London – Ein Kurztrip mit Teenie (1)

Die Anreise – nicht ohne Hindernisse

Ich habe Patenkinder. Drei Stück an der Zahl. Zwei wohnen in meiner Nähe, eines in Berlin. Dadurch sehen wir uns nur selten. T. bekommt zum Geburtstag oder zu Weihnachten eine Karte, evtl. auch mal ein kleines Päckchen. Wenn ich sie frage, was sie sich wünscht, kommt meist ein „Ich habe alles. Ich weiß nicht.“, was gelegentlich zur Folge hatte, dass sie entsprechend eben jenes NICHTS bekam.

Bescheidenheit ist eine Zier, macht es mir als Patin aber nicht leicht, ihr eine Freude zu bereiten. Inzwischen ist T. im Teeniealter. Sie träumt von Reisen, Shopping usw. Das kam mir sehr gelegen, denn endlich konnte ich ihr etwas schenken, von dem ich sicher war, es würde ihr Freude bereiten: ein gemeinsamer Wochenendtrip in eine Modemetropole.

Als ich ihr dies letztes Jahr zum Geburtstag und Weihnachten – liegen nah beieinander – schenkte, war die Freude groß. Noch nie war sie geflogen.

Die Anreise meinerseits gestaltete sich so, dass ich zuerst von Frankfurt nach Berlin musste, um sie abzuholen. Dies verband ich mit dem Ausflug auf die IGA Berlin 2017. Wir hatten uns für das letzte Berliner Sommerferienwochenende verabredet.

IGA Berlin (145)
Platz nehmen und der Geschichte lauschen

Ich reiste per Flugzeug an. Die Bahn wäre mir lieber gewesen, aber leider fahren die Bahnen nicht wirklich kompatibel mit meinen Arbeitszeiten und nachts um 3 Uhr möchte ich meine Freunde auch nicht aus dem Bett jagen, um mich an einem abgelegenen Bahnhof abzuholen.

Wegen meiner Flugangst buche ich keine Billigflieger, was mich im ersten Moment froh machte, da gerade dieser Tage die Pleite von Air Berlin bekannt gegeben worden war und mehrere Flüge abgesagt wurden. Lufthansa – da läuft’s, dachte ich. Aber Berlin-Tegel ist nicht Frankfurt Rhein-Main. Obwohl man das von einer Hauptstadt erwarten könnte. Schon beim letzten Flug nach Tegel war ich wenig begeistert vom Airport. Doch man soll ja bekanntlich jedem eine zweite Chance geben, auch dem Flughafen.

Der Abflug verspätete sich, da die Maschine verspätet aus Berlin ankam. Mit ca 30 min Verspätung hoben wir ab. Unterwegs konnte der Pilot glückliche Winde nutzen und Zeit aufholen. Dafür durften wir aber noch Schleifchen über Berlin kreisen. Dann endlich Landung. Etwas seltsam, fuhren wir gefühlt eher vom Terminal weg, was ich durch das abendliche Fenster beobachten konnte. Außenposition. Naja, gibt es halt ab und an. Kein Ding. Wie üblich standen viele sofort auf, nachdem die Motoren abgestellt waren. Wir warteten. Und warteten. Und warteten….

Nach einigen Minuten kam die Durchsage, dass wir auf die fahrbaren Treppen warten müssten, dafür könnten wir dann aber vorne und hinten aussteigen. Wir warteten. Und warteten. Und…..

Inzwischen waren wir schon 10 Minuten im Stillstand. Durchsage 2: „In Tegel ist es leider nicht erlaubt, auf einer Vorfeldposition hinten auszusteigen. Die Türen werden nun im vorderen Bereich geöffnet und dort stehen Busse für sie bereit, die sie ans Terminal bringen werden.“

Was kam? Wir warteten, und warteten, und warteten. 20 Minuten nach Stillstand des Flugzeugs auf dem Vorfeld gingen endlich die Türen auf. Sowas habe ich noch nie erlebt. Jeder wollte nur noch raus. Die Pampigkeit der Busfahrer, die nölten, dass man sich bitte sardinendoseneng in die Gefährte quetschen solle, kam als i-Tüpfelchen obendrauf.

