Nach Berlin an einem Freitag, dem 13ten

Freitag der Dreizehnte! Mythen ranken sich um dieses Datum. Die Einen sagen, es sei alles Aberglaube und Humbug, die Anderen sind überzeugt davon, dass es am besten wäre, diesem Tag zu Hause im Bett zu verbringen. Ich habe so meinen persönlichen Disput mit der Zahl 13, nicht unbedingt in Verbindung mit dem Freitag, aber….

Dennoch stand fest, ich werde an diesem Abend von Frankfurt nach Berlin fliegen. Ich wäre lieber mit der Bahn gereist. Ging aber nicht. Das hatte berufliche und private Gründe. Nun also gut. Ein weiteres Mal sollte meine Angst vor der Fliegerei auf die Probe gestellt werden.

Abflug LH 200 sollte um 19.45 Uhr sein. Sollte – das impliziert bereits, dass die Uhrzeit nicht hin kam. Ein Freund fuhr mich zum Flughafen. Kaum dort angekommen, erhielt ich eine Nachricht über die App, dass sich der Flug auf Grund von starken Regenfällen eine Stunde nach hinten verschieben würde. Ich passierte die Sicherheitskontrollen (an denen sich Freitag Abends länger Schlangen bilden) und begab mich ins Innere des Flughafens zu einer Anzeigetafel, denn auf einmal stand keine Gatenummer mehr dran. A 09 war wohl wegen der Verzögerung gecancelt worden.

30 min. später kam die nächste Benachrichtigung auf der App an: Abflug erneut verschoben auf 21 Uhr. (Hier mal ein kurzes Lob an die LH App – die Meldung über Verspätung und Gatewechsel funktioniert wirklich hervorragend – die über den verschobenen Sitzplatz leider nicht). Nach einer zusätzlichen Viertelstunde kam die Nachricht über das neue Gate: A 13! Ahhhhh! Gate 13 am Freitag, den 13ten! Ich gebe zu, dass ich kurz versucht war die komplette Reise abzubrechen.

Airport
Rhein-Main Flughafen Frankfurt bei Nacht

Ich begab mich also ans Gate und das dort abgestellte Personal hatte alle Hände voll zu tun, um die Passagiere zu beruhigen und teilweise auf andere Flüge umzubuchen. Aber auch unsere Flieger wurde mit gestrandeten Menschen bis auf den letzten Platz aufgefüllt. Durch die Schlechtwetterfront wurden etwa 60 Flüge komplett abgesagt.

Inzwischen hatte sich die App zum dritten Mal gemeldet und die Abflugzeit auf 21.20 Uhr festgesetzt. Unsere Maschine landete etwa gegen 21 Uhr und dockte an der Gangway an. An der Gangway nebenan hielt dann eine Lufthansa im Retrolook. Sehr schön anzuschauen und meines Erachtens viel hübscher als das aktuelle Design.

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Lufthansa im Retrodesign

Etwa ab 21.15 Uhr durften wir endlich einsteigen. Inzwischen war es dunkel geworden, dafür hatte der Regen aufgehört. Eine halbe Stunde später wurde die Maschine dann rausgeschoben und konnte endlich – zwei Stunden verspätet – nach Berlin starten. Der Flug verlief dafür sehr ruhig und war einer meiner entspanntesten, wenn nicht sogar der entspannteste überhaupt.

Am nächsten Tag ging es früh morgens in den Friedrichstadtpalast, den ich bisher nur aus dem (DDR) Fernsehen kannte. Hier wurde die berühmte Fernsehshow Ein Kessel Buntes aufgezeichnet. Viele Persönlichkeiten  und Ensembles aus Unterhaltung (Hape Kerkeling, Johannes Heester…), Musik (Howard Carpendale, Joe Cocker…) und Politik (Angela Merkel, Michail Gorbatschow…) haben Spuren auf der größten Theaterbühne der Welt hinterlassen.

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Friedrichstadtpalast Berlin

Die Bühnentechnik ist grandios: Sternenhimmel in changierenden Farben, Licht- und Soundeffekt. Hier würde ich mir gerne mal eine Schau ansehen, doch heute hatte mein Patenkind geladen. An diesem Tag ging es um Jugendliche, die in den Stand der Erwachsenenwelt aufgenommen werden sollten. Einige kennen die Jugendweihe vielleicht noch aus der DDR-Ära. Die Feier wurde durch ein Rahmenprogramm stil- und humorvoll umrandet. Überraschungsgastredner war Gregor Gysi. Hochkarätige Tanz- und Gesangseinlagen rundeten die zweistündige Feier ab.

Danach folge die Familienfeier, auf die ich nicht eingehe. Abends marschierten wir noch in die Innenstadt. Am Alexanderplatz stiegen wir in einen der Busse ein, die Stadtrundfahrten anbieten. Daher sind die folgenden Fotos qualitativ eingeschränkt.

Beinahe wäre ich meiner Gastgebergruppe verloren gegangen. Wie es dazu kam? Der Bus machte am Brandenburger Tor einen Stop. Der Fahrer sagte durch, dass es nach 10 Minuten weiter geht. Ich nutzte die Pause, um einen der schönen Kanaldeckel, den ehemaligen Mauerverlauf und den Reichstag zu fotografieren. Da sah ich, dass sich der Bus schon in Bewegung setze (obwohl noch keine 10 min um waren). Meine Gastgeber, die in der oberen Etage saßen, flitzen runter und baten den Fahrer, mich noch einzusammeln. Dieser hatte zum Glück gute Laune, da der Feierabend bevor stand und nahm mich nach 20 Metern mit. „Immer diese Touri’s“ wurde zum running-gag des Wochenendes.

Am Ku’damm endete die Fahrt. Nun ging es per pedes, mit einem Abstecher ins Europa Center, zurück zum Alexanderplatz. Fasziniert hat mich im Einkaufszentrum insbesondere die Uhr der fließenden Zeit , bei der sich Glaskugeln mit eingefärbten Wasser füllen.

Den Sonntag nutzen wir, trotz wechselnder Wetterbedingungen zu einem weiteren Rundgang durch Berlin’s Mitte. Ziel war das Panometer am Checkpoint Charlie. Das Mauerpanorama im Rundbau zeigt in beeindruckender Weise die Geschichte einer geteilten Stadt.

Abends ging es mit Lufthansa wieder zurück nach Frankfurt. Muss ich erwähnen, dass es wieder nicht rund lief? 😉

Zwei Passagiere hatten ihr Gepäck eingecheckt, kamen aber nicht pünktlich ans Gate. Darauf hin gab der Kapitän durch, dass deren Gepäck nun wieder ausgeladen würde. Kurz danach erschienen die beiden doch noch. Ob das Gepäck schon ausgeladen war und/oder wieder eingeladen wurde, weiß ich nicht. Auf der Startbahn herrschte Wind, so dass der Abflug recht schwankend war. Wie auch der Rest des Fluges. Die Armlehne musste einiges aushalten. Fliegen wird wohl nie mein Hobby werden.

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Zum Abschluss noch eine Ansicht der Lufthansa im Retrolook

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