Kettering – südlich von Hobart

Reisebericht 2

Sagt selbst: ist es nicht eine Augenweide, von einem radschlagenden Pfau begrüßt zu werden?

Ich hatte sofort den Eindruck, endlich angekommen zu sein. Jetzt konnte mein Urlaub beginnen, bereit für Abenteuer aller Art und trotzdem Entspannung pur. Eine sagenhafte Mischung.

Anfang Dezember 2015

Ich bin mitten im Nirgendwo auf einer Farm südlich von Hobart. Momentan habe ich ein ganzes Farmhaus für mich alleine – abgesehen von Familie Pfau, 2 Eseln (die sich bei genauere Begutachtung als Alpakas heraus stellten) etlichen Gänsen und einigen Schafen. Die Farmbesitzer sind zum Dinner aus und haben mir einfach einen Brief mit allen „Instruktionen“ die nötig sind da gelassen. Neben einem Schlafzimmer mit Doppelbett habe ich einen Living Room mit angeheiztem Kamin zur Verfügung, eine idyllische Veranda, einen großen Garten und ein stylisches Badeparadies mit Whirlpool. Ich glaube, ich bedauere es schon jetzt, nur 2 Nächte hier zu verbringen.

Das Wetter ist durchwachsen, kühl. Auf der Fahrt hierher tröpfelte es auch stellenweise. Ans Linksfahren kann man sich gut gewöhnen, zumal hier überall eher langsam gefahren wird. Außerhalb geschlossener Ortschaften gilt Tempo 80, nur auf Hobart’s Stadtautobahn durfte man auch mal 110 km/h fahren. Sehr chillig und gut zum Eingewöhnen.

Über den Flug lasse ich mich nicht näher aus. Nur soviel: je kürzer die Distanz, desto kleiner das Flugzeug, desto holperiger geht es von statten. Seitenwind auf Start- und Landebahn tut sein übriges dazu.

Nachdem ich mich ein paar Tage rar gemacht habe, kommt nun das Update. Es waren sehr eindrucksvolle, ruhige Tage.

5. – 8. Dezember 2015

Im Rosefield Bed & Breakfast Kettering konnte man sich wirklich wie zu Hause fühlen. Besonders die Hausherrin gab sich sehr viel Mühe, es mir so angenehm wie nur möglich zu machen. Jeden Morgen bekam ich frisch zubereiteten Toast mit Rührei, einer dicken Scheibe Bacon und 2 Stangen grünem Spargel. Dazu eine Kanne Earl Grey Tea in stilvollem Silberkännchen serviert.

Abends bot mir der Hauherr dann jeweils ein Glas Wein an. Allerdings war die Unterhaltung mit ihm wesentlich schwieriger, da er sehr schnell sprach und den typischen australischen Akzent hatte. Nichts desto trotz versuchten wir uns den Sprachbarrieren trotzend zu unterhalten. Zum Abschied am 8. Dezember bot mir die Hausherrin an, für 12 Monate zu work & travel zu ihr zu kommen – bei freier Kost und Logis. Ich solle ihr nur täglich 4 Stunden im Haus und im Garten helfen und ich würde anschließend sicher gut englisch sprechen und verstehen. Ein Jahr Auszeit ist leider nicht drin. Schade. Ich habe mich dort unglaublich wohl und heimisch gefühlt.

Am Nikolaustag habe ich eine Bootsfahrt (Pennicott Journey Wilderness Tour) unternommen. Entlang der felsigen Steilküste ging es in rasantem Tempo und unter Mitnahme aller Wellenkämme (nicht umsonst werden zu Beginn der Fahrt kostenlos Ingwertabletten gegen Seekrankheit angeboten) zu den Seehundbänken. Unser Guide hatte sichtlichen Spaß, machte ein Späßchen nach dem anderen und erklärte viel über Fauna und Flora. Mein Highlight waren dann die neben dem Boot auftauchenden Delfine.

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Am folgenden Tag fuhr ich nach Hobart, der Hauptstadt, die ca. 250.000 Einwohner zählt. Ich besorgte mir im Visitor’s Informationcenter einen Pass für die Nationalparks, denn ohne diesen darf man dort nicht hin. Der Pass kostet AUS$ 60,-, gilt für alle Nationalparks (und davon gibt es etliche) und ist 2 Monate gültig. Trotzdem Hobart eher nur eine kleine Großstadt ist, hat mich der Ausflug bis dahin eher gestresst. Dort herrscht viel mehr Verkehr und man muss sich schon gut konzentrieren, da man den Linksverkehr dennoch nicht hunderprozentig verinnerlicht hat. Außerdem sehen hier die Straßenschilder alle anders aus.

Gelbes Schild=empfehlenswert

Gelbe Geschwindigkeitsangaben sind eher als „Vorschläge“ zu betrachten, die rotweissen mit schwarzer Schrift sind verbindlich. Besser dran halten, denn hier in Australien fallen die Strafen sehr hoch aus. Selbst bei nur 3 km/h zu schnell kann das gerne mal um die AUS$ 250 kosten, erzählten mir Andere.

Danach fuhr ich wieder ca. 160 km in südliche Richtung. Mein Ziel sollte der Tahune AirWalk – ein Baumwipfelpfad werden. Die Anfahrt war schon ein kleines Abenteuer für sich. Man fährt die letzten 29 km durch den Regenwald, bei durchschnittlich 50 km/h. Und dann dieser Verkehr! Insgesamt sind mir doch tatsächlich 3 Autos entgegen gekommen und eins fuhr hinter mir her und wagte es sogar, mich zu überholen.

Die ReiseEule zeigt Mut und wagt sich über die wackelige Metallkonstruktion in schwindelerregender Höhe des Regenwaldes

Ein bisschen hatte man den Eindruck, niemals irgendwo anzukommen. Doch wie so oft endete die Straße dann doch. Der Airwalk war gut zu bewältigen, wäre sogar für Rollstuhlfahrer geeignet. In schwindelerregender Höhe windet sich eine Metallkonstruktion durch die Kronen der Eukalyptusbäume, um am Ende frei schwingend, mit fantastischem Ausblick auf den Huonriver zu enden. DSC_1827Zurück ging es noch über die Swinging Bridges und an einem – man erwartet es nicht – tief im Wald verborgenenen Hubschrauberlandeplatz vorbei. Das Wetter meinte es zudem auch noch gut mit mir. Und der Regenwald hat einen ganz eigenen, sehr angenehmen Geruch. Unbeschreiblich. Die Luft ist hier so sauber. Tasmanien soll die sauberste Luft der Welt haben, was man sofort glaubt, wenn man hier war.

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Im Anschluß erlaubte ich mir noch einen Abstecher fast bis an die Südspitze Tasmaniens. Eine Sackgasse – denn die Straße endet mehr oder weniger am Rand der Welt.

Am 8. Dezember verließ ich dann mein idyllisches Landhaus und machte mich auf den Weg nach Port Arthur.

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