Bremen – für Anfänger

Roland, Rathaus und die Bremer Stadtmusikanten kennt nun wirklich fast jeder. Keine Frage, die gehören zu einem Ausflug in die Hansestadt auf jeden Fall dazu. Doch Bremen hat mehr zu bieten.
Geht mit mir auf Entdeckungsreise zu bekannten und unbekannteren Orten.

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Altstadt/Innenstadt

Rund um das Rathaus findet man die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt. Dazu gehört natürlich die Skulptur der berühmten Bremer Stadtmusikanten. Ein Streicheln der Schnauze des Esels soll Glück bringen. Daher glänzt sie auch golden, selbst am noch leicht neblig-trüben Morgen.

Nur wenige Meter davon entfernt steht die Roland-Statue, die, wie auch das Rathaus selbst, inzwischen zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Das Rathaus ist zur Zeit wegen Renovierungsarbeiten eingeschalt und kann von mir daher leider nicht gewürdigt werden. Es soll aber sehr hübsch sein.

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Schütting

Gegenüber des Rathauses steht der Schütting. Das imposante Gebäude gehört den Kaufleuten Bremens, ist Sitz der Handelskammer und war einst Gildehaus.  Geht man links am Haus vorbei, gelangt man vorbei an Bremens Stadtpatron St. Petrus, in die Böttcherstrasse.

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St. Petrus, Bremens Stadtpatron, vor dem Eingang zur Böttcherstrasse

Obwohl die Böttcherstrasse mit nur rund 100 Metern recht kurz ist, zählt sie wegen der Backsteinbauten, kleinen Läden und Lokalitäten und den liebevoll inszenierten Skulpturen zu den Touristenmagneten. Zu Recht! Vor dem bunten Bonbonladen leben   Kindheitserinnerungen wieder auf. Direkt vor dem Laden ist ein Brunnen  mit den Stadtmusikanten – Esel. Hund, Katze, ReiseEule. Hä? Und wo ist der Hahn? Vermutlich hatte er Ausgang, denn von ihm waren nur noch die Füße da. Kurzerhand hat die Eule – wie ihr oben im Headerbild sehen könnt – den Platz eingenommen.

Wer um 12 oder um 15 Uhr in der Böttcherstrasse ist, kommt in den Genuss des Glockenspiels. 30 Meißener Porzellanglocken spielen Seemanns- und Volkslieder. Ich habe es leider nicht gehört, da ich bereits um 9 Uhr dort war. Dafür hatte ich tourifreie Zone und konnte problemlos fotografieren.

Rechts der Rathausfront steht der evangelisch-lutherische St. Petri Dom, dessen Türme weithin sichtbar sind. An der Außenfassaden findet man interessante Details und ein reich verziertes Portal. Ein Turm kann bestiegen werden. Im Inneren findet man noch den Bleikeller. Leider war der Dom wegen einer Veranstaltung geschlossen, so dass ich nur ein paar Fotografien von außen machen konnte.

Bürgerpark und Stadtwald

Hinter Hauptbahnhof und Messe liegt in nördlicher Richtung Bremens Naherholungsgebiet, der Bürgerpark. Eine grüne Oase, mitten in der Stadt, die von unzählbaren Wegen für Fußgänger, Radfahrer und Reiter durchzogen ist. Hier kommen alle Bremer auf ihre Kosten. Neben einigen Spielplätzen, einem Tiergehege, einer Minigolfanlage und dem Ruderbootverleih, können ambitionierte Jogger auf der Finnbahn ihre Runden drehen. Der Bürgerpark wird seit seinem Bestehen von Einwohnern in Stand gehalten und finanziert.DRE_5567

Schnoorviertel

Das älteste Viertel der Stadt besticht durch enge Gassen, kleine Lädchen und knuddelige Restaurationsbetriebe, die wie an einer Schnur (Schnoor) aneinander gereiht sind. Am Wochenende quetschen sich die Besucher durch die engen Gassen und bewundern die Auslagen. Für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer ist das Viertel nur bedingt geeignet. Im Schnoor haben die Läden im Sommer auch sonntags geöffnet.

Empfehlenswert ist ganzjährig ein Besuch der Weihnachtsträume von Victoria & Olaf. Es glitzert und blinkt. Ein liebevoll geschmückter Weihnachtsbaum lässt vom nächsten Fest träumen. Außergewöhnliche Kugeln und Baumanhänger zu fairen Preisen können erst beim zweiten Blick erfasst werden. Ein wahres Weihnachtsparadies.

Die Inhaberin hat sich gerne auf ein Schwätzchen mit mir eingelassen und mir die Erlaubnis erteilt, den Baum und die Fassade zu fotografieren. Vielen, lieben Dank! Leider stürmen einige Passanten einfach in den Laden und zücken ungefragt die Kamera. Dieser Laden kann nur überleben, weil er ein unkonventionelles Angebot anbietet. Daher kann ich nur raten, nicht nur zu schauen, sondern auch einzukaufen. Ein Baumhänger in Taschenform kann auch zu einem ungewöhnlichen Gutschein für einen Musicalbesuch umfunktioniert werden. Kreative Ideen bekommt man auf Nachfrage gleich mitgeliefert.

Schlachte

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Als ich diesen Namen das erste Mal hörte, stellte ich mir einen Schlachthof oder ähnliches vor. Die Schlachte ist jedoch die Uferpromenade an der Weser. Früher legten hier Schiffe an, wurden be- und entladen. Heute säumen Kneipen und Restaurants die Promenade. Der Name Schlachte leitet sich vom niederdeutschen slait, was eingeschlagen (die Pfähle am Flussufer) bedeutet, ab.

