Mainz am Rhein

Mainz am Rhein

Weck‘, Worscht un‘ Woi, wer des nit versteht, der kann koi Meenzer soi!

Helau, in einer der feierfreudigsten Städte Deutschlands. Gründe zum Feiern gibt es in Mainz genug und wenn nicht, dann wird eben einer aus der Taufe gehoben. Wie dieses Jahr, als der Rosenmontagszug aufgrund eines angekündigten Sturms aus Sicherheitsgründen das erste Mal in seiner langjährigen Geschichte abgesagt werden musste. Mainz ohne Fassenachtsumzug? Nein, undenkbar. Also wurde der Umzug kurzerhand in den Mai verlegt. Rosenmontag am Muttertag’s Sonntag – das gibt’s nur hier!

Kommt mit mir auf einen Rundgang durch die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Main. Was macht diese Stadt aus? Kunst, Kultur, Kurioses…Darüber hinaus gibt es ein paar kulinarische Geheimtipps und ich werde am Schluss noch ein Wort zum öffentlichen Nahverkehr verlieren.

Orientierung in Mainz

Bevor ich euch auf den Rundgang mitnehme, helfe ich euch bei der Orientierung. Diese ist in Mainz relativ einfach, wenn man weiß, dass man sich die Straßenschilder genau anschauen sollte. Es gibt nämlich blaue und rote Schilder. Straßen mit roten Schilder führen zum Rhein hin bzw. von ihm weg. „Blaue Straßen“ verlaufen parallel zum Rhein. Und schon können wir loslaufen.

Rund um den Dom

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Der Platz vor dem Dom – Treffpunkt zum Feiern: Wochen-, Weihnachts-, Festmarktplatz

Der Mainzer Dom hat eine lange, bewegte Geschichte. Selten ist er ohne Gerüst abzulichten, denn es gibt immer etwas zu sanieren. Der Dom ist Bischofssitz, der ganz aktuell vakant ist, da der – über die Grenzen von Mainz hinaus – bekannte, beliebte und bürgernahe Kardinal Karl Lehmann im Alter von 80 Jahren nun endlich vom Papst in den wohlverdienten Ruhestand entlassen wurde.

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Die Nagelsäule

Vor dem Dom ist immer was los. Bei jedem Fest gruppieren sich die  Marktstände um die Heunensäule und wenn gerade nicht gefeiert wird, findet hier der Wochenmarkt statt, der besonders samstags sehr frequentiert wird. Der Mainzer liebt es, Schwätzchen zu halten und nebenbei seine Frühstückstrilogie aus Brötchen (Weck‘), Fleischwurst (Worscht) und Wein (Woi‘) zu genießen. Ab dem ersten Advent findet dort der idyllische Weihnachtsmarkt statt. Dann erhält die Säule eine Haube, von der die Lichterketten abgehen und sternförmig den Platz beleuchten.

Kommt man zum Seiteneingang aus dem Dom raus und wendet  sich nach rechts, dann kommt man an der Nagelsäule vorbei, mit der am Anfang des 20. Jahrhunderts Geld für Erholungsaufenhalte für Kinder aus sozialschwachen Familien gesammelt wurde und die Spender hier namentlich erwähnt wurden.

Durch die Altstadt zum Stephansberg

Wendet man sich nach links, führt der Weg am Höfchenbrunnen vorbei. Biegt man wieder links in die Schöfferstrasse ab, kommt man in die Altstadt. Zuerst geht es am Souvenirshop des ZDF vorbei. Hier dreht sich alles um die deutschlandweit bekannten Mainzelmännchen. Auch Eintrittskarten für Sendungen, die auf dem Mainzer Lerchenberg – dem Hauptsitz des ZDF – produziert werden, sind erhältlich.

