Franz Josef Glacier bis Cape Farwell

6. Reisebericht

Und schon sind wieder einige Tage vergangen. Die Zeit rast nur so dahin. Ich bin noch immer vom Erlebnis am Gillespie Beach überwältigt. Das ist ganz schwer in Worte zu fassen, deshalb verzichte ich im Moment auch noch darauf.

Andererseits trifft man auf Menschen mit ganz anderen Erlebnissen und Interessen. Zwei Mädels kommen an den Strand. Die eine zieht ein Gesicht, wie nach dem Trinken von Zitronensaft, die andere sieht entspannt aus. Ich bin noch geflash von meinem Erlebnis, werde aber unsanft auf den Boden der Realität gestellt.

Folgendes Gespräch bitte in schwäbisch vorstellen, ich schreibe es lieber in Hochdeutsch auf.

Mädel 1 (die mit der Zitrone): Hey, komm. Wir wollen nur mal schnell an den Strand. Es geht gleich weiter.

Mädel 2 trabt mit.

Pause. Keine 5 min später kommt Mädel 1 allein zurück. Zieht ein noch sauertöpferisches Gesicht. Sieht durch ihre verspiegelten Sonnenbrillengläser in meine Richtung. Neben mir parkt ein Kombi, ein holländischer Papa wickelt gerade sein Baby darin.

Mädel 2 kommt ca 5 min später zurück und wird direkt angeblafft: Wo bleibst du denn so lange? Hier ist ja nichts los. Blöder Strand hier, kein Sand. Hier gibt es nichts zu kucken. Lass uns jetzt endlich weiter fahren. Fahren wir lieber zum See und treffen uns da mit den Jungs.

Mädel 2 schaut verträumt in die Gegend: Am Strand ist es wunderschön. Die Wellen, hast du die gesehen? Lass uns doch noch bleiben.

Mädel 1: Nun komm. Mädel 2 steigt ins Auto ein. Durch die offenen Fenster hört man dann Mädel 1 sagen: Hast du das gesehen? Der Mann da wickelt sein widerliches Kind im Auto. Wie kann man nur?

Tja. Romantik ist halt nicht für jeden was. Vielleicht hätte zumindest Mädel 1 lieber Ballermann buchen sollen.

Dann am nächsten Morgen fuhr ich weiter zum Franz Josef Glacier. Auf den war ich ganz besonders gespannt, da ich noch ein altes Foto davon habe. Leider spielte ausnahmsweise das Wetter, welches mir so hold gewesen war, nicht mit. Es regnete und es war nebelig. Dennoch stapfte ich los und war erschrocken, wie klein der Gletscher innerhalb von 25 Jahren geworden ist.

Der Weg zog sich unendlich lang hin. Dort, wo man heute steht, war vor 25 Jahren noch Eis! Nun ist nur noch oberhalb des Hanges Gletscher. Und selbst der hat ein riesiges Loch. Beide Fotos sind nicht so toll, aber ich zeige sie euch doch. 1991 und 2016.

Franz Josef Glacier 1991
Franz Josef Glacier 2016

Nächste Station Hokitika. Fast schon eine „Großstadt“. Auf jeden Fall mit jeder Menge Läden, einem großen Supermarkt, Tankstellen und anderen Errungenschaften der modernen welt gesegnet. Das B&B wird liebevoll von einem älteren Ehepaar – Frances und Brian – geführt.

Wie immer haben die Einheimischen wunderbare Tipps parat und so mache ich mich am nächsten Morgen auf zum Hokitika Gorge, wo mich mal wieder eine dieser tollen Swingbridges erwartet. Darunter das Wasser soll von einem einzigartigen Blau sein. Ist es leider nicht, da es am Vortag so stark geregnet hat. Es ist eher graugrüntürkis, aber trotzdem toll.

Weiter ging es zum Tunnel Track Loop. Man geht durch jeweils eine sehr niedrige und schmale Felsspalte hinein und auch wieder hinaus. Dazwischen Regenwald mit vielen einheimischen Vögeln, zum Beispiel dem Tui, der so herrliche Geräusche macht.

Dann war ich noch am Airport. Leider startete gerade kein Flugzeug, es war nicht mal eine Maschine zu sehen. Dafür war die Landebahn direkt bis an den Spazierweg und nur durch einen ca 60 cm hohen Zaun (immerhin Stacheldraht) geschützt. 🙂

Über den Westcoast Treetop Walkway, den ich mir danach gönnte, schrieb ich bereits einen eigenen Artikel.

Nach nur 2 Nächten verabschiedete ich mich, um meine längste Fahretappe anzugehen. Eigentlich wäre nun Kaikoura und Whalewatching dran gewesen, aber das wurde wegen des Erdbebens gecancelled. So ging es also in den Norden der Sürdinsel nach Collingwood mit einem Zwischenstop an den berühmten Pancake Rocks in Punakaiki.

 Nach „nur“ 8 Stunden Fahrt bei traumhaftem Sommersonnenwetter über die Berge (Serpentinen, wow) und 450 km beziehe ich mein Zimmer neben einem belgischen Paar, dass ebenfalls hierhier umgebucht wurde. Wir hatten uns schon auf dem Schiff kennengelernt.

