Anekdoten und mehr – Teil 2

4. Reisebericht

Wenn ich mich recht entsinne, habe ich gestern am Nikolaustag aufgehört. Einen Tag später ging es schon wieder weiter. Das Ein- und Auspacken des Koffers alle drei Tage wird langsam zur Routine. Inzwischen habe ich auch einige Dinge, die ich gar nicht erst aus dem Auto ausräume – wie z.B. die Wanderschuhe.

Nun ging es also ganz in den Süden der Südinsel – in die Catlins. In Papatowai hatte ich eine Unterkunft. Ein eigenes Häuschen. Ein großer Raum mit Doppelbett, Küchenzeile und nebenan ein kleines Duschbad. Selbstversorgung. Die ist besonders dann eine Herausforderung, wenn man nur eine Kochplatte und kein Resaturant in der Nähe hat.

Aber gut, Nudeln mit Soße gehen immer. Auch mit nur einer Herdplatte 🙂

Der Standort an sich war ideal – mittig zwischen Nord und Süd gelegen. Tag 1 entschied ich mich für den nördlichen Teil. Dort bin ich zum Nuggetpoint gefahren, was typisch neuseeländisch über eine Gravelroad ging. Doch nicht nur normaler Schotter erwartete mich, denn die Straße wird gerade neu gemacht und ist mit dicken, fiesen, kantigen, spitzen Steinen gesät. Ich konnte nur noch hoffen, dass mir kein Reifen kaputt geht. Hat geklappt, puh! Ich bin nämlich kein Spezialist für Reifenwechsel, ehrlich gesagt.

Unterhalb des Leuchtturms schlugen hohe Wellen gegen den Strand und Seehunde tummelten sich im Wasser. Zum Glück bin ich Frühaufsteher, denn kaum machte ich mich auf den Rückweg, kamen mir die allseits bekannten Tourigruppen Chinas entgegen. Die kommen ja immer busladungsweise daher. Mit Guide. Da frage ich mich, was es dort zu beguiden gibt, aber andere Länder, andere Sitten.

„Straße“ zurück und noch einen Abstecher zu den Matai und Hornshoefalls eingelegt. Und noch den ehemaligen Rail Track gelaufen. Bis 1971 gab es hier eine Eisenbahnstrecke, die danach eingestellt wurde. Nun darf sich die Natur die Natur zurück erobern.

8. Dezember dann. Die Südroute. Zuerst bin ich zum nächsten Leuchtturm, dem Waipapa Lighthouse gefahren und auch dort auf einen Seehund getroffen. Auch hier floh ich rechtzeitig vor den großen Gruppen.

Nächste Station war der Slope Point. Der südlichste Punkt der Südinsel. Da gerade Mittagszeit war, nutze ich die Gelegenheit einen sehr guten Freund in Deutschland mit einem dort mitternächtlichen Geburtstagsanruf zu überraschen.

Dann entschied ich mich, den Waihapuna Track zu laufen. Eine Entscheidung, die ich später zwischenzeitlich bereute und verfluchte. Der Weg fängt an als leichter Gehweg, der sogar für Rollstuhlfahrer ausgewiesen ist. Wer aber mehr entdecken will, kann dann noch den Weg zum Wasserfall einschlagen.

Wasserfall geht immer. Schön, romantisch, beruhigend. Wenn man nicht erst mal hin- und später wieder wegkommen müsste. Irgendwie bedenke ich nie, dass es auch einen Rückweg gibt. Naja, jedenfalls wurde der Weg als moderat (morastig hätte es mehr getroffen) und an einigen, wenigen Stellen möglicherweise leicht feucht angekündigt.

Die meisten Wanderwege sind geschottert und daher gut mit Sneakern zu bewältigen. Ich dachte mir also nichts und stiefelte los. Mit Sneakern. Die Wanderschuhe im Kofferraum. Brauch ich ja nicht, dachte ich mir. Haha, ich sollte eines bessern belehrt werden.

Es wurde steil, es wurde matschig, es wurde sumpfig. Treppauf, treppab. Über Steige, durchs Flussbett, über improvisierte Brücken – spricht Baumstämme. Es war einfach sauanstrengend. Aber der Wasserfall war dafür wirklich grandios! Video könnt ihr auf meiner Facebookseite sehen, sofern ihr facebookt.

Ich war langsam am Rand meiner Kräfte, aber man muss ja zurück. Hilft ja nix. Nach ein paar Metern eine Markierung. Rechts geht es den selben Weg zurück oder nach links über die Straße. Straße klang super. Meine Schuhe sahen eh schon aus wie sonstwas und die Füße schmerzten. Also nochmal alle Kräfte aufgeboten und forsch losgelaufen, in Erwartung eines geschotterten Weges.

Ich lief und lief und lief und matschte und schlidderte und rutschte Richtung Abgrund und sah aus wie ein Ferkel nach dem Suhlen, aber von einer Straße oder ähnlichem sah ich lange nichts. Wenigstens war der Pfad gut markiert. Verlaufen ausgeschlossen, obwohl ich zeitweilig an mir und den Zeichen zweifelte.