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Historisches Weinhaus zum Spiegel am Leichhof mit Blick zum Dom

Weiter geht es über den Leichhof Richtung Augustinerstrasse. Dort sollte man einen Blick in die turmlose Augustinerkirche werfen. Sie schmiegt sich so perfekt in das Häuserensemble ein, dass schon mancher dran vorbei gelaufen ist, ohne zu erkennen, dass dies kein Wohnhaus ist.

Ein Abstecher in die engen Gässchen der Altstadt lohnt sich ebenfalls. Hier findet man viele kleine, nette Geschäfte, Boutiquen, Galerien und Kneipen. Durchschreitet man den Kirschgarten, kommt man am freischwebenden Wasserhahn vorbei, bevor der Weg nun langsam ansteigt. Oberhalb auf dem Stephansberg sieht man bereits die Kirchtürme von St. Stephan, der ältesten gotischen Hallenkirche am Mittelrhein.

Berühmt ist sie für neun, von Marc Chagall gestaltete Fenster. Bei Sonnenschein wird der Innenraum in sanftes, meerblaues Licht getaucht. Empfohlen sei aber auch der Besuch des Kreuzgangs (unbedingt nach oben schauen!) und zweimal im Monat kann die Türmerwohnung besichtigt werden. Von dort hat man einen wunderbaren Fernblick über die Stadt bis zum großen Feldberg im Taunus.

Kupferbergterrasse auf dem Kästrich und zurück zur Innenstadt

Von St. Stephan aus ist es nur ein Katzensprung bis zur Kupferbergterrasse. Es bietet sich ein großartiger Ausblick über Mainz. Wer also nicht die Chance hatte, den Turm der Kirche zu erklimmen, kommt hier auf seine Kosten. Die gleichnamige Sektkellerei hat hier auf dem Kästrich ihren Stammsitz. Diese beherbergt in ihren historischen Kellergewölben die weltweit größte Sammlung an Sekt- und Champagnergläsern. Auch als Eventlocation für Hochzeiten, Betriebs- oder Familienfeiern werden die Gewölbe gerne genutzt.

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Blick von der Kupferbergterrasse bis zum großen Feldberg im Taunus

Steigt man die Treppen hinab, begibt man sich zurück zur Innenstadt und landet auf dem Schillerplatz, welcher ein Standbild des Namensgebers ziert, aber augenfälliger und bekannter ist der daneben liegende Fastnachtsbrunnen, den man sich ganz genau ansehen sollte. Schließlich ist Mainz neben Köln und Düsseldorf die absolute Hochburg der terminierten Fröhlichkeit.

Vom Schillerplatz biegt man nun in die Münsterstrasse ein.  Ebenda befindet sich das Mainzer Unterhaus, ein Kleinkunsttheater. In den historischen Gewölben wird jährlich seit 1972 der Deutsche Kleinkunstpreis verliehen. Viele prominente Kabarettisten, Kleinkünstler und Komiker standen auf den Bühnenbrettern und noch heute fühlen sich Künstler geadelt, wenn sie das erste Mal in den engen Räumlichkeiten einen Auftritt haben dürfen.

Vor dem Theater beginnt der Walk of Fame der Satire. In den Fußweg über den Romano-Guardini-Platz sind die Sterne mit den Unterschriften der Satiriker eingelassen. Mehr über die ausgezeichneten Personen erfährt man im Kabarett-Archiv, dass sich zusammen mit dem Fastnachtsmuseum im angrenzenden Proviant-Magazin befindet.

Die Neustadt und das Rheinufer

Die Schillerstrasse kreuzt die Große Bleiche. Diese trennt die Altstadt von der Neustadt. Schön ist sie nicht gerade – die Neustadt. Typischer Nachkriegsbaustil als es darum ging, möglichst schnell, viel Wohnraum zu schaffen. Dafür findet man hier eine vielfältige Gastronomiekultur vor. Für jeden Geschmack gibt es etwas. Nur ein paar wenige Betriebe möchte ich erwähnen, denn man kann gar nicht alle kennen. Der Hahnenhof ist bekannt für seine knusprigen Grillhähnchen und echtes, ungarisches Essen.

