Melsungen

Melsungen an der Fulda. Meine alte Heimatstadt in Nordhessen. Früher war Melsungen Kreisstadt, bis der Altkreis Melsungen im Schwalm-Eder-Kreis aufging. Viele Einwohner trauerten ihrem Kfz-Kennzeichen MEG nach. Nun ist es endlich wieder möglich, dies zu beantragen und das wird rege genutzt.

Die Stadt schmiegt sich in einen Talkessel des Kurhessischen Berglandes. Wer den Ort erkunden will, sollte einigermaßen gut zu Fuß sein, denn hier gibt es ziemlich steile Straßen und Wege. Mountainbiker werden hier ihre helle Freude haben. Nur die Innenstadt mit dem historischen Fachwerk-Rathaus ist ebenerdig, wenn man vom Kopfsteinpflaster absieht.

Melsunger Fachwerkrathaus
Melsunger Fachwerkrathaus

Liebe Damen: Highheels könnt ihr getrost zu Hause lassen. Damit werdet ihr hier keine Freude haben.

Täglich um 12 und um 18 Uhr lohnt sich ein Blick nach oben. Dann kommt aus dem Turm des Rathauses der Bartenwetzer heraus. Schon immer war die Stadt von Wald umgeben. Die Holzfäller zogen mit ihren Barten (kleine Äxte) dort hin. Zum Schärfen (wetzen) wurden die Steine der Bartenwetzerbrücke genutzt. Noch heute sieht man die Spuren davon. Kaum vorstellbar, dass in meiner Kindheit diese Brücke die Zufahrtsstraße in die Innenstadt war. Heute ist sie wieder eine reine Fußgängerbrücke.

Bartenwetzer3
DieReiseEule trifft den Bartenwetzer

Rund um den Marktplatz stehen Fachwerkhäuser – eines schöner wie das andere. In den 1970er Jahren war an vielen Häusern das Fachwerk mit Schindeln überdeckt oder überstrichen. Im Rahmen des Hessentages 1987 wurde es wieder frei gelegt. Eine Augenweide!

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In der verkehrsberuhigten Innenstadtzone findet man etliche kleine, süße Geschäfte, Boutiquen und Cafe’s. Besonders empfehlen kann ich den Besuch der Gaststätte „Kleine Köötze“ in der Oberen Steingasse. Hier gibt es nordhessische Spezialitäten im schnuckeligen Ambiente, im Sommer auch draußen vor der Tür. (Eine Köötze/Kötze ist übrigens eine Tragekorb, der auf dem Rücken getragen wird. Früher wurde damit Holz aus dem Wald geholt)

Auch wenn die Einheimischen über die „hohen“ Parkgebühren stöhnen, sind Großstädter oft verblüfft, dass sie mit wenigen Euro den ganzen Tag parken können (20 min. 20 cent). Zentrumsnah gibt es zudem noch kostenlose Parkplätze.

Melsungen war im Mittelalter von einer Stadtmauer umgeben. Der Eulenturm, einer der Wehrtürme – der zeitweilig auch als Gefängnis diente – ist noch in Originalgröße vorhanden. Auf weitere Stadtmauerreste stößt man beim Stadtrundgang.

Bereits seit 1966 Jahren gibt es eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Dreux. Schon zu meiner Schulzeit gab es regelmäßigen Schüleraustausch. In den Folgejahren kamen weitere Partnerschaften mit Evesham (Großbritannien), Todi (Italien), Koudougou (Burkina Faso), Bad Liebenstein (Deutschland) und eine Verbundenheit mit Berlin-Spandau dazu.

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Welche Highlights bietet Melsungen noch?

  • Man muss unbedingt mal beim Osterfeuer in einem der Stadtteile Obermelsungen, Günsterode oder Schwarzenberg gewesen sein. Ich selbst finde die Osterräder, die in Günsterode den Berg herunter gerollt werden, am imposantesten.
  • Einmal jährlich am ersten Augustwochenende findet das legendäre Grasbahnrennen unterhalb der St.-Georgs-Brücke statt. Dann röhren die Motoren auf und die Fahrer legen sich in die Kurven. Als Zuschauer bleibt man selten sauber, soviel Dreck wird durch die Motorräder und Seitenwagen aufgewirbelt.
  • Weitere Feste, wie das Heimatfest, das Weinfest (unweit von Melsungen befindet sich in Felsberg-Böddiger der nördlichste Weinberg Hessens – der Wein empfiehlt sich nur für Liebhaber staubtrockener Weine) und der Weihnachtsmarkt verteilen sich über das Jahr.
  • In Melsungen gibt es eine lebendige Kabarettszene. „Die Bartenschwätzer“ sind seid vielen Jahren eine lokale Institution, mit prominenter Besetzung: Dieter Posch, ehemaliger hessischer Wirtschaftsminister gründete es einst mit Freunden und Bekannten. 2016 findet zum 22. Mal der Kabarettwettbewerb um „die scharfe Barte“ statt.
  • Melsungen ist eine sportliche Stadt. Die MT Melsungen spielt in der 1. Bundesliga erfolgreich Handball. Da die eigenen Sporthallen längst zu klein geworden sind, werden die Heimspiele in der Kasseler Rothenbachhalle durchgeführt.
  • Das älteste Haus findet man im Zentrum in der Cyllsgasse, gegenüber der Stadtkirche. Ein Blick in die Kirche mit ihrem Sandstein und den gotischen Bögen lohnt sich.

Ein lohnender Ausflug in der Umgebung ist ein Besuch des Heiligenberges, von dem man einen Rundblick über die Region hat. Bei gutem Wetter kann man bis zum Herkules nach Kassel schauen.

Lust auf Melsungen bekommen? Dann fahrt doch mal hin. Ein Abstecher lohnt sich. Die Stadt hat eine eigene Autobahnabfahrt an der A7.                                                                  Vorsicht bei der Einfahrt in die Stadt: da es hier sehr steil ist und schon mehrfach die Bremsen von LKW’s versagten, die dann ungebremst in Wohnhäusern landeten (glücklicherweise bisher ohne Personenschäden), gibt es hier eine Notfallspur, eine scharfe Links-Rechts-Kurvenkombination und die Geschwindigkeit ist (mit Recht) auf 30km/h inklusive Blitzerüberwachung beschränkt.

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