Wie man mehr Tipps für weniger Geld bekommt

Geschichte Nummer 1: Die Deutsche Bahn

Ich liebe den deutschen Charme, besonders im Servicebereich. Ja, wirklich! Wieviel trauriger wäre das Leben hierzulande, wenn man es nicht mit Behörden, Ämtern und Servicepersonal zu tun hätte.

Bereits letztes Jahr habe ich einige erheiternde Erfahrungen mit der Deutschen Bahn gemacht. Man kriegt da richtig was für sein Geld geboten. Zweimal bekam ich ein Upgrade – die große Hessenrundfahrt. Statt aus dem Osten Deutschlands den direkten Weg über Fulda nach Frankfurt zu fahren, durfte ich in nördlicher Richtung abbiegen und den idyllischeren Weg über Kassel-Wilhelmhöhe mit direktem Blick zum Herkules nehmen.

Bei einer dieser Fahrten kam ich mit einem umtriebigen, sympatischen Professor der Universität Mainz ins Gespräch. Er stieg vor mir ein, hatte den Fensterplatz neben mir reserviert und brauchte eine Weile, seine Habseligkeiten zu ordnen und den Koffer in der Ablage zu drapieren. Geduldig wartete ich bis er sich setzte und trat ihm prompt auf die Füße, die er nicht schnell genug zu sich genommen hatte.

Natürlich entschuldigte ich mich und überspielte das Ganze mit einen Lächeln und dem flotten Spruch: „Es tut mir leid. Aber ich habe das mit Absicht gemacht, damit ich mit ihnen ins Gespräch kommen kann. Sonst ist die Fahrt so lang“. Keine Ahnung was mich da geritten hatte, aber er nahm das humorvoll auf und bestätigte mir, so noch nie „angemacht“ worden zu sein.

Bis Eisenach verlief die Fahrt ohne weitere Zwischenfälle, wenn man mal von der Umtriebigkeit meines Sitznachbarn absieht, der mehrmals raus und rein mochte. Ob das wohl die Retourkutsche war?

Kurz hinter Eisenach kam dann die Borddurchsage, dass der Zug wegen eines Oberleitungsschadens umgeleitet werden müsse. Das löste einen spontanen Lachanfall bei mir aus, weil keine meiner Bahnreisen 2015 planmäßig verlief.

Der Herr erklärte mir dann, dass er wöchentlich zwischen Leipzig und Frankfurt pendele, ihm sei das aber noch nie passiert. Jedenfalls „verbrüderten“ wir uns und tranken zusammen einen Rotwein aus dem Bordbistro. Danke an den Spender!

Leipzig 111
ReiseRotwein

Geschichte Nummer 2: Die Deutsche Post

Heute nun erhielt ich charmanterweise einen Tipp auf der örtlichen Post, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Sicher ist er brandneu, noch vollkommen postfrisch, wie eine ungestempelte Briefmarke und ihr werdet mir auf ewig dankbar sein, dass ich ihn öffentlich gemacht habe.

Ich: „Was kostet bitte ein Brief nach Australien und wie lange dauert es etwa, bis er ankommt?“ Postillion: „Kostet 90 Cent, wie alle Auslandsbriefe unter 20 Gramm. Dauert mindestens 4 Wochen, manchmal auch länger.“ Ich: „Gibt es außer Luftpost auch noch eine schnellere Möglichkeit?“ Postillion: „Schicken sie ’ne Email. Ist billiger und sofort da.“

Aha, und wozu habe ich dann Abzüge von den Fotos machen lassen und mich tagelang hingesetzt, um einen Brief in schlechtestem Englisch zu verfassen? Da hätte ich auch gleich translate.google.de bemühen können, wobei dann sowas rauskommt:

Hello. Finally I find the time to write to you . I felt very comfortable with you, 
and would stay here again someday . Especially me your peacock is remembered . 
A photo I added .
Your hospitality is unsurpassed . Thanks again .
Love Ostergrüße
DieReiseEule

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Da hält sich die ReiseEule lieber die Ohren zu

Geschichte Nummer 3: Die Nordhessen – Das Blumenhaus

Apropos: seid ihr schon mal in Nordhessen gewesen? Die Ureinwohner haben einen ganz besonders frostigen, herzerfrischenden Humor (die verziehen keine Miene dabei, Hut ab!). Sie sind keine Freunde vieler Worte. Die meisten Gespräche auf der Strasse laufen so ab: „Un‘?“ „Muss. Un‘ du?“ „Jo“. Fertig.

Als meine Mutter vor zwei Jahren starb, ging ich mit meiner Schwester (die die Geschichte gar nicht so witzig findet wie ich, wahrscheinlich weil sie dort wohnt und das ihr täglich Brot ist) ins städtische Blumengeschäft, um ein Bouquet für den Sarg zu ordern.

Wir:Wir brauchen ein Blumenarrangement für den Sarg.“ Blumenfee: „Wann ist denn die Beerdigung?“ Wir: „Am Montag.“ Blumenfee: „Nö! Da gibt’s nix.“ Wir beide schauen uns gegenseitig begröppelt in die entgleitenden Gesichtszüge, setzen dann zur Gegenfrage an: „Warum nicht?“ Blumenfee: „Montags wird nicht beerdigt.“

Wir orderten gelbe Gerbera und violette Blumen in den Lieblingsfarben von Mama. Blumenfee: „Normalerweise nehmen wir rote und weiße Nelken.“ Ich: „Die wollen wir aber nicht. Wenn man Nelken auf dem Grab hat, dann ist man echt tot. Nelken würde ich nur für jemand nehmen, den ich nicht leiden konnte.“

Die Nordhessen – Die Zeitungsanzeige

Weiter ging es zur Zeitung, um eine Annonce aufzugeben. Obwohl sichtbar mehrere Angestellte durch den Laden stapften, ignorierte man uns gekonnt eine Viertelstunde lang. Dann endlich lies sich Frau Z. dazu herab, uns wahrzunehmen.