Gestern habe ich mehrere Touren unternommen. Zuerst bin ich zum Cape Farewell gefahren, dem nördlichsten Punkt der Südinsel. Nachdem ich am Slope Point am südlichsten Zipfel war, musste das sein.

Die Gegend eignete sich für Postkartenmotive aller Art. Besonders, wenn wie gestern die Sonne lacht. Ich habe unzählige Fotos gemacht. auch von Schafen, Pferden und Kühen.

Part 2 die Wanderung um die Lakes Dune und Nikau zum Wharariki Beach. Hier stehen beeindruckende Felsen mit riesigen Höhlen und Löchern im Wasser. Bei Ebbe kann man diesen Weg gut bestreiten. Außerdem liegen auch hier Seehunde auf den Felsen und im schneeweißen Sand. Wer zückt da nicht die Kamera? 😉

Wer kann und mag kann auch ein Horse riding buchen (ich nicht).

Dritte Station war Farewell Spit, eine Dünen-Halbinsel, die weitestgehend geschützt ist. Man kann aber einen Rundweg über den Fossil Point laufen und später durch die Dünen zurück.

In den Dünen kam ich mir vor wie in der Wüste. Absolute Stille, nur der Puls in den Ohren ist zu vernehmen. Man sieht nichts weiter als weißen Sand, soweit das Auge blickt. Die Sonne brennt erbarmungslos auf einen nieder. Zum Glück wußte ich, dass hinter der nächsten Düne der Strand und das Meer ist. Aber man kann sich auf einmal vorstellen, wie orientierungslos man in einer echten Wüste sein muss.

Leider habe ich irgendwann und irgendwo im Laufe dieses Tages meinen kleinen Schrittzähler verloren. Ich fürchte, den werde ich auch nicht mehr zurück bekommen. Nun kann ich nur schätzen, wieviele Kilometer ich diesmal im Urlaub gelaufen bin.

Abschließend für den gestrigen Tag fuhr ich nach Takaka. Mein Auto hatte Hunger auf Benzin und ein paar kleine Einkäufe mussten auch noch erledigt werden. Danach speiste ich und genoß es, meine Füße hochzulegen.

Heute wird gleich wieder gewandert, erkundet und…. was auch immer gemacht. Mal sehen, was ich finde und morgen geht es leider zu meiner letzten Unterkunft in Neuseeland in die Marlborough Sounds. Vielleicht schaffe ich es zum Abschluss, zu entspannen und mal nichts zu tun…. Nur zu genießen… Ist aber auch abhängig vom Wetter.

Der Urlaub geht mit großen Fußstapfen zu Ende. Ein bisschen wehmütig ist mir dabei, aber ich freue mich auch unendlich auf zu Hause. Das eigene Bett. Frische, knackige Brötchen und leckeren Salat. Auf meine Freunde. Darauf, dass ich meine Fotos sortieren kann. Aufs Geschichten erzählen und zuhören, was daheim los war.

Mal ehrlich: was wäre eine Reise wert, wenn man keinen Heimathafen hat?

© DieReiseEule 12/2016

Rechtschreibfehler sind unbeabsichtigt beabsichtigt und dürfen behalten oder verbessert werden. Wegen des wackeligen Internets werde ich mir nicht die Mühe machen, einen Datenverlust zu riskieren. Daher entweder darüber hinwegsehen oder das kleine X oben rechts nutzen 😉

4 Kommentare zu „Franz Josef Glacier bis Cape Farwell

  1. Hallo Reiseeule,
    wirklich schön geschrieben. Es macht mir Spaß Deinen Blog zu lesen. Am beeindruckendsten finde ich in diesem Abschnitt die Gegenüberstellung der Bilder vom Franz-Josef-Gletscher. Es schon zum Heulen, wenn man die Veränderungen sieht.

    Bei den Pancake Rocks haben mir die Wasserfontänen gefallen, die von der Brandung durch die „Orgelpfeifen“ nach oben gedrückt wurde.

    Schade dass Du Kaikoura canceln musstest. Da gibts sogar eine Garantie darauf Wale zu sehen. Schön vor Ort ist auch die Kulisse der schneebedeckten Berge an der Küste mit Palmen. Da warten vielleicht noch ein paar Bilder auf Dich :).

    Liebe Grüße
    Tigrito

  2. Hallo Liane,

    ich finde, dass so kleine Rechtschreibfehler den Genuss am Lesen erhöhen 🙂 Im Ernst … es gibt wohl schlimmeres und wenn du es nicht noch geschrieben hättest, wäre es nicht wirklich so aufgefallen.

    Erschreckend finde ich die 2 Bilder mit dem Gletscher wo man leider sehr genau sehen kann wie viel Eis geschmolzen ist und das in 25 Jahren!

    Die Pancae Rocks haben mich am meisten beeindruckt. Das sieht ja irre aus. Ich wünsche dir für die letzten Tage noch eine schöne Zeit mit tollen Erlebnissen.

    LG
    Iris

    1. Vielen lieben Dank Iris für die aufmunternden Worte. Der Gletscher hat mich wirklich erschreckt, aber die Pancake Rocks haben sich zum Glück kaum verändert.

Ich freue mich über einen netten Kommentar

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