Von der Schwierigkeit, beim RMV eine Wochenkarte zu erwerben

Heute beginnt der #Hessentag in Rüsselsheim am Main – das jährliche Landesfest der Hessen – das immer in einer anderen Stadt stattfindet. Wer mir auf Facebook folgt, hat schon mitbekommen, dass ich dort als ehrenamtliche Helferin eingesetzt bin.

Um zu meinen Einsätzen zu gelangen, ist es am geschicktesten den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, denn natürlich ist Rüsselsheim im Ausnahmezustand. Die gesamte Innenstadt um das Opelwerk und den Marktplatz ist abgesperrt. Es gibt nur wenige Großparkplätze (Tagesgebühr € 8,-) und die liegen entsprechend weit entfernt. Nicht zu allen Zeiten fahren die Shuttlebusse.

Dafür ist der Bahnhof mitten in der Stadt und von mir aus habe ich eine perfekte, durchgehende S-Bahnverbindung. Was liegt also näher, als sich eine Wochenkarte zu besorgen?

Vorgestern, gehe ich in Rüsselsheim zum Kundencenter der Stadtwerke, um eine solche zu erwerben. Vorab habe ich mich auf der Homepage des RMV (Rhein-Main-Verkehrsverbund) informiert und festgestellt, dass man eine Wochenkarte – anders als Tageskarte oder Einzelfahrschein – leider nicht als Handyticket erwerben kann. Man braucht so eine Plastikkarte, die dann aktiviert wird und mit der man die Wochenkarte am Automat oder per Handy und NFC dann laden kann.

Soweit der theoretische Plan. Im Kundencenter erwartete mich ein freundlicher Helfer.

„Guten Tag. Ich brauche ab Sonntag eine Wochenkarte. Können sie mir helfen?“

„Wohin möchten sie damit fahren?“

„Von Wiesbaden bzw. Mainz nach Rüsselsheim und zurück.“

„Das geht nicht. Da müssen sie in die Mobilitätszentrale nach Wiesbaden bzw. nach Mainz.“

„??? Wieso? Es ist doch eine Wochenkarte. Wenn ich die habe, kann ich doch hin und zurück fahren. Ist doch egal, wo ich die erwerbe.“

„Nein. Ich kann die ihnen nur von hier aus ausstellen. Wenn sie in Mainz wohnen, müssen sie die auch dort erwerben.“

„Verstehe ich nicht. Ich kann die doch auch an jedem E-Ticket-Automaten aufladen. Und es ist doch eine Wochenkarte. Da kann ich doch auf der Strecke soviel hin und her fahren wie ich will. Ist doch egal, wo die aufgeladen wurde.“

Wir diskutierten sicher 5 Minuten, aber es war nicht möglich eine Wochenkarte zu erwerben, weil ich nicht in Rüsselsheim wohne und ja die erste Strecke andersrum fahren will. Sorry lieber, freundlicher Mitarbeiter, aber ich habe es bis jetzt nicht kapiert, warum das nicht geht.

Jedenfalls einigten wir uns darauf, dass er mir immerhin diese Plastikkarte geben und aktivieren kann, damit ich mir die Wochenkarte selbst am Automat laden kann.

Wochenkarte1
Plastikschrott. Unbrauchbar, weil unladbar.

Das habe ich dann per Handy versucht. Die Karte wurde auch vom System erkannt, aber Aufladen war dennoch nicht möglich. Ich versuchte verschiedene Einstellungen aus, musste aber aufgeben.

Gestern dann zog ich los zum ortsansässigen Bahnhof mit E-Ticket-Automat. Ich folgte dem Menu, welches gut beschrieben war. Karte aufgelegt, wurde erkannt. Strecke eingegeben, Wunschdatum, ab wo sie gültig sein soll eingegeben, Geldschein in den Schlitz gesteckt und….

Bitte passend zahlen!

Witz lass nach. Klar habe ich 39,40 Euro in klein dabei. Also spuckte der Apparat meinen Schein wieder aus. Alles von vorne. Man kann ja auch mit EC-Karte zahlen. Wieder warten, eingeben, EC-Karte, PIN.

EC-Karte nicht lesbar!

Aufgeben ist nicht. Es gibt ja noch einen zweiten Automat. Ich stelle mich hinten an, denn natürlich wollen noch andere Menschen Fahrkarten erwerben. Endlich bin ich dran. Gleiches Spiel von vorne. Der Automat akzeptiert auch 50 Euro Scheine. Wunderbar.

Die Karte kann nicht geladen werden.

Was zum Teufel….! Geldschein wird wieder ausgegeben. Noch ein Versuch mit EC-Kartenzahlung.

Die Karte kann nicht geladen werden. Es wurde kein Geld von ihrer EC-Karte abgebucht. Bitte entnehmen sie beide Karten.

Gedanklich entweicht mir das schlimme Wort mit F am Anfang. Na gut, ich muss sowieso noch nach Mainz. Fahr ich halt zum Mobilitätszentrum. Die werden ja wohl Ahnung haben und das ohne Probleme auf die Reihe kriegen.

Mainz. Mobilitätszentrale.

„Guten Tag. Ich habe hier eine Plastikkarte die ich gerne mit einer Wochenkarte aufladen möchte. Leider ging das am Automat nicht und in Rüsselsheim sagte man mir, ich müsse die hier aufladen lassen.“

„Nein. das können wir hier nicht. Dazu haben wir nicht die Voraussetzungen. Die hätten sie aber doch in Rüsselsheim gleich laden lassen können.“

Ich fühle mich wie bei der versteckten Kamera. Meine Mundwinkel bewegen sich merkelmäßig der Schwerkraft folgend Richtung Erdkern.