Die „Straße“ kam dann nach 3 Stunden Querfeldeinlauf doch noch. Für den letzten Kilometer. Kiwihumor halt. Sollte jemand den Weg mal laufen wollen, dann sei gesagt, er lohnt sich, aber zieht unbedingt festes Schuhwerk an und am besten nicht allein laufen. Es waren wirklich einige heikle Situationen, die ich gerade noch so abfangen konnte. Und ich traf in den ganzen drei Stunden keinen anderen Menschen, obwohl einige Autos auf dem Parkplatz standen. Keine Ahnung wo die waren.

Danach habe ich mir nur noch in einem Cafe einen Schokocappuccino und frisch gebackene Scones gegönnt. Schuhe zum Wechseln hatte ich ja und die Hände habe ich mit Mineralwasser gewaschen.

Gestern dann ging es erneut weiter. Aus nostalgischen Gründen bin ich nach Bluff gefahren. Dort war ich vor 25 Jahren schon mal am Stirling Point und hatte ein Bild gemacht und ich wollte das wiederholen und sehen, ob es dort noch genau so aussieht wie damals. Tut es nicht. Es ist nun viel schöner. Allerdings überfielen mich beim Aussteigen auch gleich Horden von Sandflies. So schnell konnte ich gar nicht sprühen, wie die zustachen. Die hatte es an der Westküste nicht gegeben.

Von Bluff aus musste ich dann durch Invercargill. Eine industriell geprägte Stadt, die man nicht gesehen haben muss. Auch hier war ich mal wieder überrascht, dass es doch vierspurige Straßen und Ampeln gibt 😉

Ich habe dann aber nicht die SH 1 genommen, sondern die Southern Scenic Route. Generell würde ich auch empfehlen, die großen Straßen zu meiden, wenn man Zeit hat, denn die Nebenrouten sind wenig befahren und bieten wunderschöne Ausblicke.

Unterwegs habe ich mir den ersten Lunch meines Aufenthalts bei Fish&Chips gegönnt. Endpunkt der Fahrt: Te Anau im Fjordland an der Westküste. Ein sehr beliebter Touristenort, denn hier beginnt und endet der bekannte Keplertrack. Ein Mehrtageswanderweg.

Meine Unterkunft liegt am Stadtrand, mitten im Grünen mit Blick auf den Lake Te Anau. Das Zimmer ist riesig, hat sogar einen Kleiderschrank (das gab es bisher seltsamerweise nämlich noch nirgends), eine Terrasse, den alten Haushund Rusty, der aussieht wie Fuchur aus der unendlichen Geschichte von Michael Ende und ein Badezimmer, dass einem Ballsaal gleicht. Und hinter dem Haus wohnt eine Alpakaherde.

Ich habe es wirklich gut getroffen und die Gastgeber Alison und Donald sind auch noch super nett und reichlich bemüht, mir das Leben so angenehm wie möglich zu machen. 5 Sterne!

Gleichzeitig erhielt ich nun eine Email meines Reiseveranstalters, dass die ursprünglich geplante Fahrt nach Kaikoura am 20. Dezember unmöglich ist. Es gibt nur eine Inlandsverbindung und die ist Helfern und dem Militär vorbehalten. Das Erdbeben hatte doch größere Ausmaße als angenommen.

Nun haben sie mir ein B&B ganz im Norden in der Nähe des Abel Tasman Nationalparks reserviert. Dort, wo ich nicht hinwollte. Aber irgendwer will wohl, dass ich da nochmal hinfahre. Es ist bestimmt für irgendwas gut. Ich freue mich jetzt auch drauf.

Heute bin ich dann mal wieder gewandert. Den ersten Teil des Keplertracks vom Control Center bis etwa 30 min vor der Luxmore Hut, die auf 1472 m liegt. Es war anstrengend, war aber nicht so schlimm wie die Tour zum Wasserfall, denn erstens trug ich heute Wanderschuhe und zweitens war der Weg hier längst nicht so matischig. Er wird auch gerade teilweise frisch gemacht.

Schon witzig, wenn mitten im Wald auf einem Wanderweg ein „Baustellenschild“ liegt.

Eine Weile bin ich mit einer Französin zusammen gelaufen und wir kauderweltschten dreisprachig. Da sie aber den ganzen Track laufen will und einen entsprechend schweren Rucksack trug, war sie langsamer und wir trennten unsere Wege, trafen uns aber beim pausieren immer mal wieder.

Ich bin dann bis über die Baumgrenze gelaufen und man hat einen fantastischen Blick über den Lake Te Anau und den Lake Manapouri. Auch hier gibt es ein Video auf FB dazu.

Insgesamt habe ich für Hin- und Rückweg 6 Stunden gebraucht. Im Visitor Center sagte man mir, man würde diese Zeit für die einfache Strecke brauchen. Doch das Wetter war gut und die Kondition ist auch ok, so kommt man schneller voran. Der Wetterbericht hatte glücklicherweise mal wieder Unrecht, denn er hatte Regen, Nebel und dicke Wolken vorhergesagt.

Wettermäßig bin ich im Urlaub ein echter Glückspilz. Ich habe es fast immer warm und trocken.

Nach der heutigen Anstrengung habe ich mir ein Dinner gegönnt und nun bin ich pappsatt und werde bald ins Bett fallen. Ist mir egal, wieviel Uhr es ist 🙂

Morgen will ich nochmal wandern bevor ich übermorgen ein weiteres Mal weiter ziehe. Es geht auf’s Schiffchen-Bootchen für eine Nacht.

© DieReiseEule 12/2016

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