Die Mainzer Kaffeemanufaktur röstet die Bohnen selbst. Ein betörender Kaffeeduft umgibt einen bis zur nächsten Straßenecke.

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N’Eis – Das Neustadteis

Was definitiv nicht fehlen darf, ist ein Besuch des N’Eis! Im Frühjahr 2013 eröffnete die kleine Eisdiele am Gartenfeldplatz und wurde schnell zum absoluten Insidertipp. Mit Leidenschaft wird hier frisches Eis aus überwiegend regionalen Zutaten hergestellt. Die Sorten wechseln täglich. Die Crew experimentiert und bietet neben „normalen“ Eiskreationen auch ungewöhnliche Sorten wie Riesling-, Tonkabohne-, Honig-Rosmarin-, Spundekäs‘- oder Wullebiereis an. Manchmal fällt die Wahl schwer. Gerne kann man auch eine Kugel mit zwei Sorten haben. Einfach nachfragen. Eine Kugel kostet € 1,20 und ist das auch wert.

An heißen Sommertagen bilden sich lange Schlangen auf der Straße. Kopfbedeckung daher nicht vergessen! Weil ich so begeistert vom N’Eis bin, findet ihr alle weiteren Informationen dazu in diesem Link. Falls ihr denkt, es handele sich hier um Schleichwerbung, dann muss ich euch enttäuschen. Mir wurde das Eis nicht geschenkt und auch sonst habe ich keine Zuwendung erhalten. Ich bin einfach so begeistert davon, dass ich durchaus die 5 km bis dorthin laufe, um mich zu verwöhnen. Ich danke einzig dem Team, weil ich die Einrichtung auf Nachfrage fotografieren und ins Internet stellen durfte.

Nun ist unser innerstädtischer Rundgang fast beendet. Ich nehme euch noch mit ans Rheinufer. Dazu überquere ich die Grüne Brücke am modernen Glasbau der Stadtwerke. Der Fußgängerüberweg wird vom NABU betreut und gestaltet und bietet neben selten Pflanzen auch Bienen ein zu Hause. Geht man nach links, kommt man zum ehemaligen Containerhafen, der momentan im Umbau ist. Hier entsteht ein hippes Wohngebiet. Das ehemalige Hafengelände wird für Rock-/Popkonzerte genutzt und auch die Kunsthalle, die mit ihrem grünen Glasturm weithin sichtbar ist, befindet sich am Rande des Hafens.

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Kunsthalle Mainz mit Restaurant 7 Grad

Zurück geht es am Feldbergplatz vorbei bis die Uferpromenade erreicht wird. Am Rheinufer findet im Sommerhalbjahr jeden Samstag der Krempelmarkt (Flohmarkt) statt. Unter den Platanen kann man so manches Schnäppchen machen. Man sieht den markanten Turm der Christuskirche, wenn man seinen Blick nochmals zur Stadt wendet ebenso wie das Schloss und das Landtagsgebäude. Alle Jahre im Advent findet in der Christuskirche das  Konzert der Colours of Gospels statt. Ein junger Gospelchor, der gute Laune verbreitet, ohne sich in eine Schublade stecken zu lassen. Einfach sensationell was diese Gruppe kann. Karten muss man rechtzeitig bestellen, denn die Konzerte sind immer ausverkauft. Ich weiß auch warum…!

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Theodor-Heuss-Brücke mit Blick nach Amöneburg

Nach der Unterquerung der Theodor-Heuss-Brücke, in deren Brückenpfeilern ein Jugendklub seine Räume hat, gelangt man zum Fischtorplatz und kommt dann wieder am Dom/Marktplatz an.

Wer ungerne läuft kann am Gutenbergplatz vor dem Theater in den Gutenberg Express steigen und wird mit dem Bähnchen eine ähnliche Strecke fahren, wie die, die ich gerade beschrieben habe. Eine Fahrt kostet derzeit € 9,- pro Erwachsenen; die Familienkarte kostet € 22,- für 2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder. Die Tour dauert etwa eine Stunde und wird auch in Englisch und Französisch angeboten.

