FaszinationFlughafenFrankfurt

Willkommen am Rhein-Main Flughafen

Wenn du Besuchern eine Sehenswürdigkeit in deiner Nähe empfehlen müsstest, was wäre das dann? Ein Schloss wie Neuschwanstein? Eine Stadt wie Potsdam? Ein Museum wie das Deutsche Museum in München?

Da ich im Rhein-Main-Gebiet wohne fällt mir spontan der Flughafen ein. Nicht jedem erschließt sich die Faszination, die er auf mich ausübt. Doch heute möchte ich euch zeigen, dass der Airportbesuch sich nicht nur als Zwischenstation auf dem Weg in den oder nach dem Urlaub lohnt.

80.000 Menschen bietet der Airport einen Arbeitsplatz. Somit ist dies die größte Arbeitsstätte und der größte Flughafen Deutschlands und außerdem der drittgrößte Flughafen Europas hinter London-Heathrow und Paris Charles-de-Gaulle. Doch ist er nicht unumstritten, da die Menschen in der Region durch den Ausbau und die Erweiterung unter dem Fluglärm leiden.

DRE_6133
Leitwerk der russischen S7

Auch ich wohne im Einzugsgebiet und werde gelegentlich überflogen. Vom Balkon aus sehe und höre ich die Flugzeuge, die teilweise schon das Fahrwerk ausgefahren haben, zumindest aber das Bugrad. Anhand der Leitwerke sieht man, um welche Fluggesellschaft es sich handelt.

Inzwischen sieht man wegen der neuen Landebahn die Flieger auch parallel im Anflug.

Noch besser kann man das natürlich direkt am Flughafen sehen. Dazu gibt es in Frankfurt am Main verschiedene Möglichkeiten und Plätze, wo das geht. Neben der Besucherterrasse im Terminal 2 ist das auch an drei Aussichtspunkten in der Nähe möglich. Diese kann man sehr gut mit dem Fahrrad erreichen. Dazu einfach mit der S-Bahn bis zum Regionalbahnhof Flughafen fahren und dann losradeln. Natürlich kann man auch mit dem Auto kommen oder – so wie ich das gerne mache – laufen.

DRE_6632
Übersichtskarte Radwege „Rund um den Flughafen“ von FRAport

Die neue Besucherterrasse

Früher gab es eine verwinkelte Plattform im Terminal 1. Dort stand ein abgesägter Flugzeugrumpf, ein Getränkeautomat und ein Automat mit Schnuckelkram. Ich fand dieses Arrangement irgendwie immer „gerümpelig“. Wegen Sicherheitsvorschriften musste die Terrasse für die Öffentlichkeit geschlossen werden.

DRE_6470
Die neue Besucherterrasse im Terminal 2

Ende letzten Monats wurde nun die neue Aussichtsplattform im Terminal 2 eingeweiht. Sie bietet einen Ausblick auf die Süd- und die Centerbahn. Auf diesen beiden Bahnen können alle Flugzeugtypen starten und landen, einschließlich des Airbus A 380. Jede ist 4 km lang. Aus sicherheitstechnischen Gründen musste ein Stahlzaun angelegt werden. Dieser bietet leider nur 5 „Löcher“ für störungsfreies Fotografieren.

DRE_6452
Spotterloch

In Stoßzeiten hat man so fast keine Chance auf einen ungetrübten Blick. Mein Tipp: am besten gleich morgens um 10 Uhr, wenn die Plattform geöffnet wird kommen. Für Kinder und Rollstuhlfahrer sind die Gucklöcher zu weit oben. Das hätte man bestimmt trotz Sicherheit noch anders lösen können. Das Positive am neuen Überwurfschutz: die Sicherheitskontrollen entfallen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, am Wochenende und an hessischen Feiertagen bis 19 Uhr

Eintrittspreis: Tagesticket € 3,- , Kinder unter 4 Jahren sind frei. Gruppen- bzw. Familienticket (5 Personen) € 12,-, Personen mit Behindertenausweis und eingetragener Begleitperson sind befreit.

Ein paar Ausblicke von der Besucherplattform

DRE_6367DRE_6370DRE_6451DRE_6375DRE_6462DRE_6381

 Aussichtspunkt Ost beim Luftbrückendenkmal

DRE_6588
Aussichtspunkt Ost an der A 5

Der älteste Aussichtspunkt auf den Flughafen (Karte Punkt C) befindet sich direkt neben der Autobahn A 5. Dazu nimmt man die Abfahrt Zeppelinheim, fährt in die Richtung des Ortes und biegt gleich die erste Straße links in den Wald ab. Leicht fährt man daran vorbei, weil es keine Beschilderung gibt. Wer zu weit gefahren ist, kann auch nach Zeppelinheim bis zur S-Bahn-Station fahren und dort das Auto stehen lassen. Dann nur durch die Unterführung laufen, immer geradeaus.