Ich war froh, als ich endlich in der Ankunftshalle meine Freunde in die Arme schließen konnten, die schon drauf und dran waren, eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Natürlich hatten sie den Flug verfolgt und viel früher mit mir gerechnet, zumal ich nicht mal auf Gepäck warten musste, da ich nur mit Handgepäck angereist war.

So weit, so gut. Mein Besuch auf der IGA entschädigte mich und mein Laun-o-meter stieg am Donnerstag wieder auf ein hohes Level.

Freitags ging es wieder nach Berlin-Tegel. Diesmal mitten durch die verkehrskollabierende und baustellenübersäte Stadt. Kurz hatte ich die Befürchtung, die Maschine würde ohne uns starten. Doch dann waren wir doch noch rechtzeitig am Flughafen. Einchecken mussten wir nicht, da ich das per App erledigt hatte und wir ebenfalls nur mit Handgepäck unterwegs waren.

T. kaufte sich eine vergoldete 500 ml Flasche Wasser für € 3,75! Es ging fast pünktlich los und wir stiegen in die Maschine von British Airways ein. Neu war mir, dass bei einer so renommierten Airline nun auch extrem gespart wird. Es gab nicht mal mehr ein Wasser, einen Kaffee oder Tee umsonst serviert. Über London-Heathrow kreisten wir etliche Male. Rechtskurve, Linkskurve, Schleifchen…

Doch dann lief alles glatt. Mit dem bilingualen „Muttizettel“ war die Einreise kein Problem. Wir versorgten uns mit Bargeld aus dem Automaten, luden unsere Oystercards auf (kleinere Probleme wurden dank Hilfe schnell beseitigt) und dann ging es mit der Tube zum King’s Cross.

Freitags in London

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Wir bezogen unser lauschiges Doppelbettzimmer mit angrenzendem Duschbad in der obersten Ebene des „The Excelsior“. Köfferchen rein, Rucksack auf und los in die Stadt. Wir beschlossen, den Buckingham Palace als Ausgangspunkt für unseren Stadtspaziergang anzupeilen, was wir per Tube taten.

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Buckingham Palace

Die Straßen rund um den Palast waren teilweise abgesperrt, was wohl daran lag, dass sich am Vortag der 25te Todestag Lady Dianas gejährt hatte.

Durch den St. James Park führte uns der Weg Richtung Themse. Besonders putzig sind die dort ansässigen Squirrels. Da sie dort ein wohlgenährtes Leben führen können – wie die Tauben, Enten, Gänse – sind sie entsprechend zutraulich, obwohl die Hinweisschilder darum bitten, diese Tiere nicht zu füttern.

Der Park wird von den Londonern intensiv genutzt. Ein Cafe gewährt einen Blick auf das Wasser und den Springbrunnen. Klappstühle laden zum Verweilen ein. Ein perfekter Pausenplatz in einer sonst eher vollen und hektischen Großstadt.

Als nächstes durchquerten wir das Gelände der Horse Guards. Wachablösung war nicht, aber immerhin standen zwei Pferde mit ihren Besitzern am Portal und ließen die Fragen und die Ablichtungen geduldig und ohne eine Miene zu verziehen, über sich ergehen.

Und dann waren wir endlich am Themseufer. Konnte man ja auch nicht wirklich verpassen, da man das Riesenrad schon von weit her sehen konnte und das steht bekanntlich am Flussufer.

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Wir besorgten uns Tickets für das Millennium Wheel. Allerdings erst für abends. Wir wollten den Sonnenuntergang nutzen. T. und ich schlenderten weiter durch die Stadt. The Shard nahmen wir als Ziel ins Auge. Ohne Stadtplan, immer nur das Auge auf die Spitze gerichtet, wandelten wir durch Seitengassen, in die sich außer uns keine anderen Touristen verirrten. Es ging über einen Campus und dann ragte der Turm vor uns auf.

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Versteckt zwischen Häuserfronten – The Shard (Die Scherbe)

In Anbetracht des Eintrittspreises von £ 25,95/19,95 verzichteten wir darauf, auch wenn die Aussicht spektakulär sein soll.

