Warum in die Ferne schweifen…

Warum in die Ferne schweifen, wenn die Nähe viel näher ist? Eine berechtigte Frage. Steht doch bereits meine  vierte Kurzreise für dieses Jahr vor der Tür. Ich/Wir könnte/n doch einfach zu Hause bleiben, dass wäre günstiger und umweltverträglicher. Nur, würde mir/uns dann nicht auch etwas entgehen? Wäre das Leben langweiliger und einfallsloser?

Jessica von Yummy Travel hat zu einer packenden Blogparade zu diesem Thema aufgerufen und ein paar Fragen formuliert, die als Schreibhilfe dienen können.

  • Warum bist du ein Reisender?
  • Was macht den Reiz für dich aus?
  • Ist es für dich eine Alternative, dein Reiseverhalten einzuschränken?
  • Hat sich dein Reiseverhalten jemals geändert?
  • Kennst du Menschen, die sich selbst einsperren?
  • Lässt du dich z.B. durch Medienberichte abschrecken?
  • Können wir noch etwas optimieren?
  • und und und …

Daraus habe ich mein Reisealphabet entwickelt, in dem ich kurz erkläre, was mich am Reisen fasziniert, was mich antreibt und warum ich mich dem nicht entziehen will.

Augen auf – den Sternen entgegen. Und wenn schon nicht zu den Sternen, dann wenigstens anderen Ländern, Kulturen, Menschen mit offenen Augen begegnen

Berichte schreiben – ich schreibe gerne, aber bisher hielt ich es immer für ein sinnloses Unterfangen, weil es außer mir niemand gelesen hat. Wie oft nimmt man sich selbst die Notizen nochmal vor? Das Internet/Der Blog bietet hier eine wunderbare Möglichkeit, die Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen. Anfangs war es nur für Freunde gedacht, die mich recht bald dazu ermutigten, auch andere an meinen geistigen Ergüssen teilhaben zu lassen.

Chronisches Fernweh – dieses verspürte ich schon in meiner Jugend, konnte dem aber nur sehr eingeschränkt nachgehen. Ich fuhr gerne auf Klassenfahrten, nahm am Schüleraustausch teil und fühlte mich auf Reisen und Ausflügen uneingeschränkt und befreit. Je älter ich wurde, desto mehr wollte ich von der Welt sehen. Erdkunde war eines meiner Lieblingsfächer in der Schule.

Dankbarkeit – ich lebe in einem Land, dass mir viel bietet. Wir Deutschen können uns glücklich schätzen, dass wir fast alle Länder dieser Welt mit unserem Ausweis ohne größere Probleme bereisen können. Auch wenn ich beruflich nicht gerade zu den Topverdienern zähle, kann ich mir meine Reisen leisten. Mal kleinere, mal größere. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Entschleunigung/Entspannung – unterwegs bin ich entspannt und gelassener als daheim. Als impulsiver Mensch brauche ich diese entschleunigenden Auszeiten. Es gab Jahre, da nahm ich mir diese nicht und das führte dazu, dass mir mein Immunsystem ganz klar meine Grenzen aufzeigte.

Freiheit – Reisen ist Freiheit. Ungebundenheit. In den Tag hinein leben. Offen sein für Eindrücke, Farben, Formen, Gerüche….

Grenzen erfahren – und darüber hinaus gehen. Dinge ausprobieren, die ich mich zu Hause nicht traue. Einfach, weil es gerade passt oder weil ich in einer Situation stecke, bei der aufgeben keine Perspektive bietet. Daran wächst man dann über sich hinaus und lernt sich selbst neu kennen. Wir können mehr, als wir uns selbst zutrauen. Selbst die Erkenntnis, dass man an die persönliche Grenze stößt und scheitert, führt nicht ultimativ zu einem negativen Erlebnis, sondern stärkt das Selbstbewusstsein, weil man nun die eigenen Eingrenzung abgesteckt hat.

Herausforderungen annehmen – situativ muss und will ich mich Neuem öffnen.