DRE_6621
Vorne die vielbefahrene A 5, im Hintergrund der Airport

Zu Fuss überquert man die Autobahn und sogleich erhascht man den Blick auf die beiden Südbahnen. Wer sich nach links wendet, kommt zum Luftbrückendenkmal und zum Rosinenbomber. Und das Beste: der Ausblick und die Besichtigung des Denkmals sind kostenlos.

Nach rechts kann man am Zaun entlang laufen und die Flugzeuge donnern zum Greifen nah über die Köpfe hinweg. Spotter verwenden gerne die App flightradar24 oder flightaware und wissen schon im voraus, welche Maschine im Anflug ist bzw. welche als nächstes startet.

DRE_6555
Einmal hochspringen bitte
DRE_6614
Doppelter Anflug – nichts ungewöhnliches mehr

Gestartet und gelandet wird grundsätzlich gegen den Wind. Daher ergibt sich auch, dass man entweder die ankommenden oder die abfliegenden Flugzeuge fotografieren kann. Die parallel anfliegenden Maschinen landen allerdings nicht beide auf der Süd- und Centerbahn, sondern einer davon auf der „neuen“ Nordwest-Landebahn. Grundsätzlich wird nämlich nur von einer Südbahn gestartet und auf der anderen gelandet.

Der Airbus A 380 – das größte Passagierflugzeug der Welt – kann nur auf den Südbahnen landen. Deshalb ist die Aussicht Ost ein idealer Standpunkt hierfür. Allerdings ist es wegen der angrenzenden Autobahn dort sehr laut. Achtung: jetzt zeige ich euch eine Bildfolge, eines ankommenden Flugzeugs.

DRE_6508DRE_6509DRE_6510DRE_6511DRE_6512DRE_6513DRE_6514DRE_6515

Der Aussichtspunkt an der Startbahn West

DRE_5856
Der „Affenhügel“

Affenhügel wird die Plattform neben der Startbahn West liebevoll genannt. Ein beliebter Treffpunkt für Planespotter, besonders für Nachtaufnahmen. Hier ist immer was los. Am Wochenende kommen Familien und bringen sich ihr Picknick mit. Die Wanderer haben schon mal ihre Flasche Sekt und Gläser im Gepäck, die Radfahrer zücken ihre Ferngläser und die Sonnenanbeter bringen sich ihre Klappstühle mit.

Um die Aussicht genießen zu können fährt man auf dem Airportring Richtung Walldorf. Kurz bevor es in die Unterführung geht, gibt es einen kleinen Parkplatz (Karte Punkt B). Von da aus läuft man noch ca 250 m durch den Wald und schon ist man da. Wanderer können auch am Mönchbruch, in Rüsselsheim am Waldschwimmbad oder in Raunheim am Waldsee parken und durch den Forst laufen oder mit dem Rad fahren. Häufig sieht man auf dem Weg Rehe, Hasen und Hirsche.

20160813_145942
Startbahn West mit der A380 Halle im Hintergrund

Wie der Name sagt, handelt es sich um eine reine Startbahn. Es wird hier grundsätzlich in südliche Richtung gestartet. Die großen Airbusse Richtung Südostasien (A 380 von Emirates, Singapore Airlines, Lufthansa, Thai) heben hier ab. Es lohnt sich, ein wenig um die Ecke zu laufen. Dort sieht man die Flieger direkt nach dem Start, wie das Fahrwerk eingezogen wird.

DRE_5824
Direkt nach dem Abheben während das Fahrwerk eingezogen wird

Zwischendurch ein paar Fakten zum A 380

  • Wusstest du, dass der A 380 über 850 Personen Platz bieten könnte, wenn man ihn nur mit Sitzen der Economyklasse ausstatten würde? Da die Fluggesellschaften aber neben Economy auch Premium Economy, Business Class, First Class und teilweise Suiten anbieten, passen „nur“ etwa 500 Menschen hinein.
  • Die Spannweite von Flügelende zu Flügelende beträgt 80 Meter. Die Höhe ca. 23 Meter.
  • Für den A 380 musste extra eine Wartungshalle gebaut werden, da er 2 Meter zu hoch für die Halle der Jumbojets war.
  • Der erste A 380 wurde mit 2 Jahren Verspätung am 15. Oktober 2007 an Singapore Airlines übergeben und nahm 10 Tage später seinen Flugverkehr auf. Der Erstflug ging von Singapur nach Sydney.
  • Wer sich einen dieser Superflieger kaufen will, muss sehr wahrscheinlich ein Weilchen sparen. Ein Flugzeug kostet über 400 Millionen US Dollar.
  • Müsste man den Airbus mit einer herkömmlichen Tankpistole für PKW betanken, würde das 7 Tage dauern.
DRE_6271
Gut zu erkennen an den zwei durchgängigen Passagierdecks – der A 380