Die Römer, Kunst, Museen und Kultur

Wer mehrere Tage in Mainz verbringt, sollte unbedingt das Dom- und Diözesanmuseum und das in unmittelbarer Nähe liegende Gutenbergmuseum mit der reputablen Gutenberg-Bibel besuchen. Diese beiden und das Landesmuseum sowie das Naturhistorische Museum können seit Januar 2016 mit dem Museumspass Musées und auch mit der MainzCardplus (s.u.) kostenlos besucht werden. Ebenfalls kostenlos ist das Museum für antike Schifffahrt, in der Nähe des Winterhafens.

Ein außergewöhnliches Spektakel ist der Besuch des Mundarttheaters Meenzer Rhoiadel im Auktionshaus Schnappenberger. Wo tagsüber Antiquitäten verkauft und versteigert werden, sitzt man abends zwischen Kunst und Trödel, genießt einen guten Schoppen und kleine Speisen und lässt die Theaterstücke auf sich wirken.

Weitere Bühnen: Showbühne Mainz, Kammerspiele Mainz, Mainzer Unterhaus und Staatstheater Mainz.

In Mainz findet man überall Spuren der Römer. Im Museum für antike Schifffahrt und hinter dem Hilton Hotel kann man die Überreste römischer Schiffe bewundern, die im Schlick des Rheinufers gefunden wurden. Weitere römische Artefakte befinden sich im Römisch-Germanischen Museum im Mainzer Schloss.

Am Südbahnhof wurde ein römisches Theater ausgegraben. Darüber hinaus verteilen sich über die Stadt noch die Jupitersäule, der Dativius-Victor-Bogen, das Isis- und Mater Magna Heiligtum, Römertor und -steine und Weihealtäre am Ballplatz.

Parks und Naherholung

Der Volkspark ist ein beliebter Treffpunkt, nicht nur für Familien. Kinder können sich hier ungestört austoben, während die Eltern im Biergarten oder auf der Picknickdecke die Sonne genießen. Er liegt etwas oberhalb der Stadtmitte in der Oberstadt.

Die Topattraktion neben der kleinen Eisenbahn, der Rollschuhbahn und dem Abenteuerspielplatz ist der liebevoll gestaltete Wasserspielplatz. Hier darf geplanscht, gespritzt und gerutscht werden. Ein sommerliches Vergnügen für Jung und Alt. Daher: Handtuch, Sonnencreme und Wechselkleidung mitnehmen!

Mehr oder weniger nahtlos geht der Volkspark in den Stadtpark über. Einfach bergab laufen und die Brücke am Favorite Parkhotel überqueren und schon kommt man zum Vogelhaus im Stadtpark. Wer weiter geht, sieht schon eine Fontäne. Diese gehört zum Rosengarten und den sollte man sich nicht entgehen lassen. Mit Blick über den Rhein und einer rosenduft-geschwängerten Luft lässt es sich hier unter schattigen Bäumen gut aushalten.

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Der Rosengarten im Stadtpark

Im Stadtpark findet am ersten Septemberwochenende der Mainzer Weinmarkt statt, ein beliebtes Fest, bei dem man regionale Weine und Spezialitäten probieren kann.

Bei Familien mit Kindern ist der Hardenbergpark ein beliebtes Ziel. Auch hier gibt es einen Wasserspielplatz und daneben noch eine Minigolfanlage, auf der schon Turniere ausgetragen wurden. Im Park findet man Grillplätze, Liegewiesen und eine Aussichtsplattform. Der Hardenbergpark ist in der Nähe des SWR. Von dort ist es nicht mehr weit zum Bruchwegstadion und zur Eishalle.

Und sonst noch?