Immobilitätszentrale trifft es wohl eher, oder wie? Ich glaube langsam, der RMV will gar keine Wochenkarten verkaufen, weil man mit Tageskarten oder Einzelfahrscheinen mehr Geld verdient. Oder wie ist das? Im Zeitalter von Internet, Vernetzung, Handytickets usw muss es doch möglich sein, den Erwerb eines Tickets kundenfreundlich und einfach zu gestalten. Aber ich habe wohl zu hohe Ansprüche. Ist mir schleierhaft, warum ich einen Tages- oder Einzelfahrschein mit einem Klick aufs Handy laden kann, eine Wochenkarte aber nicht.

„Und wie komme ich jetzt an eine Wochenkarte?“

„Ich kann ihnen die nur als Papierfahrschein ausstellen. So wie früher. Die Plastikkarte können sie sonst in Wiesbaden im Luisenforum in der Mobilitätszentrale (ich kotze gleich, wenn ich das Wort nochmal höre) aufladen lassen.“

Und ich dachte, Mainz wäre eine Großstadt. Ist wohl aber doch nur ein Dorf. Ich entscheide mich, die Papierkarte zu erwerben. Hauptsache ich halte endlich die Wochenkarte in meinen Händen. Es dauert keine 2 Minuten und ich halte dieses Prachtstück in meinen Händen.

Wochenkarte (1)
Meine Wochenkarte. Was lange währt, wird endlich gut.

Lieber RMV. Warum nicht gleich so? Ich frage mich, was arme, ausländische Touristen machen, wenn sie im RMV-Gebiet unterwegs sind und einen Fahrschein erwerben wollen. Muss es so kompliziert sein?

Ich lobe mir da die Sammelkarten, die es für den Bereich 6500 Wiesbaden/Mainz gibt und die ich sonst nutze. Die kann ich problemlos am Automat erwerben. Genauso problemlos kann ich, was selten vorkommt, eine Fahrkarte nach Frankfurt per Handyticket kaufen. Warum geht das denn nicht mit einer Wochenkarte? Da ist Nachbesserungsbedarf.

Wochenkarte (2)
Sammelkarten

Welche Erlebnisse hattet ihr beim Fahrkartenkauf? Ist es in eurer Region einfach und problemlos möglich, den gewünschten Fahrschein zu erwerben? Oder braucht ihr ein Studium, um nicht als Schwarzfahrer ertappt zu werden, weil wieder mal alles so kompliziert war? Hinterlasst mir doch eure Geschichte als Kommentar.

© DieReiseEule 6/2017

5 Kommentare zu „Von der Schwierigkeit, beim RMV eine Wochenkarte zu erwerben

  1. In Frankfurt bekommt man ohne die Plastikkarte (30 Minuten! habe ich dafür angestanden) gar keine Wochenkarte, auf Papier gibt es die nicht vom Automaten. Das ist zwar akzeptabel, wenn man da wohnt, ist aber eben noch eine Plastikkarte im Geldbeutel, und für Besucher ist es sehr lästig.
    Und die Mainzer Sammelkarten vermisse ich in Frankfurt SO sehr. Falls hier jemand von der VGF mitliest: es nervt einfach nur, vor jeder Fahrt eine dann sofort entwertete Einzelkarte kaufen zu müssen, am besten noch, während hinter einem gerade die U-Bahn wegfährt und man mit dem semi-funktionierenden Hauraufbildschirm vom Automaten kämpft. In Mainz hatte ich immer einen Sammelkartenvorrat daheim und musste nicht noch extra Zeit einplanen, um den Automaten zu becircen. *seufz*

    1. Die Papierkarte gibt es auch hier nicht am Automaten. Nur die Plastikkarte kann angeblich aufgeladen werden (oder eben auch nicht).
      Die Sammelkarten sind echt super. Bin froh, dass ich die sonst nutzen kann.

      Ich hoffe auch darauf, dass Verantwortliche vom RMV hier mitlesen und sich die gut gemeinte Kritik zu Herzen nehmen.

  2. Liebe ReiseEule,

    ich kann dich beruhigen, es liegt nicht an Dir, sondern am RMV.
    Die Internetseite ist furchtbar, die Mitarbeiter vor Ort sind uninformiert (oder nicht willig) und zu Schulzeiten klappte nicht mal die zentrale Ausgabe von Jahreskarten über die Schule…
    Das man mit Wochenkarten kein Geld verdient ist ein interessanter Punkt. So hab ichs noch nie gesehen… Deine Beschreibung klingt wirklich ein bisschen nach versteckter Kamera. Konntest du denn die Plastikkarte wenigstens problemlos zurückgeben?
    Viele Grüße und ein gutes Durchhaltevermögen in Bezug auf den ÖPNV sendet
    Jennifer

    1. Immerhin waren die Mitarbeiter freundlich. Vor Ort und auch am Telefon (das hatte ich nämlich zwischendurch auch noch probiert), aber Ahnung ist bei 0 bis max 1 angesiedelt. Sehr schade.

      Die Plastikkarte liegt noch nutzlos hier rum. Vielleicht kann man sie ja in 10 Jahren irgendwann aktivieren 😉

    2. Gib sie lieber zurück!
      In 10 Jahren wissen die nichts mehr von Plastikkarten, weil es den Handyfahrschein gibt 😀

Ich freue mich über einen netten Kommentar

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