Wandern in Wanaka

Wanaka kennen die meisten Neuseelandreisenden eher als „das kleine Queenstown“. Hier gibt es jede Menge Adventureangebote. Vom Jetboot fahren bis zum Fallschirmsprung ist alles dabei. Allerdings brauche ich den animierten Kick nicht und ziehe die umgebende Natur vor, die ebenfalls genug Abenteuer und Adrenalinschübe bereit hält.

Mount Iron

Ich bezog mein B&B-Zimmer und wurde direkt von den beiden sympathischen Engländerinnen Caroline und Suzie begrüßt und nach meinen Plänen befragt. Da es schon nachmittag war empfahlen sie mir, den Hausberg Wanakas – Mount Iron – als ersten Anlauf- und Übersichtspunkt zu besteigen. Von der Unterkunft aus lief ich ca 20 min bis zum Fuße des Berges. Dort traf ich auf einige Jogger, denn der Berg – obwohl teilweise recht steil – dient hier vielen als Übungsstrecke.

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Blick auf Wanaka vom Mt. Iron aus

Für den gesamten Weg brauchte ich etwa zwei Stunden. Man kann aber auch einen der Parkplätze nutzen, dann braucht man für Auf- und Abstieg nur die Hälfte der Zeit.

Rocky Hill – Lake Diamond Loop

Der nächste Tag. Caroline empfahl mir den Circuit um den Lake Diamond zu laufen. Diesen Weg hatte ich mir auch schon in meinem Rother Wanderführer Neuseeland angestrichen. Mit dem Auto fuhr ich etwa 20 min in Richtung Mount Aspiring Nationalpark. Ein breiter, steiler Weg führte mich bei Nieselregen zuerst zum Lake Diamond, den man einmal umrunden kann. Allerdings ist dieser wenig spektakulär.

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Aufstieg zum Rocky Hill

Der Pfad wurde zunehmend schmaler, steiler und steiniger und führte durch Wald und an Felswänden vorbei. Festes Schuhwerk ist von Vorteil. Nach einer Weile endet der Wald und ich lief über grüne Wiesen zum Wanaka Viewpoint, wo ich einen Bilderbuchblick auf Wanaka und den gleichnamigen See hatte. Im Licht sah die Wasseroberfläche fast wie Eis aus.

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Doch dies war nur die Zwischenstation auf dem Weg zum Gipfel. Man kann den Weg wie eine 8 laufen. Da ich an der ersten Gabelung nach rechts gelaufen war, lief ich nun den linken Weg. Das lag auch daran, dass ich ein anderes Paar rechts laufen sah, die sich die engen Serpentinen hochquälten und ich beschloss, den etwas bequemer aussehenden Aufstieg zu nehmen. Das erwies sich dann auch als richtig, denn ich traf das Paar auf dem Gipfel wieder und sie rieten mir ab, den Weg zu nehmen, da er ziemlich hohe Stufen beinhaltete (kein Problem, wenn man 190 cm groß ist, aber als laufender Meter immer anstrengend) und durch den Regen der letzten Tage zudem noch matschig und rutschig sei.

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Der Gipfel des Rocky Hill

Also ging ich bis zur Gabelung den gleichen Weg zurück, nahm dann aber im unteren Abschnitt den rechten Pfad. Auch dieser erwies sich als ziemlich rutschig, steil und mit großen Stufen gesegnet. Nach etwa drei Stunden hatte ich den Rundweg geschafft und war wieder am Parkplatz.

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Matukituki-River Delta

Roys Peak

Unweit des Rocky Hill Lake Diamond Circuit befindet sich der nächste Berg, den ich mir zur Eroberung auserwählt hatte. Meine Gastgeberinnen hatten mich gewarnt, der Weg sei steil und langweilig, das Panorama aber überwältigend. Etwa 1300 Höhenmeter seien zu bewältigen. Ein Ganztagesausflug.