Für Fußballfans bietet sich ein Besuch des neuen Stadions von Mainz 05 an. Die moderne Opel-Arena liegt etwas außerhalb in der Nähe der Universität, das alte Bruchwegstadion ist am anderen Ende des Universitätsgeländes. Vom Hauptbahnhof kommt man mit dem Bus und demnächst mit der noch im Bau befindlichen Mainzelbahn ins Stadion.

Für Familien sei ein Besuch des Wildparks im Vorort Gonsenheim vorgeschlagen. Die Kinder können die Tiere füttern oder sich auf dem Waldspielplatz austoben.

Bei sonnigem Wetter macht eine Schifffahrt auf dem Rhein Spaß. Neben den Ausflugsbooten legen viele Flusskreuzfahrtschiffe an den Anlegern an. Am Rosenmontag fährt das Fastnachtsbootchen von der rechten Rheinseite in Mainz-Kostheim zum Fischtorplatz-Anleger und am Nachmittag wieder zurück. Verkleidete Narren inklusive.

Auf dem Lerchenberg findet man das Sendezentrum des ZDF. Hier werden verschiedene Sendungen wie z.B. der Fernsehgarten oder das aktuelle Sportstudio produziert. Führungen durch das Gelände werden ebenfalls angeboten (Voranmeldung erforderlich). Karten sind im ZDF Shop oder direkt beim ZDF erhältlich.

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Insiderwissen für Nicht-Mainzer

Die Bürger nennen sich Meenzer oder Määnzer. Man feiert Fassenacht oder Fastnacht, keinesfalls Fasching oder Karneval. Der höchste Feiertag ist der Rosenmontag. Der Mainzer Carnevals Verein (MCV) führt jedes Jahr in der Fastnachtszeit ein Lustspiel im Großen Haus des Staatstheaters auf. Dabei sollte man sich vorher mit den Fastnachtsliedern vertraut machen, denn die werden zwischendurch lautstark vom Publikum, welches natürlich verkleidet kommt, mitgesungen.

Die Landeshauptstädte Mainz/Rheinland-Pfalz und Wiesbaden/Hessen werden nur durch den Rhein geteilt. Sie sind sich nicht immer grün. Bei den Büttenreden bekommt die Ebsch‘ Seit‘ (frei übersetzt: die falsche „schlechtere“ Seite) immer ihr Fett weg. Um die Stadtteile Kostheim, Kastel und Amöneburg, die Mainz im Namen tragen, aber zu Wiesbaden gehören, wird seit Jahren gestritten (nachzulesen in meinen Artikeln über die drei Stadtteile). Dennoch gibt es inzwischen einige landesübergreifende Projekte (z.B. Neubau der Schiersteiner Brücke). Noch eine Gemeinsamkeit haben die beiden Städte: sie haben jeweils einen homosexuellen Oberbürgermeister. Dabei beweisen die beiden Humor: diese Fastnacht sah man sie in Eintracht mit ihren jeweiligen Partnern im pinkfarbenen Anzugs-Partnerlook.

Neben Weck‘, Worscht und Woi‘ zählt auch Spundekäs‘ mit Brezzelscher zu den kulinarischen Köstlichkeiten, die man probiert haben sollte.

Dadurch, das Mainz einst von Franzosen besetzt war, haben sich einige Begriffe erhalten. Der Mainzer nutzt das Troddewaa (Trottoir=Bürgersteig), legt sich auf die Schääselongsch (Chaiselonge=Liegesofa), ärgert sich über die Bagaasch (Bagage=Gesindel), besorgt sich ein Billjett (Billett=Fahrschein), kauft in der Buddick (Boutique) ein, kann seine Gosch (gorge=Gurgel/Mund) nicht halten und landet schlimmstenfalls im Bollesje (Polizeigewahrsam). Und auch der Elferrat, das Fastnachtskomitee hat den Ursprung im französischen. E.L.F. steht für Egalité, Legalité, Fraternité = Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Mit Bus und Straßenbahn unterwegs

2 Städte – ein Ticket! Alle Tickets, ob Einzel-, Gruppenfahrschein, Tageskarte oder Sammelkarte sind nicht nur in Mainz, sondern auch in und nach Wiesbaden und zurück gültig.