Zurück ging es von der Waterloo Station in die Stadtmitte, Haltestelle Leicester Square. Inzwischen wurde das Wochenende eingeläutet. Die Straßen füllten sich. Vor den Pubs standen Menschentrauben mit Feierabendbierchen in der Hand.

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Und dann waren wir auf der Kö‘ von London: der Regent Street. Hier reihen sich die Designershops nahtlos aneinander. Jede bekannte und große Marke, die etwas auf sich hält, hat dort einen Laden. Ein Shoppingparadies. Sofern man gerne shoppt.

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Die Regent Street

Den Shoppingtrip verschoben wir aber auf den Folgetag, da wir noch etwas essen wollten und rechtzeitig am London Eye sein wollten. Folglich liefen wir zurück zum Ufer der Themse, entlang der historischen Gebäude.

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London Eye – Millennium Wheel

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Mit Absicht ein etwas anderer Blick aufs London Eye

Das Riesenrad war zwar auch nicht gerade billig – so wie London insgesamt kein Billigreiseziel ist – aber das wollten wir auf jeden Fall fahren. Zumal ich mir den Vergleich mit dem Singapore Flyer nicht entgehen lassen wollte.

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Die Sonne ging langsam unter, der Himmel färbte sich leicht orange-rot-gelb und dann gingen die Lichter an und sorgten für eine ganz besondere Stimmung. Ohne Stativ sind die Fotos leider nicht klar geworden, was ich aber teilweise gar nicht schlimm finde, da sie eine eigene Stimmung erzeugen. Urteilt selbst.

Tickets kann man vor Ort oder vorab im Internet buchen. Man sollte aber auf jeden Fall überpünktlich da sein, sonst kann es zu Problemen beim Einlass kommen. Online gebuchte Tickets sind 10% günstiger.

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Der Blick über die beleuchtete Stadt ist einzigartig. Von oben sehen selbst die Baukräne interessant aus. Eine Runde im Millennium Wheel dauert ca 20 min. Wer sich nicht in die lange Warteschlange einreihen will, kann ein Priority Ticket gegen Aufpreis buchen.

Lange warten mussten wir am Abend allerdings auch nicht. Tagsüber sind die Warteschlangen deutlich länger. Beim Einlass werden auch die mitgebrachten Rucksäcke und Taschen kontrolliert.

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Blick auf the Parliament mit dem Turm, in dem die berühmte Big Ben Glocke hängt
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Das ist Kunst und kann daher nicht weg 😀

Da der Bericht wieder mal länger geworden ist, wie gedacht, mache ich hier einen Cut und schreibe über unseren zweiten Tag in London einen weiteren Bericht.

Wie hat es euch in London gefallen? Was sagt ihr zu meinen „kunstvollen“ Fotos? Habt ihr noch Fragen oder Anregungen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

© DieReiseEule 9/2017

 

 

5 Kommentare zu „London – Ein Kurztrip mit Teenie (1)

  1. Vielen Dank für den schönen Bericht. Ich habe im November einen Teenie Trip (allerdings männliches Exemplar) nach London geplant und finde deine Tipps super. Werde dann berichten 😉
    Liebe Grüße, Christina

  2. Toller Bericht und mir gefallen deine Fotos sehr, sehr gut. So eine Patentante ist doch ein Glücksfall für „Teenies“ oder? Richtig toll von dir. Ich war noch nie in London, obwohl ich das schon andauernd plane, aber vielleicht schaffe ich es noch mal „in diesem Leben“ 😉 Obwohl, mir sind wohl andere Ziele wichtiger, sonst wäre ich ja wohl schon dort gewesen.
    Liebe Grüße, Sigrid

    1. London ist ein historisch-schönes Reiseziel. Ich hätte mir gerne noch mehr angeschaut, aber man muss für Jeden etwas unternehmen.
      Ich komme aber sicher nochmal wieder.
      Nur das Gewusel der Menschenmengen war mir teilweise zu viel. Da lobe ich mir dann so niedliche Städte wie Reykjavik.

Ich freue mich über einen netten Kommentar

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