Corinna – Fernab jeglicher Zivilisation

Reisebericht 6

20. bis 24. Dezember 2015

Die letzten Tage war ich mehr oder weniger freiwillig abstinent, was die  Einträge angeht.

Ungewollt oder doch gewollt war ich mehr oder weniger unauffindbar. Merkt euch den Namen Corinna, falls ihr mal eure Ruhe haben wollt. Natur pur, direkt am Pieman River gelegen ist dieses ehemalige Goldgräberstädtchen sehr idyllisch. DSC_2484Allein die Anfahrt ist eine Reise wert. Ich kam vom Süden her. Einzige Möglichkeit dort hin zu kommen, ist mit der Fähre Fatman barge. Zwei Autos gehen maximal drauf. Die Überfahrt kostet AUS$ 25,- und dauert 3 min. Plausch mit dem Fährmann inclusive. Falls die Fähre gerade am anderen Ufer ankert, sollte man den Red Button drücken, sonst wartet man vergeblich. Soviel Verkehr gibt es nicht, dass der Fährmann auf Kundschaft wartet. Es dauert aber auch nur wenige Minuten, bis er kommt. Ein ziemlich stressfreier Job – wie übrigens alle Jobs im Ort.

Ich glaube, dass Wort „schnell“ kennt man hier nicht. Wozu auch? Einfach mal einen Gang runter schalten. Hier passiert nichts weltbewegendes, warum also hetzen? Beim Einchecken wurde mir gleich gesagt, dass ich für mein Dinner am besten einen Tisch reservieren soll. Dinner gibt es von 18 – 19.30 Uhr. Die Reservierung ist übrigens nicht nötig, damit man einen freien Tisch bekommt – nee, davon gibt es genug – nur eine Handvoll Menschen gönnt sich diese Auszeit – sondern damit die Küche entsprechend Vorräte bereit hält. Nur einmal die Woche wird hier Ware angeliefert. Es liegt einfach zu weit im Regenwald. Die nächsten ¨größeren¨ Orte Waratah im Norden oder Zeehan im Süden sind jeweils etwa 65 km entfernt und nur über die legendäre Silica Road, eine Schrotterstrasse mit feinstem, weißen Siliziumsand erreichbar.097.JPG

Die obligatorische Gästebroschüre entlockte mir beim Durchlesen mehrere Schmunzler. Am besten gefiel mir das:

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Quiet and Peace, noch nie hat es so sehr gestimmt wie hier

Die Telephone Box: Ich hab es versucht sie zu finden und nach vielen weiteren Kilometern aufgegeben und bin zurück gefahren. Im Umkreis von 60 km war kein Handynetz, geschweige denn Internet verfügbar. Wäre auch egal gewesen, wenn ich nicht am Folgetag weiter hätte fliegen müssen und checken musste, ob die Inlandsflüge nicht doch verschoben worden sind.

Quiet and Peace. Jo, anders kann man das nicht nennen. Und noch so ein Hinweis (falls ihr dort mal hin wollt): ohne Auto geht gar nichts und rechtzeitig tanken! Die nächste Tankstelle kann auch schon mal 110 km entfernt sein.

Dafür waren meine Dinner immer sehr lecker. Am besten war am letzten Abend das hausgemachte Ciabattabrot mit Knoblauchbutter. Ganz frisch und noch warm serviert. Wie sehr man sich über richtiges Brot freuen kann…, denn wie in vielen anderen Ländern auch, ist hier meist nur Toastbrot – von mir liebevoll Quietschebrot genannt – erhältlich.

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„Öko“ Cottage Pete’s Place

Auch wenn es jetzt vielleicht so klingt, als wäre ich anspruchsvoll und nur am meckern oder jammern, habe ich noch eine Anmerkung zu meiner Behausung. Es ist nicht so, dass es mir dort nicht gefallen hätte – ganz im Gegenteil, ich konnte die Ruhe genießen – aber eine „löcherigere“ Bude wie diese ist mir auf der Reise sonst nicht untergekommen. Lag wahrscheinlich an der Erwartungshaltung, denn mein Prospekt versprach: Übernachten Sie in modernen Öko-Cottages, die in den Hang des ehemaligen Bergbau Dorfes gebaut wurden. 

Ok, wenn man unter Öko die Belüftung des Hauses durch die vorhanden Ritzen oberhalb, unterhalb und rechts und links der Haustür versteht…. Und modern? Gut, vielleicht muss eine Gasheizung nicht unmodern sein, aber dieses Modell sah mir so aus, als wenn es noch von den Goldgräbern übrig war. Auch das sonstige Mobiliar war wild zusammen gewürfelt und eher antiquiert. Das Cottage wäre für Personen über 1,70 m nicht geeignet gewesen, denn auch die Decken waren nahe des nicht mal erhobenen Hauptes. „Einfach“ statt „modern“ hätte es jedenfalls eher getroffen. Die anderen Cottages sahen etwas moderner aus. Die waren auch nicht aus rostangefressenem Wellblech wie meines, sondern aus Holz. Und dafür AUS$ 150,- die Nacht! Holla.

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Wegmarkierung am Sassafras

Die Wanderungen durch den Regenwald waren dafür super. Und auch die Fahrt auf der historischen Arcadia II war ein echtes Erlebnis. Gemütlich wurde auf dem Pieman River Richtung Ozean entlang geschippert. Am Rande bis zu 3000 Jahre alte Huonkiefern, die gerne zum Schiffbau verwendet werden, da das Holz nicht fault. Farnbäume, Myrtle Beech, Sassafras und andere, für diese Gegend typische Gewächse säumten das Ufer. Viele verschiedene Vögel begleiteten unser Flussfahrt. Kajaks hätte man gegen eine geringe Gebühr auch ausleihen können.

Und das Wetter meinte es, bis auf den Anreisetag, auch wieder sehr gut mit mir. Die so typischen „roaring forties“ und „four seasons a day“, für die die Westküste bekannt ist,  blieben aus. Nur der erste Spätnachmittag und die Nacht wurden durch heftige Regenschauer getrübt, der erste Morgen war dadurch sehr kalt (aber ich habe mich mutig an die antiquierte Heizung gewagt und es mir mollig eingeheizt), dann wurde es zunehmend wärmer und die restliche Zeit waren es wieder über 22 Grad.

Endstand Tasmanien: 2911,7 km mit dem Auto gefahren, 372.776 Schritte = 283,3 km gelaufen, Verlust: eine Mütze

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Australischer Humor: der Gummibaum

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