Einzelfahrscheine sind recht teuer (Erw € 2,75/Kind € 1,60). Meist lohnt sich die Sammelkarte für Erw € 11,00/Kind € 6,75. Man spart also pro Fahrt € 0,55 Erw/ € 0,25 Kind. Die Sammelkarte besteht aus 5 Einzelfahrscheinen. Mit dem Fahrschein darf man in Zielrichtung natürlich auch umsteigen. Sammelkarten erhält man nicht beim Fahrer, sie müssen vorher am Automaten oder in einer Verkaufsstelle gekauft werden.

Eine Tageskarte (Erw € 6,60/Kind € 3,90) lohnt nur, wenn man mehr wie dreimal innerhalb eines Tages fahren möchte. Sonst ist die Sammelkarte günstiger. Für Gruppen gibt es Sondertarife.

Wie in vielen Großstädten gibt es für Touristen auch eine MainzCardplus, mit der man unbegrenzt im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sein kann, kostenlos in alle Mainzer Museen kommt und an der Stadtführung teilnehmen kann und Vergünstigungen bei verschiedenen Geschäften, kulturellen Veranstaltungen usw. erhält. Da Mainz nur eine „kleine Großstadt“ ist, kann man auch fußläufig viel entdecken. Also gut überlegen, ob sich diese Investition lohnt. Die Karte ist 48 Stunden gültig und kann nicht nur beim Touristikbüro, sondern auch bei vielen Hotelrezeptionen erworben werden.

Weitere Informationen erhält man bei touristik-mainz.de und dem rmv.de

 

© DieReiseEule, 7/2016 – Gastartikel für beautifulgermany.wordpress.com

28 Kommentare zu „Mainz am Rhein

  1. Hallo Reiseeule,
    das ist ja ein ganz netter Text, aber nur beim Drüberfliegen fallen doch schon ein paar Fehler auf, die ich als Lokalpatriot so nicht stehen lassen kann.
    1. Der Rosenmontagszug wurde bereits 1991 abgesagt (Irakkrieg).
    2. So richtig am Zusammenfluss von Main und Rhein liegt Mainz nicht. Die Mainspitze liegt gegenüber von Mainz – und das ist Wiesbadener Gebiet.
    3. Der Weihnachtsmarkt wird traditionell am Donnerstag vor dem ersten Advent eröffnet.
    4. Mainz liegt ganz sicher nicht am Mittelrhein, der beginnt bei Bingen. Insofern kann auch St. Stephan nicht die älteste gotische Hallenkirche am Mittelrhein sein – auch wenn das so (falsch) in Wikipedia steht.
    5. Es ist nicht die Große Bleiche, die die Alt- von der Neustadt trennt. Geht man nach Postleitzahlen, ist die Grenze die Kaiserstraße. Fragt man einen echten Meenzer, beginnt die Altstadt erst ab der Ludwigstraße.
    6. Im Pfeiler der Theodor-Heuss-Brücke (Brückenkopf genannt) hat mitnichten ein Jugendklub sein Zuhause. Dort ist ein Raum, den jedermann zu allen möglichen Zwecken mieten kann.
    7. Der Weinmarkt findet stets an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden statt.
    8. Der Park heißt Hartenbergpark (mit einem t).
    9. In Mainz darf auch (in Ausnahmefällen) Karneval gefeiert werden.
    10. Auch der Meenzer Handkäs‘ zählt hier zu den Nationalgerichten.
    11. Die Geschichte zum Elferrat ist eine schöne Anekdote, aber frei erfunden.
    Wie passend, dass es ausgerechnet elf Fehler in einem Text über Mainz sind…
    Helau von einem echten Meenzer

