf dem Plateau angekommen pausieren wir, packen unseren Lunch aus und gönnen uns entweder Tee, Kaffee oder auch eine schnelle Tütensuppe. Nervennahrung und Motivationshilfe gibt es wie immer in Form von Studentenfutter und einem Schokoriegel.

Es ist Zeit, die Aussicht auf das eisige Panorama zu fokussieren. Ehrfurcht macht sich breit. Was die Natur hier geschaffen hat, ist unglaublich.

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Leider ist es genauso unglaublich, dass wir Menschen durch unseren oftmals sorglosen Umgang mit Abgasen, Schadstoffausstoß usw selbst die Schönheit zerstören. Gilles erzählt uns – und ein paar Tage später sehen wir es auf Fotos im Hostel – das dieser Gletscher bis vor 4 Jahren noch durchgängig den Fjord ausgefüllt hat. Inzwischen sind es drei Gletscherzungen, die durch den darunter liegenden Fels getrennt sind.

Ich selbst nehme mich davon auch nicht aus, etwas zur Zerstörung beizutragen. Aber ich versuche nun noch häufiger das Auto stehen zu lassen. Wäre da nicht der innere Schweinehund, der mir bisweilen einen Strich durch die guten Vorsätze macht, könnte ich noch mehr zum Umweltschutz beitragen. Notiere: Vorsatz für 2018.

Wäre schade und fatal, wenn diese Gletscher oder das Inlandeis eines Tages ganz geschmolzen sind. Das darf nicht passieren. Es geht uns alle an.

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Als ich nach rechts schaue, erkenne ich den langgestreckten Fjord, durch den wir per Zodiak angereist sind. Hier tummeln sich Eisberge, die wie kleine Wattebällchen ausschauen, in der Realität aber viel größer und höher sind, als man vermutet.

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Ein weiters Mal fasziniert mich das türkisblau des ewigen Eises. Morgen werden wir ganz nah mit dem Boot an den Gletscher heran fahren und anschließend eine Tour auf das Inlandeis unternehmen. Ich freue mich jetzt schon darauf.

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Es geht an den Abstieg. „Wollen wir den gleichen Weg zurück oder habt ihr Lust auf einen anderen Abstieg und wir versuchen einen Weg runter zum Strand zu finden?“, fragt uns Gilles. Unsere abenteuerlustige Truppe entscheidet sich für letzteres Angebot.

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Zeitweilig bereuen wir diese Entscheidung, denn wir wandern und rutschen über Felsen und loses Geröll. Steil und steinig. Und mal wieder nicht unbedingt ungefährlich. Dafür mit weiteren spektakulären Panoramen. Unsere Schutzengel sind uns hold und wir kommen alle nach einem kräftezehrenden Abstieg unbeschadet am Sandstrand an.

Es herrscht glücklicherweise Ebbe. Die Flut hat Eisberge an den Strand gespült. Von der Ferne wirken diese maximal so hoch wie ein Rucksack. Je näher man ihnen kommt, desto größer werden sie. In Wahrheit sind sie mannshoch und höher.

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DieReiseEule und Hasimausischatzibär haben Platz genommen und sich den Bobbes (hessisch für das Gesäß) verfroren. Es hat keine bleibenden Schäden hinterlassen 😀

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Haben die beiden nicht einen fantastischen Hintergrund?

Das Eis enthält jede Menge eingeschlossene Luftbläschen. Gegen das Licht gehalten, kann man fast durchsehen. Es knistert und knackt. Leider sind es vergängliche Kunstwerke.

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Das Meer und der Gletscher hat ganze Arbeit geleistet und runde bzw. eiförmige Kiesel mit perfekter, glatter Oberfläche geschaffen. Kleinode der Natur. Sie liegen die meiste Zeit unbeachtet herum.

Es ist später Nachmittag. Endlich sind wir zurück im Camp. Jetzt kurz Füße ausruhen, dann im Fluss Körperpflege betreiben, dann zusammen das Abendessen vorbereiten, speisen und danach hoffen, dass der Himmel für morgen aufklart, damit wir eine eindrucksvolle Tour auf das Inlandeis unternehmen können.

Ob das Wetter uns hold war oder die Sinne vernebelt hat, das erfahrt ihr im nächsten Grönlandartikel.

Mögt ihr die Fotos? Gefällt euch der Bericht? Wart ihr sogar selbst schon mal in Grönland oder habt andere Eiserlebnisse in Arktis oder Antarktis hinter euch? Dann schreibt mir einen Kommentar. Ich freue mich.

© DieReiseEule 11/2017

 

14 Kommentare zu „Das Tal der Karibus und der Blick auf das Inlandeis

  1. Mir gefallen deine Fotos und deine Reiseberichte sehr! Ich war 1983 in Grönland und habe gerade deine Bilder von Narsarsuaq angeschaut. Das hat ja richtig Infrastruktur bekommen! Damals war da nur ein Flughafen und sonst nix 😉
    LG
    Sabienes

    Gefällt 1 Person

  2. Tolle Aufnahmen – da habe sogar ich – die eigentlich nur in warme Gebiete reist, weil mir eh schon immer kalt ist – Lust, die Tour zu machen.
    Du schreibst von einem Camp – habt ihr gezeltet?

    Liebe Grüße
    Magdalena

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Magdalena,
      die Tour kann ich trotz aller Anstrengungen einfach nur empfehlen. Einzigartig.
      Wir haben hier in Kuppelzelten übernachtet. Die kannst du im vorherigen Artikel sehen.

      Herzliche Grüße
      Liane/DieReiseEule

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