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Der Aufstieg zum Roys Peak mit Blick auf den Rocky Hill

Ich starte am Morgen bei Nieselregen zum Parkplatz auf 277 m. Wie immer, war ich vorbereitet und hatte nicht nur meine Kamera dabei, sondern sicherheitshalber auch genug Wasser, Müsliriegel, eine Regenjacke, Mütze und Handschuhe. Auf einem sehr breiten Serpentinenweg ging es steil bergauf. Ich startete langsam und gleichmäßig und kam gut voran.

Die Sonne kam raus. Unzählige Schafe säumten den Weg und liefen blökend durch die Gegend. Alle paar Höhenmeter änderte sich die Landschaft und das Panorama. Langweilig? Nein, das kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil.

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Mit jedem Höhenmeter wurde es merklich kühler. Auch der Nieselregen setzte irgendwann wieder ein. Einige Wanderer kamen mir zitternd entgegen. Kurze Hosen waren keine gute Lösung.

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Viele gaben nach 2/3 der Strecke auf und verzichteten auf den Gipfel. Der „kleine“ Gipfel – ein beliebter Fotopunkt – bot bereits hervorragende Ausblicke über den Lake Wanaka bis zum Lake Hawea.

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Doch nun war ich schon drei Stunden unterwegs und mein Ehrgeiz sagte mir, dass ich diesmal nicht vor dem Gipfel aufgeben wollte. Ich traf einen Polen, der mir erzählte, dass auf der Rückseite des Berges Schnee läge und es ziemlich kalt sei. Zum Glück hatte ich ja die Handschuhe und eine Mütze dabei. Doch es zog sich immer mehr zu und ich beeilte mich, so gut das bei einem solchen Aufstieg eben geht.

Und dann fing es leicht an zu schneerieseln. Spannende Wolkenformationen zogen durch die Höhe und trübten den Blick ein.

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Auf 1578 m hatte ich es geschafft und nach vier Stunden den Roys Peak erreicht. Doch ich sah eine weitere Wolkenfront auf mich zukommen und nur 5 min später stand ich im dichten Schneefall. Ein kleiner Käfer krabbelte in Richtung meines Rucksacks und wollte der Kälte gerne entfliehen und mitgenommen werden.

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Deshalb machte ich mich zügig wieder auf den Rückweg. Dieser war längst nicht so anstrengend und je weiter ich Richtung Tal kam, desto besser wurde das Wetter.

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Nach sechs Stunden Wanderung war ich zurück und gab noch einen Obolus in die Donationbox, da der Weg über Privatgelände geht.

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Am nächsten Morgen zeigten mir Caroline und Suzie den zugeschneiten Gipfel des Roys Peak. In der Nacht musste es noch mächtig geschneit haben, denn ich sah eine kleine „Sahnehaube“.

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Apropos Unterkunft. Das Criffel Peak B&B strahlte dank Caroline und Suzie eine familiäre Wohlfühlatmosphäre aus. Die beiden gaben sich alle erdenkliche Mühe, dass sich die Gäste wohl fühlen. Grundsätzlich machten sie auch die Gäste untereinander bekannt. Nachmittag hielten sie Tee und Kaffee bereit und selbst gebackene Kekse bereit. Die Gästelounge war weihnachtlich dekoriert.

Im Kühlschrank standen Wein und Bier zum Selbstkostenpreis zur Entnahme bereit. Auch meine Wäsche konnte ich dort gegen nur NZ$ 2,- reinigen und wurde sogar von Suzie auf die Leine gehängt, damit ich meinen Tag genießen konnte.

© DieReiseEule 1/2017

6 Kommentare zu „Wandern in Wanaka

  1. Da ist er ja, der Bericht zum Roys Peak Track. Liest sich schon spannend, wie Du gegen die Zeit und damit den Schneesturm gekämpft hast. Bin schon auf weitere Berichte aus NZ gespannt. Wo hat es Dir denn besonders gut gefallen ?

    LG,
    Schwerti

    1. Hey. Ich fand die Otego Peninsula super. Oder auch die Clay Cliffs. Und der Roy’s Peak war neben dem Gillespie Beach mein Highlight. Aber eigentlich hatte jede Gegend ihre eigene Faszination. Herzliche Grüße

Ich freue mich über einen netten Kommentar

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