    1. Lieber Meenzer,
      wenn ich ja nicht wüsste, wer hinter dem Pseudonym steckt, könnte ich mich jetzt persönlich angegriffen fühlen 🙂
      Aber eines muss ich noch richtig stellen: du warst derjenige, der mir mehrmals schon versuchte beizubringen, dass man hier nicht Fasching oder Karneval sagt. Ich halte mich also nur an deine Tipps 🙂
      Und Handkäs‘ ist ursprünglich eine Hessische Spezialität, die die Meenzer sich unter den Nagel gerissen haben.
      Es grüßt DieReiseEule

    2. Als persönlicher Angriff ist das sicher nicht gemeint, ich meinte das als konstruktive Kritik. Glaube mir das ruhig. Wie bereits erwähnt, finde ich den Text (und vor allem Dein Engagement und Deine Begeisterung) ja gut.
      Der Handkäs kommt aus Hessen, das stimmt. Aber trotzdem ist er in Mainz Nationalgericht – die Meenzer haben ja auch weder die Fleischwurst noch das Brötchen und den Wein erfunden. 😉

    3. Du bist mir zuvorgekommen, gerade wollte ich fast das gleiche schreiben. Natürlich als konstruktive Kritik.

  2. Hey, eine coole Idee 🙂 Das mache ich. Wird zwar nicht vor September, aber lässt sich einrichten. Kaffee und Shoppen geht immer *hehe*
    Viele Grüße
    Maria

  3. Alaaf! Von einer Karnevalshochburg zur anderen 😉 Ich war noch nie in Mainz und ich glaube, die Kölner würden es mir nie verzeihen, wenn ich „den Feind“ ausgerechnet zu den tollen Tagen besuche, aber das Jahr ist lang und dein Artikel macht richtig neugierig. Mainz sieht in den Bildern sehr schön aus (besonders die Idee mit den unterschiedlichen Straßenschildern finde ich richtig niedlich) und der Artikel macht mich neugierig genug, als dass ich vielleicht ein Wochenende nach Mainz flitzen werde 🙂
    Viele Grüße
    Maria

    1. Herzlichen Dank. Und dir nochmals Danke für den Hinweis mit Canva. Bin am Experimentieren damit. Mal sehen, ob ich eines Tages durchsteige 😀

  4. Oh ja, das leckere N’Eis. Dafür habe ich auch schon „um die Ecke rum“ angestanden. Es lohnt sich wirklich. Meine Tochter hat ja studienhalber einige Zeit in Mainz gewohnt, all die wunderbaren Informationen aus diesem Blog hätte sie vorher brauchen können. 😉 Aber das N’Eis hat sie auch so gefunden. Übrigens, die schönen französischen Lehnworte kenne ich von meiner Oma, gebürtig in einer alten Hugenottenstadt mit hugenottischen Vorfahren. „Schass emol de Gickel aus em Schardeng“, auf Deutsch: Jage (chasser) mal den Hahn aus dem Garten (jardin), Portmonee, ach ja da war noch viel mehr in der Art.

  5. Ach, dat Städtchen 🙂
    Zehn Jahre da gewohnt. Und keinen einzigen Rosenmontagszug gesehen oder sehen wollen. Denn als Westfale ist das ein gruseliges Erlebnis. Jetzt war ich schon gut zehn Jahre nicht mehr da.

    Und was das „hab ich vergessen angeht“: Johannisfest. Büchermarkt. Immer gut. Wenn man Bücher mag 🙂

    1. Ich glaube, ich schreibe noch 10-12 Berichte über die Stadt, dann dürfte ich die Grundlagen alle durch haben 🙂
      Auf dem Rosenmontagszug war ich bisher auch noch nie, habe mich erfolgreich drücken können und das ist mit meinen eingeborenen Nachbarn und Freunden nicht einfach. Ich gehe immer auf den AKK Umzug und zum Tanz auf die Lu.
      Ich sehe schon, ich schreibe nächstes Jahr mal einen Fassnachtsartikel mit allen High- und Deeplights…

    2. Da hilft dann mehr Wein 😉

      En Weinberg pflege is schon schwer, en Woi zu pflege noch viel mehr,
      un schließlich sagt mer nit umsunst: „Ach Woi zu trinke is e Kunst!“
      Des erste Gläsje schmeckt noch sauer, un erst nach ziemlich langer Dauer
      getraust de dich, de letzte Troppe zu trinke von dei´m erste Schoppe.

