Zauberhaftes Neuseeland – Magische Orte

Einige von euch haben meinen Liebesbrief an Neuseeland gelesen. Obwohl die Reise eine halbe Ewigkeit her ist, habe ich noch viele, gute Erinnerungen an sie. Manchmal ist es auch eher ein „Gefühl“, was bleibt. Und ich hatte über all die Jahre eben dieses, dass ich spürte, ich muss hier nochmal herkommen, wenn es mir nur irgendwie möglich sein sollte.

Neuseeland 1991

Der Tag begann unspektakulär und für jeden anderen Menschen, war es wohl ein Tag wie viele andere auch. Aber nicht für mich. Fast wie im Märchen lachte die Sonne bereits morgens vom wolkenlosen Himmel. Nur das diese Geschichte wahr ist und nicht etwa ausgedacht.

Jedenfalls fuhr ich, nachdem ich am Lake Matheson – dem „Mirrorlake“ – war, zum Gillespie Beach. Wie so oft führte eine Schotterstrasse mitten durch den Regenwald der Westküste Neuseelands. Vogelgezwitscher begleitete meinen Weg, ein Wiesel flitze vor mir über die Strasse und sogar ein Auto kam mir entgegen.

Ankunft am Strand. Ich parkte meinen Mietwagen neben 2 Campervans, die auf der gegenüberliegenden Wiese ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Nur über eine kleine Düne, 5 min Fußweg, und ich stehe auf einem Kieselstrand.

Kieselstrand klingt erstmal nicht so toll. Man wünscht sich ja eher weißen, feinen Sand. Aber dieser Kiesstrand war dennoch etwas ganz besonderes. Die Kieselsteine waren alle relativ groß und vorallem flach. So einen Steinstrand habe ich noch nie zuvor gesehen. Man konnte damit perfekt die Pagodentürme bauen, die man immer wieder findet.

Irgendjemand hatte mit den Steinen „Alles Gute“ in die Düne geschrieben und auch noch weitere Worte waren zu finden. Noch immer wies nichts darauf hin, was mit mir bzw. in mir gleich passieren sollte.

Die Steine waren durch die Sonne aufgewärmt und hatten teilweise interessante Farben und Zeichnungen. Ich schritt in nördliche Richtung, da direkt am Düneneingang zwei Frauen saßen, die ich nicht stören wollte bzw. ich wollte mich nicht stören lassen und den Ausblick und die Brandung genießen.

Etwa 200 m weiter fand ich einen Platz ganz für mich alleine. Die Steine waren nicht unangenehm zum Sitzen. Im Gegenteil. Ich griff mir einen der Kiesel und spürte die Kraft, die er ausströmte. Warm und pulsierend.

Das mag jetzt alles etwas schwülstig klingen oder auch abgefahren, aber ich gebe nur meine Empfindungen weiter. So gut man das halt in Worte fassen kann, was unfassbar ist.

Wer mich kennt weiß, dass ich ein unsteter Geist bin. Mir selten Ruhepausen genehmige. Immer aktiv bin. Mein Geist kommt nicht zur Ruhe. Ich kann ganz schlecht abschalten und loslassen. Vertrauen ist schwer. Fallenlassen noch schwerer.

Aber ich lag dort auf den Steinen, schaute in den azurblauen Himmel, hörte die donnerrnden Wellen, die sich meterhoch überschlugen und an den Strand rollten. Vor mir das imposante Meer, hinter der Düne die schneebedeckten Berge der Southern Alps – zum Greifen nahe. Und genau da erfasste mich die Magie. Ich wußte wieder, warum ich nochmal hierher gewollt hatte.

DAS war es gewesen, was mich vor einem Vierteljahrhundert so fasziniert und gefesselt hatte. Meer und Gletscher in Eintracht. Sonne und Schnee. Farbgewalt auf kleinstem Raum.

Über mir der azurblaue Himmel, eine einzelne, weiße Federwolke, das grautürkise Meer, der cremefarbene und silberfunkelnde Strand, das grüne Strandgras, zwei blökende Schafe und die schneebedeckten, herrschaftlichen Berge. Dieser Kontrast. Nichts passt zusammen und doch bildet es eine Einheit.

Feuer und Wasser, Erde und Luft. Kälte und Hitze, Verstand und Gefühl. Innen und Außen. Wie eine Medaille. Zwei Seiten, eine Münze. Aalglatt und voller Ecken und Kanten.

Und ich war auf einmal total ruhig und entspannt. Geerdet. Dem Himmel so nah. Ich musste an nichts mehr denken. Nur noch sein. Genießen. Ich spürte, ich kann doch vertrauen. Ich muss nicht alles allein schaffen. Ich muss es nur wollen und zulassen. Ich kann es. Ich kann und ich darf glücklich sein.

Ich habe einen der magischen Orte für mich gefunden. Jeder Mensch kann seinen eigenen Ort oder seine Orte finden, an denen der Zauber der Erde spürbar ist. Ich bin dankbar, dass ich ein weiteres Mal einen solchen Platz für mich finden konnte. An einem unspektakulären und doch so berauschenden Strand irgendwo an der Westküste am anderen Ende der Welt.

Keine Ahnung wie lange ich dort lag. Ein paar Stunden schätze ich. Zeit war kein Begriff. Zeit war unwichtig. Ich spürte, wie sich etwas in mir drin bewegte. Es wurde etwas angestoßen. noch kann ich es nicht richtig fassen oder benennen. Aber es werden Veränderungen kommen.

Ich habe mich ein weiteres Mal geändert. Wie im letzten Jahr. Doch jetzt spüre ich es noch intensiver. 2017 soll mein Jahr werden. Es wird nicht so holperig sein wie 2016. Es wird anders. Und ich kann es vertrauensvoll auf mich zukommen lassen. Ein schönes, wenn auch fast unbekanntes Gefühl für mich.

Ein Platz, an dem alles andere unwichtig war. Obwohl ich sonst gerne fotografiere, gibt es hier kaum ein Foto von. Das Bild ist in meinem Herzen. Eingebrannt in meine Seele, in der so viele Bilder verankert sind – schöne und weniger schöne.

© DieReiseEule 12/2016 

10 Kommentare zu „Zauberhaftes Neuseeland – Magische Orte

  1. Sei nicht traurig wegen fehlender Bilder. Es ist schön, wenn man seinen Ort gefunden hat. Das was Du mit Deinem Herzen siehst, kannst Du nicht teilen. Es ist schon schwierig genug einen Raum auf ein Foto zu bannen. An solchen speziellen Orten öffnet man sich dem Universum. Das kann kein Foto abbilden. Muss es auch nicht. Das Bild bleibt Dein und es ist Dein Ort.
    Tigrito

  2. liebe liane:) das hast du so schön geschrieben. schön wie du das intensiv wahrnehmen konntest und für dich eine antwort nach dem warum erfahren hast und gleichzeitig, diese vertrauensvollen momente genießen konntest..
    ich bin so froh für dich meine liebe:)
    alles liebe lisa

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