Hier findet man neben einigen Hotelbetrieben auch die Jugendherberge. Wer es noch  ungewöhnlicher mag, mietet sich ein Zimmer auf dem Hotelschiff Perle an und kann sich in den Schlaf schaukeln lassen. Von März bis Dezember findet entlang der Weser samstags immer ein Floh- und Trödelmarkt statt.

Nur wenige Meter um die Ecke, direkt vor dem Gebäude des Radio Bremen steht eine Nachbildung von Loriot’s Sofa mit Mops. Ein beliebter Platz zum Verweilen.

Überseestadt

Geht oder radelt man am Weserufer weiter, vorbei an der Stephanikirche, landet man in der Überseestadt. Dieses Gebiet befindet sich im Umbau. Früher wurden hier Schiffe entladen, Waren gelagert und verschifft. Riesige Hallen und Speicher zeugen davon. Inzwischen wurde hier moderner Wohnraum am Europahafen geschaffen. Ein wenig erinnert mich das Revier an Hamburgs Speicherstadt. Noch sind hier etliche Baustellen, aber man kann schon sehr gut erkennen, dass dies eine interessante Wohngegend sein wird.

Das Projekt der Umgestaltung soll bis 2025 abgeschlossen sein und wird rund 350 Millionen Euro Entwicklungskosten und etwa 1 Milliarde Euro Privatinvestitionen verschlingen. DRE_5668

Im Europahafen liegt momentan noch die Alexander von Humboldt vor Anker – die kennt man mit ihren grünen Segeln aus der Bierwerbung. Demnächst soll sie direkt an die Schlachte gebracht werden.

Ein bunter Mix von Unternehmen, Privatleuten, Kultur und Gastronomie hat sich bereits in der Überseestadt angesiedelt. Böse Zungen behaupten, es sei ein reines Wohngebiet für reiche Singles. Dagegen spricht, dass sich die Städteplaner Gedanken gemacht haben, was in ein attraktives Siedlungsgebiet für Familien gehört. Es gibt Spielplätze und eine große, moderne Skateranlage, die keine Wünsche offen lässt.

Am Ende des Weges, nach ca. 3,5 km Uferpromenade, gelangt man zum Fähranleger und zum Molenturm.

Und sonst noch?

Leider hatte ich nur den Samstag und den halben Sonntag für meinen Kurztrip. Ich bin mal wieder viel gelaufen ( ~ 40 km), um mir einen groben Überblick zu verschaffen. Das Wetter war nicht so ganz auf meiner Seite. Zweimal bin ich pitschnass geworden. Spaß hatte ich trotzdem.

Mehrere Stunden habe ich noch im Universum Bremen verbracht. Das interaktive Museum und die Sonderausstellung waren ein Highlight. Daher widme ich diesem Bericht einen eigenen Artikel.

Mit dem Zug habe ich Bremen von Wiesbaden/Mainz aus in 5 Stunden erreicht (zumindest auf der Hinfahrt). Übernachtet habe ich im Gästehaus Das Kremer, nur einen Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt. Für zwei Nächte war es günstig und vollkommen ausreichend, allerdings an zwei Hauptverkehrsadern gelegen. Nichts für lärmempfindliche.

Meine Rückfahrt zuckelte und ruckelte mal wieder etwas. Von 5 Minuten Verspätung bei Abfahrt, steigerten wir uns auf 30 Minuten bei Ankunft in Frankfurt. Dafür habe ich mal wieder meine Mitreisenden näher kennen gelernt. Und ich war das erste Mal in der DB Lounge, denn ich hatte ein 1. Klasse Sparpreisticket ergattern können, welches den Zutritt genehmigt. Kostenlose Getränke und Zeitungen, bequeme Sitzmöbel und eine freundliche Atmosphäre lassen grüßen.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder aus der Hansestadt. An jeder Ecke findet man Sitzgelegenheiten und Skulpturen.

 

12 Kommentare zu „Bremen – für Anfänger

    1. Sei versichert: ich trage die Eule hoffentlich noch ganz viel irgendwo hin. Lüneburg, Neuseeland, Namibia oder nur mal um die Ecke ins Feld 🙂 (was aber nicht heißt, dass ich die Eule um die Ecke bringe, du verstehst…!?)

  1. Das ist ein toller Bericht. Da sieht man, dass sich ein längerer Aufenthalt lohnt! Wir waren nur knapp 3 Std. in Bremen und haben viel zu wenig gesehen. Wenn ich mir deine Bilder ansehe, dann muss unbedingt mal ein W.E. dafür eingeplant werden 🙂 Und ich stimme Sigrid (oben) zu: Die Tipps anderer Reisender sind oft wertvoller als ein Reiseführer! Du stehst dem in nichts nach.
    VG
    Iris

    1. 3 Std. sind wirklich zu kurz. Plane Bremen ruhig mal ein. Und ich mag auch gerne Tipps von anderen Bloggern, weil sie oft Plätze beleuchten, die man sonst nicht wahrnähme.

  2. Ein sehr schöner Bericht. Wir sind ja an Bremen vorbei gefahren und wie ich sehe, hätte sich auch ein Besuch gelohnt. Du hast wirklich tolle Fotos mitgebracht. Vielen Dank und deine Beschreibung könnte man glatt als „Reiseführer“ benutzen. Super! LG ☼Sigrid☼

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