      Un dann bestellst de der de zweite, den kannst de dann schon besser leide,
      duhst dich mit dem Geschmack versöhne und duhst dich langsam dran gewöhne!
      Beim dritte werst de awwer munter, die Backe un die Nos wer´n bunter,
      bei jedem Schluck, des merkste ständig, allmählich wird de Geist lebendig!

      Ein Wink voll Würde nach dem Wirte, un stillvergnügt bringt der de vierte.
      Bei dem – des hätt ich bald vergesse – do musst de unbedingt was esse.
      Dann duht der fünfte vor dir stehen, du kimmst uff glänzende Ideen,
      hast Einfäll´, wie noch nie im Lewe, un host noch nie gered´t wie ewe!

      Un darnach sitzt de vor dem sechste, jetzt liebst de rückhaltlos dei´n Nächste,
      dein Todfeind in normale Zeite, du redst per „du“ und kannst´n leide.
      De siebte Halwe, der is kritisch – er macht de Mensche leicht politisch,
      loß en eweck, ganz still und sachte, ihn iwwerhipp, nemm gleich de achte!

      Ein jeder wääß, zum achte Gläsje gehört dem Mensch e Spundekäsje.
      Des reizt de Gaume, stärkt de Mage – korz, mer kann widder ään vertrage.
      Des wär jetzt also schon de neunte, um dich herum sin nor noch Freunde;
      Die Gläser un des Hirn wer´n leerer, die Bää, die Köpp un Zunge schwerer.

      Un von dem zehnte un vom elfte, trinke zwä Schutzleit noch de Hälfte,
      die wolle Feierabend biete und Dich vor einem Rausch behüte.
      Wer Wein trinkt, muß vor allem wisse, dort wo de Grenz halt is , do isse;
      Mer darf en Karr´n net iwwerlade – ää Troppe mehr, des kann schun schade!

      En Weinberg pflege is schon schwer, en Woi zu pflege noch viel mehr,
      un schließlich sagt mer nit umsunst: „Ach Woi zu trinke is e Kunst!“

    3. Ich habe gerade in Erfahrung gebracht, dass es wohl von A.Gottron, dem Chefprotokoller vom MCC ist.
      Also: Vielen Dank für diese Verse (posthum) Herr Gottron!

  6. Wow, was für ein toller Beitrag. Gratulation.
    Da Meeenz meine alte Heimatstadt ist, in der meine Familie lebt, bin ich dort häufiger zu Besuch. Also, du hast die Stadt in Dir…. 🙂
    Eine Kuriosität für dich, die ich auch erst seit paar Jahren kenne. Im Haus mit dem Zeitungs-/Kaffeeverkauf gegenüber Gutenbergmuseum am Markt, stecken noch die Kanonenkugeln, mit denen die Preußen die erste Republik au f deutschem Boden zusammengeschossen haben.
    Und in der jüdischen Synagoge stand ich schon paarmal davor, habe es aber nie hinein geschafft. Den Bau finde ich sehr, sehr interessant.
    Also, immer schön in Bewegung bleiben und lasse mich lesen.
    LG Georg

    1. Vielen Dank Georg. Die Kanonenkugelgeschichte kenne ich, aber ich habe tatsächlich vergessen sie zu erwähnen. Letztlich könnte man noch mindestens 3 Artikel über Meenz schreiben und hätte immer noch etwas vergessen.

Ich freue mich über einen netten Kommentar

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