Ideenlosigkeit – im Alltag, Kreativität in der Warteschleife…da hilft nur Urlaub, um frisch motiviert und inspiriert an die Arbeit und tägliche Gewohnheiten heran zu gehen.

Jäher Lebenseinschnitt – dieser hat bei mir dazu geführt, dass mein Lebensinhalt von heute auf morgen wegbrach. Ich musste plötzlich neue Ziele finden und mein Leben wieder in den Griff kriegen. Meine Australienreise bot mir hier die Möglichkeit, aus der Ferne mein Leben neu zu bewerten und (Lebens)Ziele zu finden und zu definieren. Reisen gehört zu meinem „neuen“ Leben dazu.

Komfortzone verlassen – jeder muss für sich selbst entscheiden, wie wohl er sich in seinem Gemütlichkeitsdistrikt fühlt. Gelegentlich bietet dieser Halt und Struktur und es ist angenehm, sich keine Gedanken machen zu müssen, weil alles in gewohnten Bahnen läuft. Aber die „Raubkatze“ in mir bricht immer wieder hervor und fährt ihre Krallen aus. Die Zone zu verlassen löst Respekt und Furcht aus, erfordert Mut, aber die Veränderung im Inneren, die sie bewirkt und die Stärkung des Selbstbewusstseins wiegen alles wieder auf.

Liebe zu anderen Kulturen – egal, ob es um kulinarische Erfahrungen, religiöse Ansichten oder kulturelle Sehenswürdigkeiten geht: ich möchte mich nicht einengen und festlegen lassen und öffne mich.

Medienberichte – über Flugzeugabstürze, politischen Fanatismus oder Naturkatastrophen beeinflussen mich schon. Es gibt Länder, in die ich momentan nicht reisen würde, aber schlussendlich lasse ich mich von meinem Reisedrang nicht abhalten, wähle aber gezielt aus, was ich mir zutraue ohne blauäugig in eine „absehbare“ Gefahrensituation zu gelangen.

Naturwunder – gibt es in Deutschland genau wie in allen anderen Ländern. Man erkennt sie nicht immer auf Anhieb, aber die kleinen Details lassen mich dennoch ehrfürchtig und demütig werden. Mich fasziniert immer und immer wieder, wie viele Nuancen von Grün es in der Natur gibt. Oder, dass Wasserfälle nicht versiegen, der Himmel in verschiedenen Blautönen erstrahlt, die Sterne des Nachts leuchten und Ruhe vermitteln….

Optimal – ist das Verhältnis von Reisen durch die Heimat und Fernzielen. Ich mag Deutschland und seine Menschen, aber ich mag auch das Ausland.

Persönlichkeit entwickeln – kann man auf Reisen besonders gut, denn man muss sich ständig neuen Situationen und Herausforderungen stellen. Dadurch lernt man sich selbst besser kennen und verändert sich.

Querulant – bin ich. Keine Frage. Unangepasst, unbezähmbar, kreative Chaotin, Eigenbrötlerin, Sturheitsexpertin. Doch versuche ich, stets ein Lächeln zu erübrigen und Warmherzigkeit zu verströmen. Leider bleibt es manchmal nur beim Versuch, was mich traurig macht. Aber ich arbeite an mir.

ReiseEule – sie begleitet mich seit 2015 auf den Touren im In- und Ausland. Früher hatte ich ein anderes, undefinierbares Stofftier mit Namen Poppel, welches ich einstmals geschenkt bekam. Da der Schenker und ich aber seit geraumer Zeit getrennte Wege gehen, mochte ich nicht dauerhaft auf den Reisen daran erinnert werden. Als ich letztes Jahr mit einer Freundin in Leipzig war, zwinkerte mich die ReiseEule mit ihrem rechten Auge an und ich konnte nicht widerstehen. Sie musste mit.

Stillstand – oder Fortbewegung. Verreisen oder daheim bleiben. Rückblende oder Vorschau. Haben oder vermissen. Das ist keine Frage. Ein Leben ohne Reisen ist möglich, erscheint mir aber nicht erstrebenswert. Das ganze Dasein ist eine genüssliche Reise. Weggehen und zurück kommen. Mit offenen Armen empfangen werden. Ankommen. Fallen lassen.