Zurück zur Startbahn West: Diese wurde unter großem Protest geplant und gebaut. Viel Wald wurde hierfür abgeholzt. Teilweise erinnert man sich noch an die Fernsehbilder der 70er und 80er Jahre, wo unter massivem Polizeieinsatz das Hüttendorf geräumt wurde. Zu den bekanntesten Protestlern gehörte der spätere hessische Umweltminister Joschka Fischer.

DRE_5817
Der inzwischen ergrünte und eingewachsene Betonzaun

Zum Schutz der Arbeiter wurde ein Betonzaun errichtet. Diesen gibt es noch heute und auch die Protestsprüche daran kann man noch lesen, obwohl sie immer mehr verblassen. 1984 wurde die Startbahn eingeweiht.

Guten Flug!

20160813_150606DRE_5828

DRE_5839
Das südliche Ende der Startbahn West

DRE_5845DRE_5973DRE_5820

 

Die neue Nordwest-Landebahn

2011 wurde die Nordwest-Landebahn fertig gestellt. Zur Einweihung gab es ein großes Bürgerfest, bei dem man über die Bahnen laufen konnte. Ich selbst war damals auch dabei und war erstaunt, wie lang und breit eine Bahn doch ist.

DRE_6110
Aussichtsplattform Nordwest Landebahn

Flugzeuge, die auf der Nordwestbahn landen, gelangen über eine Brücke, die die Autobahn A 3 kreuzt, zum Terminal. Aufgrund der Lage im Norden des Flughafens und jenseits der Autobahn musste ein neuer Tower gebaut werden. Dieser gestattet nun den Blick auf alle 4 Start- und Landebahnen, ist 70 Meter hoch und steht neben der Halle der Jumbojets. Der alte Tower besteht noch, ist voll einsatzfähig und könnte im Notfall genutzt werden. Somit ist Frankfurt am Main der einzige Flughafen der Welt, der einen Ersatztower hat.

DRE_6425 - Kopie
Der neue Tower neben der Jumbojet-Halle

Direkt neben der Landebahn befindet sich das Trainings- und Ausbildungsgelände der Flughafen-Feuerwehr. Insgesamt gibt es auf dem Gelände des Airports vier Feuerwehrstationen, da laut internationalen Richtlinien jeder Punkt des Flughafens innerhalb von maximal 3 Minuten erreichbar sein muss.

Neben der Landebahn wurde vor nicht allzu langer Zeit eine Aussichtsplattform erstellt. Anfahrt erfolgt auch hier über den Airportring Richtung Walldorf (Karte Punkt A). Kurz bevor die linksseitigen Betonschutzwände enden, biegt man an einer Ampelkreuzung rechts (Beschilderung Rüsselsheim/Kelsterbach) ab. Nachdem man die ICE-Strecke überquert hat, geht rechts ein „Feldweg“ ab. Dort befinden sich ein paar Parkplätze.

DRE_6211 - Kopie

Wenn der Anflug von Osten erfolgt, kann man die Flugzeuge vor der Skyline Mainhattans landen sehen. Dafür bräuchte man nicht mal eine Spiegelreflexkamera, da man den Fliegern extrem nah kommt.

DRE_6122
Landung vor der Skyline Mainhattans, links der Messeturm, rechts der Maintower

Da diese Bahn etwas kürzer ist (nur 2,8 km Beton), landet hier weder der A 380 noch die Boeing 747 oder die MD-11. Dafür sieht man die Flugzeuge schon von weitem wie an der Perlenschnur aufgezogen anfliegen.

20160813_135236
Sehr leise, der A 320 neo
DRE_6205
Es qualmt beim Aufsetzen
DRE_6307
Vier Flugzeuge in Bewegung auf einem Foto, sieht man nicht so oft

Nachts am Flughafen

In der Dunkelheit blinkt und leuchtet es rund um den Flughafen. Mit der Kamera kann man interessante „Lightpainting“ Aufnahmen machen. Mancher sagt zwar „Das ist keine Kunst. Das kann weg“, aber ich finde die Fotos eindrucksvoll.

DRE_6004DRE_6021DRE_6000DRE_6008

Im Terminal

Terminal 1 und 2 sind durch die SkyLine miteinander verbunden. Die Bahn pendelt regelmäßig.