Wir äußerten also den Wunsch nach einer Totenanzeige. Sie zeigte uns mehrere Möglichkeiten auf. Wir entschieden uns recht schnell, was Form und Farbe anging. Wir: „Die Schrift gefällt uns nicht, wir hätten gerne eine Andere, etwas moderner und etwas kleiner.“ Frau Z.: „Nehmen sie doch die Schrift, die ist doch auch schön und dann muss ich nichts ändern. Das ist so kompliziert.“ (Also, ich bin echt weit entfernt vom PC-Profi, aber selbst ich kann die Schriftart mit zwei Klicks ändern) Wir: „Nein, wir wollen die Schrift nicht, die gefällt uns nicht. Außerdem wollen wir unter dem Geburtstag den Geburtsort und unter dem Todestag den Sterbeort haben.“ Frau Z.: „Ja. Das ist machbar.“

– Oh Wunder, kaum traut man ihr was zu, schon läuft sie zu Hochform auf? „Wie heißt denn der Geburtsort?“ Wir: „W….-B….“ Frau Z.: „Den Ort gibt es gar nicht. Den kenn ich nicht.“ Sie muss ja nicht alles kennen. Meine Mutter wurde da urkundlich nachgewiesen geboren – und selbst wenn es sich so verhalten sollte, wie man es Bielefeld nachsagt, welches es angeblich auch gar nicht gibt, steht es schwarz auf weiß in ihrer Geburtsurkunde.

Um die arme Frau dann noch vollends um den Verstand zu bringen, wollten wir auch noch das Familienwappen integriert haben, weil das meiner Mutter immer sehr wichtig war. Wir hatten es schon bearbeitet und auf einen USB-Stick gezogen. Auch das entlockte Frau Z. keine Jubelschreie. Sie brachte noch ein gemurmeltes: „Sie haben aber viele Sonderwünsche.“ hervor. Entschuldigung, aber die Anzeige hat uns letztlich über € 400,- gekostet – was ich unverschämt finde, denn für den Preis hätte ich erwartet, dass man eine komplette Seite ausfüllt und nicht nur eine Anzeige im Format von ca. 10 x 15cm bekommt – da kann ich ein bissel Kooperation wohl erwarten.

Zwei Stunden später sendete sie uns den Korrekturabzug per Email zu. Schriftart: Standard, Größe: Standard, Geburts- und Sterbeort: unerwähnt, Wappen: rechts statt links und schwarz/weiß statt Sepia. Meine Schwester reklamierte, wir bekamen Entwurf Zwei und Drei und schon der Vierte Entwurf entsprach den Vorgaben.

So, wer jetzt denkt, die Geschichte ist fertig, irrt sich. Wie gut, dass man wenigstens keine Zeit für Trauer hat, weil man so gut abgelenkt wird. Wahrscheinlich steckt Strategie dahinter…

Die Nordhessen – Der Leichenschmaus

Weiter ging es zur Suche nach einem Raum für den Beerdigungskaffee, da wir eine sehr vielzählige Verwandschaft haben. Restaurant Nr. 1 direkt neben dem Friedhof: „Wir machen keine Beerdingungen mehr.“ Cafe Nr. 2: „Montags haben wir geschlossen.“ Hotel Nr. 3: „An Beerdigungen verdienen wir nicht genug.“ Cafe Nr. 4: „Wir machen nur Familienfeiern. Beerdigung ist ja kein freudiger Anlass.“ Letztlich buchten wir den Nebenraum der innenstädtischen Bäckerei, die das übrigens sehr schön arrangiert hatten.

Noch eine letzte nordhessische Anekdote – Die Metzgerei

Ich bin zu Besuch bei meiner Schwester. Wir gehen zusammen in den Supermarkt einkaufen. Man muss dazu sagen, dass meine Schwester meist erst abends dazu kommt. Es ist also ca. 19 Uhr, der Supermarkt hat bis 20 Uhr geöffnet. Einige Lebensmittel wandern in den Einkaufswagen. Dann geht es an die Fleischtheke. Hier steht kein Mensch, aber man muss eine Nummer ziehen, sonst wird man nicht bedient.

Wir kommen auch sofort dran. Meine Schwester möchte von einer bestimmten Salami 200g haben. Man sieht schon, dass die aufgeschnittene Menge das nicht hergibt. Die Metzgersdame wiegt und sagt: „Sind nur 100g.“ Schwester: „Ich hätte gerne die doppelte Menge. Können sie mir noch was aufschneiden?“ Metzgersdame: “ Nö. Ich hab‘ das Messer schon sauber gemacht. Da schneide ich nix mehr auf.“

Schwester entscheidet sich dann für eine Zweitsalami – halb so schlimm. Sie möchte dann noch Rouladen kaufen. Metzgersdame: „Die sind schon in der Kühlung. Da nehmen sie halt Schnitzel, die schmecken auch.“

 

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