Toleranz – Engstirnigkeit gegenüber fremden Nationen fördert m. E. Kriege. Wer individual reist, kann sich das nicht leisten. Man geht viel offener auf Menschen zu. Denn die Welt ist voller bunter Vögel, man sollte sich einfach mal drauf einlassen und wird sagenhafte Begegnungen haben.

Unterschiede – und Gemeinsamkeiten. Eine Münze, zwei Seiten. Menschen sind unterschiedlich und haben je nach Land unterschiedliche Ansichten und Lebensweisen und dennoch gibt es auch Gemeinsamkeiten. Ein Lächeln bildet weltweit eine Brücke zueinander. Da spielt weder Konfession noch Hautfarbe eine Rolle. Unterschiede hingegen inspirieren mich, das eigene Tun und Handeln zu hinterfragen und zu überdenken.

Verkehrsmittel – die Wahl des Verkehrsmittels hängt sehr davon ab, wohin man reisen möchte. Fliegen nehme ich in Kauf, um am Rand der Welt stehen zu können, begeistert mich aber wegen meiner Flugangst nicht. Zumal es ökologisch bedenklich ist. Ich selbst gehe sehr gerne zu Fuss (obwohl es sich hier nicht um ein Verkehrsmittel handelt), liebe Zugfahrten (hier springt immer einer gute Geschichte bei raus) und Schiffsreisen (weil es so schön ist, sich bei Windstärke 7 sanft in den Schlaf schaukeln zu lassen), nutze innerhalb Deutschlands auch das Auto und kann Bustouren wenig bis gar nichts abgewinnen.

Warmherzigkeit – bisher habe ich viele Menschen aller Nationen mit offenen Armen und Augen auf mich zukommen sehen. Sie brachten mir ihren Charme und ihre Warmherzigkeit entgegen, obwohl ich oft selbst eher skeptisch auf Gespräche eingehe. Dennoch versuche ich diese Offenheit in mein Heimatland mitzunehmen und ebenso warmherzig auf Andere zuzugehen. Auch wenn mir das nicht immer gelingt.

Xanthippe – zänkisch bin ich, wenn es mir langweilig ist. Reisen ist nie langweilig. Jeder Tag ist ein kleines Abenteuer.

Yamoussoukro und Yangtsekiang – wie ich oben schon schrieb, gehörte Geografie zu meinen Lieblingsfächern in der Schule. Exotische Namen von Hauptstädten und Flüssen faszinierten mich, ich lernte sie freiwillig auswendig und wollte vor meinem inneren Auge die passenden Bilder dazu haben. Mir bleiben Bilder am besten im Gedächtnis, wenn ich selbst dort war.

Zu Hause bleiben – ist keine Option!

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© DieReiseEule, 6/2016

10 Kommentare zu „Warum in die Ferne schweifen…

  1. Casa Selvanegra sagt:Ja schon nur fehlen mir heutzutage die Reisemöglichkeiten. Hallo, Casa, die Frage die ich mir stelle ist: wie kann ich mit meiner schlechten Gesundheit und mit meiner kleinen Frührente noch schöne Reisen erleben. Auf den Campingplatz Holzhütten ab 20 € mieten oder schlafen im Heu ab 14 €. Mit dem Sparpreis der Bahn, Mitfahrgelegenheit u.s.w. reisen. Ich denke wer sich fragt wie es nicht geht wird nie die unermesliche Weite spüren. Schöne Grüssle Jens.

    1. Man muss ja nicht bis nach Australien. Manchmal „treibe“ ich mich auch nur im Nachbarort Rum und entdeckte dennoch Neues. Man muss sich nur darauf einlassen.

    1. Vielen, lieben Dank, Nina.
      Ich freue mich, wenn du immer mal vorbeischaust. Diese Woche soll noch mein Barcelonabericht online gehen. Falls du dich als Follower angemeldet hast, bekommst du sofort eine generierte Email.
      Es grüßt
      DieReiseEule

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