Am Rand der Welt

Reisebericht 3

8. bis 10. Dezember 2015

Am 8. Dezember verließ ich mein idyllisches Landhaus in Kettering und machte mich auf den Weg nach Port Arthur, der hier allseits bekannten Sträflingsfestung, von der allerdings nur noch Ruinen übrig sind. Ich selbst habe darauf verzichtet, diese zu besuchen, auch wenn das wohl zum Standart-Touriprogramm gehört, aber man sieht hier überall Fotos davon und ich glaube nicht, dass ich was verpaßt habe. Da habe ich die Zeit lieber zum Laufen entlang der Bay genutzt.

Unterwegs hielt ich am Tasmanian Devil UnZoo an, einem niedlichem Tierpark mit kleinem botanischen Garten und einer Aufzuchtstation einheimischer Tiere. Endlich bekam ich mal die Fauna zu sehen, die so typisch für hier ist: Tasmanische Teufel, Possums, Kookabooras, Känguruhs und Wallabies.

Tasmanischer Teufel

Besonders die possierlichen Wallabies haben es mir angetan und am liebsten würde ich eines im Handgepäck mitnehmen.

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Am Nachmittag erreichte ich meine Unterkunft. Diesmal handelte es sich um eine Feriensiedlung mit kleinen Lodges. Mein Häuschen stand auf einer Anhöhe mit Blick auf den Stewarts Bay. Übrigens habe ich hier schon so viele traumhafte Strände gesehen mit dem schönsten, hellsten, feinen Sand der Welt und man hat sie immer für sich allein! Keine Liegestühle, keine Sonnenschirme, keine Strandkörbe, kein Streit um den besten Platz – denn den muss man sich selbst wählen und das fällt schon bei 100 Metern Einsamkeit schwer.

Auch dieses Haus hatte die obligatorische, kleine Veranda, unter der sich abends die Wallabies und andere Tiere zum Schmausen verabredeten. Wirklich auffallend war die Stille. Als Städter ist man ja nun mal Straßenverkehr, Fluglärm, Geschrei usw gewöhnt. Hier war nur das Rauschen der Blätter, das Plätschern der Schaumkronen und das Zwitschern einheimischer Vögel zu hören. Und internetfreie Zone war hier auch. Kein Empfang. Allein deshalb konnte ich meinen Blog vorher nicht erneuern. Zeit hat hier eine ganz andere Bedeutung. Alles ist langsamer und entspannter. Echter Balsam für die Seele.

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Mein Ausblick über Stewarts Bay

 

Gestern dann, am 9. Dezember, fuhr ich in den Tasman Nationalpark zur Fortescue Bay. Wieder so ein traumhafter Ort mit Sandstrand und Klippen. Zuerst muss man sich beim Parkranger anmelden, dann ins Registration Book eintragen (und später wieder austragen).

DSC_2105Ich wählte einen der 60 Great Short Walks of Tasmania, nämlich den zum Hauy Cape. Die Wege sind hier in 4 Schwierigkeitsstufen eingeteilt, von 1 (Leicht) bis 4 (Anspruchsvoll). Da das Wetter hier (angeblich) sehr gerne schnell wechselt, sollte man auch eine Mindestausrüstung dabei haben: Regenjacke, Wanderschuhe, Sonnenhut, -creme, -brille und am besten – bei Wanderungen die länger als 2 Stunden dauern – auch genug Wasser und eine Kleinigkeit zum Essen. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass dies ein Kategorie 3 Weg war. Ich empfehle ihn nicht zum Einstieg, außer man ist körperlich sehr fit.

Der Weg war kräftezehrend, da er ständig bergauf und bergab ging. Anfangs schlängelte sich ein Pfad durchs Tal, je näher man den Klippen kam, desto mehr bestand der Weg nur noch aus Treppenstufen. Ich habe sie nicht gezählt, es müssen aber hunderte gewesen sein. Heute lecke ich noch meine Wunden und merke meine Unterschenkel. Muskelkater lässt grüßen. Daher heute auch eher ein Ruhetag. Dennoch möchte ich den Weg nicht missen. Azurblauer Himmel, türkisfarbenes Meer, schroffe Felswände neben großen Eukalyptusbäumen und niederem Gehölz. Ich bin noch voller Eindrücke. Hinter jeder Biegung erwartete mich ein neues Panorama. Am Ende eine Steilklippe. Ich hatte tatsächlich den Eindruck, am Rand der Welt zu stehen! So nennen die Tassies auch liebevoll ihre Insel.

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Der Horizont war wie abgeschnitten. Auf den Fotos kann man das nicht so sehen, wie es in der Realität war. Sonst sieht man am Meereshorizont immer die Krümmung, hier war es anders. Ein bisschen wie bei Asterix und Obelix, wo die Welt eine Scheibe ist.

Heute dann, am 10. Dezember, ging es weiter über den East Coast Highway. Highway heißt hier jede Straße, die größere Ortschaften miteinander verbindet. Man sollte aber nicht denken, dass es sich hierbei um eine gut ausgebaute (bundesdeutsche) Autobahn handelt. Sowas gibt es hier nämlich gar nicht. Ebenso wie eine größere Ortschaft nicht mal die Größe einer Kreisstadt hat. Diese „Städte“ haben dann auch eine Shoppingzone (es sind also mindestens 3 Geschäfte nebeneinander vorhanden) mit Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50km/h. Ortschaften mit mehr als 10 Häusern nennen sich township oder towncenter. Niedlich. Hier darf man keine deutschen Maßstäbe ansetzen – zum Glück.

Gegen Mittag traf ich – mit mehreren Zwischenstops – in Swansea im historischen Meredith House Bed & Breakfast ein, und wurde von meinen Gastgebern N. und N. begrüßt. Einer von beiden führte mich dann in mein Reihenhäuschen und erklärte mir alles langsam und ganz ausführlich. Auch hier kann man sich direkt heimisch fühlen. Ich habe eine Kitchenette mit Kapselkaffeemaschine (hurra, endlich mal wieder ein leckerer Kaffee), ein Wannenbad und eine grün umrankte Veranda. Im Garten findet sich alles, was man für ein Barbecue benötigt und auch ein Häuschen mit Waschmaschine.

Einen ersten Rundgang durch den Ort habe ich auch schon gemacht und dabei einen sehr romantischen Weg entlang des Strandes mit diversen Sitzgelegenheiten gefunden. Frühstück gibt es morgen um 8 am im Haupthaus.

Kettering – südlich von Hobart<-Vorheriger Bericht◊Nächste Station: Swansea

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