DRE_6440
SkyLine

Der Flughafen hat nicht nur eine Abflug- und eine Ankunftebene, sondern viele Geschäfte, Restaurants und Supermärkte. Hier bekommt man zu jeder Tages- und Nachtzeit fast alles zu kaufen, was das Herz begehrt oder was man beim Wocheneinkauf vergessen hat.

Beliebt sind auch die verschiedenen Aktionen wie Rundfahrten, Airlebnistage oder Touren, bei denen man hinter die Kulissen schauen kann. Ich habe letztes Wochenende an der Zolltour teilgenommen. In der Asservatenkammer lagern beschlagnahmte Gegenstände. Man bekommt von den Zollbeamten sehr genau erklärt, was die Aufgaben des Zolls sind, wieviel Bargeld man mit sich führen darf und welche Mitbringsel dem Washingtoner Artenschutzabkommen unterliegen und daher nicht eingeführt werden dürfen.

Es gibt auch eine Feuerwehr-Tour, eine Sunset-Rundfahrt und weitere Aktionen. Selbst der Kindergeburtstag kann dort gefeiert werden.

Ausblick

Die Kapazität des Rhein-Main Flughafens stößt langsam an seine Grenzen. Um international Bestand zu haben und Drehkreuz Europas zu bleiben, ist es notwendig, dass ein weiteres Terminal gebaut wird. Dieses ist im Süden, in der Nähe des Luftbrückendenkmal, am Standort der ehemaligen Rhein-Main-Airbase geplant. 2022 soll es in Betrieb genommen werden.

Das neue Terminal wird über die SkyLine, die bereits Terminal 1 und 2 verbindet, erreicht werden. Der erste Spatenstich ist letztes Jahr bereits erfolgt. Damit kann Frankfurt das Rennen gegen den Bau und die Eröffnung des Berliner Willy-Brandt-Flughafens noch gewinnen 😀

Regionalpark Rhein-Main

Der Flughafen und die Aussichtspunkte sind Teil der Regionalpark Rundroute. Das Informationszentrum ist bei den Weilbacher Kiesgruben, Flörsheim. Erhältlich sind dort kostenlose Infomaterialien einschließlich Karten der Region. Es gibt extra eine Karte „Rund um den Flughafen“, bei dem alle Rad-/Wanderwege und interessante Punkte eingezeichnet sind.

Obwohl wirklich viel Wald wegen des Airports abgeholzt wurde, liegt er doch immer noch im Grünen. Am Mönchbruch befindet sich ein Naturschutzgebiet mit seltenen Pflanzen und Tierarten. Drum herum – im Wald – sind gut angelegte und ausgeschilderte Rad- und Wanderwege. Biergärten in der Nähe laden zum Verweilen ein.

The End?

Hast du Lust auf mehr Fotos und meine Geschichten rund um den Flughafen Frankfurt bekommen? Dann schau regelmäßig oder ab und zu auf meinem Blog Faszination Flughafen Frankfurt oder bei Facebook vorbei. Du kannst dich auch für den Newsletter anmelden, kommentieren oder ein „Gefällt mir“ hinterlassen. Ich freue mich darüber.

Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade deutscher Sehenswürdigkeiten von  phototravellers teil.

© DieReiseEule 8/2016

 

3 Kommentare zu „FaszinationFlughafenFrankfurt

  1. Ich muss den Bericht noch mal am Rechner oder Ipad lesen und nicht auf dem Funzelhandydisplay.
    Ich bin auch in der Ostwindanflugschneise grossgeworden, als die achtmotorige Galaxy den Himmel verdunkelte und die Schränje wackelten.
    Nun geht der Anflug auf Nord direkt übers Elternhaus. Diese Maschinen haben aber nur zwei Turbinen, während die Vierer weiter südluch fluegen.
    Ich starte Flightradar und sehe die Abflugsorte.
    LAX, Peking, Johannesburg, Houston, Addis Adebe, Rio, Buenos Aires, Anchorage, usw.
    Ich liebe es.
    Die Leute, die schon immer dort gewohnt haben, merken es nicht mehr, Die Neuhinzugezogenen demonstrieren.
    Ich liebe es mit meiner App und bekomme Sehnsucht.

    1. Man kann eben nie alles haben. Fliegen wollen, aber keine will beim Flughafen wohnen. Geht nicht. Und da ich gerne reise, nehme ich auch die Flugbewegungen in Kauf.
      Zumal durch die neue Regelung mit den verschiedenen Routen weniger Fluglärm da ist.

Ich freue mich über einen netten Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s